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Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz.

Verdacht gegen Polizisten

Rechtsradikale drohen Frankfurter Anwältin: „Wir schlachten deine Tochter"

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Der Skandal um eine Nazi-Chatgruppe bei der Frankfurter Polizei weitet sich aus. Anlass der internen Ermittlungen war ein Drohschreiben an die Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz.

Die Ermittlungen gegen fünf Frankfurter Polizisten, die rechtsextreme Chat-Nachrichten ausgetauscht haben sollen, weiten sich aus. Laut dem Frankfurter Staatsschutz wurden die Ermittlungen durch einen Drohbrief an die Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz ausgelöst, welcher der Frankfurter Neuen Presse vorliegt. In diesem Drohbrief wird auch die private Adresse der Rechtsanwältin genannt. Staatsschutz-Ermittler entdeckten daraufhin, dass von einem Dienstcomputer im ersten Frankfurter Polizeirevier die Melderegister-Einträge von Basay-Yildiz abgerufen worden waren.

„Miese Türkensau!"

Die Frankfurter Anwältin verteidigt Islamisten und trat im NSU-Prozess als Nebenklage-Vertreterin auf. Am 2. August erhielt sie eigenen Angaben zufolge ein Drohschreiben, das mit „NSU 2.0“ unterzeichnet wurde. In dem Schreiben, das der Frankfurter Neuen Presse vorliegt, heißt es: „Miese Türkensau! Du machst Deutschland nicht fertig. Verpiss dich lieber, solange du hier noch lebend rauskommst, du Schwein! Als Vergeltung schlachten wir deine Tochter.“

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Daraufhin folgt in dem Schreiben die Nennung der Privatadresse der Rechtsanwältin sowie des Namens ihrer zweijährigen Tochter. „Ich konnte mir nicht erklären, woher der Verfasser des Schreibens diese Daten hat“, sagte Basay-Yildiz der FNP. „Deshalb habe ich mich an die Polizei gewandt.“

Spur ins 1. Polizeirevier

Die Staatsschutz-Ermittler der Frankfurter Polizei bestätigten der Rechtsanwältin am Donnerstag, dass die Melderegister-Einträge von Basay-Yildiz von einem Dienstcomputer im ersten Frankfurter Polizeirevier abgerufen worden waren. Eine dienstlicher Anlass für die Abfrage der Daten sei nicht erkennbar. Bei der Überprüfung des Vorgangs entdeckten die Ermittler eine Chatgruppe, in der sich fünf Polizeibeamten Hakenkreuze und Hitler-Bilder geschickt haben sollen.  Gegen sie läuft aktuell ein Strafverfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Ob einer oder mehrere der beschuldigten Polizisten das Drohschreiben an die Rechtsanwältin verfasst haben, ist laut den Ermittlern bislang unklar. „Aus ermittlungstaktischen Gründen“ wolle auch die Frankfurter Staatsanwaltschaft dazu keine Auskunft geben, sagte eine Sprecherin der FNP.

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