Im Zoo-Gesellschaftshaus soll ein Jugendtheater entstehen. Doch das Rechnungsprüfungsamt hält das Gebäude für technisch nicht geeignet. Ein Dämpfer für das Herzensprojekt von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD).
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Im Zoo-Gesellschaftshaus soll ein Jugendtheater entstehen. Doch das Rechnungsprüfungsamt hält das Gebäude für technisch nicht geeignet. Ein Dämpfer für das Herzensprojekt von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD).

Gegenwind für Frankfurter Kulturprojekt

Rechnungsprüfer warnen vor Jugendtheater im Zoo

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    VonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Amt übt zudem scharfe Kritik auch an zu langsamem Ausbau von Schulen und fehlender Digitalisierungsstrategie im Römer

Frankfurt -Gegenwind für ein Lieblingsprojekt der SPD: Aus dem Römer selbst wird eine deutliche Warnung vor dem geplanten Kinder- und Jugendtheater im Zoo-Gesellschaftshaus laut. "Aus technischer Sicht halten wir das Gebäude für diese Nutzung für ungeeignet", sagt das Rechnungsprüfungsamt der Stadt.

Die Kritik äußert das Amt mit Leiter Hans-Dieter Wieden in den Schlussberichten für das Abrechnungsjahr 2019. Darin machen die Rechnungsprüfer auch "Feststellungen" zur Organisation der Kernverwaltung - und stellen sich klar gegen das von der SPD massiv vorangetriebene Kinder- und Jugendtheater. Die "Umnutzung des Zoo-Gesellschaftshauses in ein Kinder- und Jugendtheater führt zum Verlust wertvoller Flächen für die Eigennutzung und Erweiterung des Zoologischen Gartens", warnen die Prüfer.

Vor allem Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hatte das Theaterprojekt forciert, ihre Partei es in der vorigen Koalition mit CDU und Grünen durchgesetzt. Auch die neue Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt will das Zoo-Gesellschaftshaus für 13 Millionen Euro umbauen. Seit Juli gibt es einen Architektenentwurf. Dezernentin Hartwig will das Vorhaben binnen zwei Jahren zur Beschlussreife bringen.

Scharfe Kritik äußern die Wächter der Steuergelder an Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). So sei die Bedarfsermittlung für den Schulentwicklungsplan unzureichend. Auch gehe der Ausbau der Schulen nicht schnell genug: So sei für sieben überlastete Grundschulen überhaupt keine Entlastung geplant. Aktuell habe die Stadt für einen zusätzlichen Bedarf von 950 Plätzen für den ersten Grundschuljahrgang nur 175 Plätze geschaffen. Das Urteil der Rechnungsprüfer für Weber sei "übersetzt eine Note sechs", urteilt CDU-Fraktionsvorsitzender Nils Kößler. Es sei stillos, wenn die CDU schon jetzt Kritik übe, obschon sie erst seit kurzem nicht mehr in der Regierung sei, widerspricht SPD-Fraktionschefin Ursula Busch.

Eine Klatsche der Prüfer fängt sich allerdings auch der gesamte Magistrat ein, weil die Stadt bis heute keine gesamtstädtische Digitalisierungsstrategie habe. Das sei kein Versäumnis der Verwaltung, betont Amtsleiter Wieden, sondern "Folge bestehender Beschlusslagen". Sprich: fehlenden Entscheidungen der Politik. Den bisher zuständigen Dezernenten Jan Schneider (CDU) nimmt Wieden dabei in Schutz: Es sei ein strukturelles Problem, die Digitalisierung werde nicht als Querschnittsarbeit wahrgenommen. "Das muss der neue Magistrat ändern."

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