Wahlsonntag

Region schaut auf Frankfurter OB-Wahl

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506 000 Frankfurter sind aufgefordert, ihren Oberbürgermeister zu wählen. Ob Amtsinhaber Peter Feldmann (SDP) oder einer der elf Herausforderer den Sieg davonträgt, wird auch von den Nachbarn gespannt beäugt.

Wer sich künftig die schwere goldene Frankfurter Amtskette umlegen darf? Mathias Geiger, Bürgermeister von Eschborn, ist es fast gleichgültig. „Das Wichtigste für uns ist, dass Frankfurt mit seinen Bauplänen östlich der Autobahn A 5 bleibt.“

Damit ist der Liberale mittendrin im Frankfurter Wahlkampf. Am Sonntag wird das Amt des Oberbürgermeisters dort neu vergeben, rund 506 000 Bürger sind aufgerufen, zur Wahl zu gehen. Peter Feldmann (SPD) kämpft um seine Wiederwahl, elf Herausforderer wollen an seiner Stelle in den Römer einziehen. Weil es so viele sind, wird damit gerechnet, dass es in zwei Wochen eine Stichwahl gibt.

In den Programmen der Kandidaten dominieren die Themen Wohnen, Sicherheit, Verkehr und Schulen. An Haustüren, Wahlständen und von großen Bühnen herunter erklärten Feldmann und seine Herausforderer vor allem, wie sie das Wachstum der Stadt gestalten wollen. Der Steinbacher Amtskollege Stefan Naas (FDP) hat da eine Empfehlung: „Östlich der A 5 kann Frankfurt sofort bauen, was es will, aber bei uns in den Vorgärten ist es etwas anderes.“ Insgeheim dürften er und Geiger darauf hoffen, dass die CDU-Kandidatin Bernadette Weyland ins Amt kommt, denn sie will den neuen Stadtteil an der Autobahn enden lassen. Anders Amtsinhaber Feldmann: Er ist der Vorkämpfer für eine großflächige Neubebauung.

Ein Wechsel im Römer bewegt also die ganze Region – und auch die Nachbarn haben Erwartungen und Wünsche. „Die Stadt muss verstärkt auf das Umland zugehen. In der regionalen Zusammenarbeit ist noch viel Luft nach oben“, sagt der Steinbacher Naas. Der Offenbacher Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD), lässt seinen Unmut nur vorsichtig anklingen.

VIDEO: Darum geht es bei der OB-Wahl!

Die beiden Städte seien eng verbunden, etwa durch das neue Quartier am Hafen, kulturelle Projekte wie die „Nacht der Museen“ und die geplante Multifunktionshalle am Kaiserlei. So müsse es weitergehen, die Abstimmung sogar noch deutlich enger werden. „Frankfurts Name zieht in der Welt, aber ebenso wie beim Thema Wohnen kann die Stadt auch das Thema Wirtschaftsansiedlungen nicht alleine lösen“, sagt Schwenke.

Er sieht viel Nachholbedarf: Die Tarifgrenze zwischen Frankfurt und Offenbach müsse fallen, eine Südtangente solle das Schienennetz zwischen den Städten verstärken, und für den Flughafen müsse man sich auf den „richtigen Mix aus Lärmschutz und ökonomischer Entwicklungsperspektive“ einigen. „Erste Voraussetzung dafür ist, dass der oder die Oberbürgermeister/ in die Zusammenarbeit ernst meint. Rhetorische Floskeln reichen nicht.“

So skeptisch sind längst nicht alle: „Die Zusammenarbeit könnte derzeit nicht besser sein“, erklärt der Kelsterbacher Bürgermeister Manfred Ockel (SPD). Er glaubt an ein Zusammenwachsen der Region. „Ich bin ein starker Befürworter eines kompetenten Regionalparlaments. Nur damit wird es ein handlungsfähiges, homogenes Rhein-Main-Gebiet geben, in dem die Kommunen ihre Identität und Selbstverwaltung nicht verlieren.“

„Das Verhältnis zwischen Frankfurt und dem Umland hat sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich verbessert“, gesteht auch Hans-Georg Brum (SPD), Bürgermeister von Oberursel, zu und fordert wie viele Kollegen, die Zusammenarbeit weiter voranzutreiben: „Wir sind voneinander abhängig.“

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