Diese Schüler demonstrierten vor dem Kindermuseum für den Frieden und gegen den Terrorismus und Krieg.
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Diese Schüler demonstrierten vor dem Kindermuseum für den Frieden und gegen den Terrorismus und Krieg.

Mitmachausstellung „Kinder haben Rechte!“

Für die Rechte der Kinder

  • VonGernot Gottwals
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Mit der Mitmachausstellung „Kinder haben Rechte!“ thematisiert das Kindermuseum Frankfurt die Kinderrechte der Vereinten Nationen, die Deutschland vor 25 Jahren ratifizierte.

Vor der stilisierten Skyline hängt ein roter Briefkasten, der mit Wünschen und Anregungen gefüttert werden soll. Deshalb informiert das Frankfurter Kindermuseum gleich am Eingang seiner Ausstellung darüber, dass sich die Kinderbeauftragten der Stadtteile und das Kinderbüro um die Anliegen der Kinder und Jugendlichen kümmern. David (10) denkt allerdings globaler: „Wir sind hier, wir werden laut, weil man uns den Frieden klaut!“, skandiert er mit seinen Altersgenossen. Die Schüler der Leibnizschule tragen auch Transparente, um vor dem Museum an der Hauptwache gegen den Terrorismus zu protestieren.

Zwei Klassen der Leibniz- und Friedrich-Fröbel-Schule besuchten vorab die Ausstellung „Kinder haben Rechte!“, die am Sonntag, 2. April, um 15 Uhr eröffnet und bis 29. Oktober dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr kostenfrei besucht werden kann. Passend zum diesjährigen Wahlmarathon dürfen die Jungen und Mädchen Demokratie üben, von der Wahlkabine bis zum Kinderparlament, in dem die kleinen Abgeordneten über ihren Lebensstandard, ihr Recht auf Bildung und über den Schutz von Kindern auf der Flucht und im Krieg debattieren. „Der Film vom geflüchteten Ali ging uns sehr nahe, hoffentlich kann er in unserem Land bleiben“, sagte Dorothea (11).

Große Kampagne

Die Ergebnisse ihrer Diskussionen formulierten die Kinder als Brief an den Kinderbeauftragten des jeweiligen Stadtteils, um künftige Planungen zu unterstützen: „Denn wenn wir die Stadt weiterentwickeln, ist es wichtig, Spielplätze und Kindergartenplätze gestaltbar mitzudenken“, betonte Oberbürgermeister Peter Feldmann(SPD) und verwies auf die Kinderrechtskampagne „Stadt der Kinder“, die ab dem 2. Juni mit 60 Veranstaltungen im gesamten Stadtgebiet läuft. Diese Kampagne ergänzt die letzte Ausstellung vor dem Rückzug ins Historische Museum, die wie ein Stationenspiel funktioniert: Zu Beginn des Rundgangs erhalten die Kinder einen Pass mit dem Wortlaut der 54 Artikel und sammeln dazu Stempel in den sechs Abteilungen zu den Leitthemen „Gleichheit“, „Freie Meinungsäußerung und Information“, „Schutz im Krieg und auf der Flucht“ sowie „Bildung und Kultur“, „Schutz der Privatsphäre“ und „Gutes Leben“.

Zu den Hauptattraktionen gehört ein „Geheimomat“, dem die Kinder Intimes anvertrauen können. „Heraus kommt dann eine verzerrte Stimme“, schmunzelt Dorothea (11). „Doch vielen von uns ist das Problem vertraut, dass Eltern wissen wollen, was in unseren privaten E-Mails steht.“

„Die aktuelle Ausstellung verleiht den Kindern in unserer Stadt eine Stimme, schenkt ihnen Gehör und regt sie an, sich mit ihren Gedanken einzubringen und die Gesellschaft mitzugestalten“, lobt Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Es sei den Kuratoren gelungen, einen nüchternen Gesetzestext zu einer interaktiven Ausstellung zu formen, die mit einem elektronischen Wandspiel Kinder dazu anregt, sich kreativ mit wichtigen Schutzobjekten wie einer Zahnbürste, einem Fahrradhelm oder dem Frankfurter Sorgentelefon für Kinder und Jugendliche (0800/111 03 33) zu beschäftigen.

Langer Prozess

Am 20. November 1989 wurden die Kinderrechte von der Generalversammlung der Vereinten Nationen festgeschrieben und verabschiedet, in Deutschland trat die Konvention 1992 in Kraft. Dazu bedurfte es jedoch eines langen historischen Prozesses: Denn in früheren Jahrhunderten kam den Kindern meist nur die Rolle zu, bei der Arbeit eingesetzt zu werden und den Unterhalt und Fortbestand der Familie zu sichern. „Natürlich gibt es auch für Kinder Grenzen und Pflichten“, räumt die Leiterin des Kinderbüros Susanne Feuerbach ein. „Doch Kinderrechte sind unveräußerlich, selbst wenn ein Kind absichtlich etwas Böses getan hat.“

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