Ausgedörrt sieht es jetzt schon am Frankfurter Main-Ufer aus. Dabei wird es in den nächsten Tagen erst richtig heiß.
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Ausgedörrt sieht es jetzt schon am Frankfurter Main-Ufer aus. Dabei wird es in den nächsten Tagen erst richtig heiß.

Turbo-Sommer

Die Region trocknet aus - Temperaturen bleiben über 30-Grad-Marke

Es wird heiß – und zwar so richtig: In den kommenden Tagen rollt eine Hitzewelle über die Region. Meteorologen erwarten Spitzentemperaturen von 36 Grad und mehr. Eine Herausforderung für Krankenhäuser, Kindergärten, Pflegeheime.

Eine ausgeprägte Hitzewelle wird in den kommenden Tagen über die Region hinwegrollen. Meteorologen rechnen mit Tagestemperaturen deutlich über 30 Grad – und das für bis zu zwei Wochen. „So eine lange Hitzewelle kann man nur noch als extrem und sehr, sehr gefährlich bezeichnen“, sagt der Meteorologe Dominik Jung von wetter.net. Laut Deutschem Wetterdienst war Bad Nauheim gestern mit 32,7 Grad der bundesweit wärmste Ort,

Noch in dieser Woche dürften die Temperaturen auf bis zu 36 Grad im Schatten klettern. Die Nächte bringen keine echte Abkühlung: Den Prognosen zufolge fallen die Temperaturen nur selten unter 20 Grad.

Vor allem für ältere Menschen, für Kranke und kleine Kinder kann diese Hitze gefährlich werden. Dementsprechend müssen Krankenhäuser, Kindergärten, Pflege- und Seniorenheime besondere Vorkehrungen treffen.

Die Mitarbeiter der städtischen Kindergärten in Frankfurt etwa achten darauf, dass ihre Schützlinge während der heißen Tage ausreichend trinken und nicht ohne Sonnenschutz ins Freie gehen. „Körperliche Aktivitäten wie Fußballturniere fallen aus – werden aber in der Regel nachgeholt“, sagt Jasmin Misev vom Dezernat für Integration und Bildung.

Baumsterben befürchtet

Auch im Seniorenzentrum St. Josefshaus in Frankfurt-Ginnheim bleiben die Fenster und Läden geschlossen. „Außerdem reichen wir den Bewohnern immer wieder kalte Tücher und kalte Waschlappen und achten darauf, dass sie viel trinken“, sagt Pflegedienstleiterin Angelika Kühl, die für das Wohl von 69 Menschen sorgt.

Die Hitze stellt auch die Krankenhäuser in der Region vor Herausforderungen, denn viele sind nicht klimatisiert. Die Mitarbeiter hielten die Patienten an, leichte Kleidung zu tragen, ausreichend zu trinken und jede körperliche Anstrengung zu vermeiden, sagt Martina Schlögl, die Pflegedienstleiterin des Bürgerhospitals in Frankfurt. Die Frankfurter Uniklinik hat schon vor einigen Tagen ihre Trinkwasserbestellungen deutlich erhöht – sicher ist sicher. Die Natur leidet beträchtlich unter der extremen Hitze. Das Grünflächenamt der Stadt Frankfurt komme kaum mehr mit der Bewässerung der rund 5000 Bäume auf Stadtgelände nach, sagt dessen Leiter Bernd Roser. Er befürchtet, dass einige Bäume den Sommer nicht überleben.

Auch Tina Baumann, die Leiterin des Stadtforsts, sorgt sich um die Pflanzen: „Die paar Tropfen, die am Wochenende gefallen sind, sind viel zu wenig“, sagt sie. Viele Bäume zeigten schon Stressreaktionen – sie werfen zum Beispiel ihre Blätter ab. Baumann hofft, dass der Sommer 2018 sich nicht zu einem Hitzesommer wie 2003 entwickelt – denn Wälder brauchen Jahre, um sich von extremen Hitzewellen zu erholen.

Den Bächen und Flüssen in der Region hat der Regen am Wochenende kaum Entspannung gebracht. Nidda, Kinzig und Weilbach haben trotzdem nur noch sehr niedrige Wasserstände. Bei der Nidda ist auf Höhe von Bad Vilbel bereits jetzt keine Wasserentnahme mehr erlaubt. „Normalerweise haben wir so eine Situation erst im August oder September“ sagt Elisabeth Geselle. Die Bauingenieurin leitet das Dezernat für Flüsse und Bäche des Regierungspräsidium Darmstadt für die Region.

Arbeiten bei 60 Grad

Am Frankfurter Flughafen ist man auf extreme Wetterlagen eingestellt. Der Asphalt kann hohen Temperaturen trotzen. Anders sieht es bei den Mitarbeitern auf Vor- und Rollfeld aus. Denn der Asphalt heizt sich sehr stark auf. Einen Meter über dem Boden könne es schon mal 60 Grad Celsius heiß werden, sagt Roy Watson von der Pressestelle des Frankfurter Flughafens. Deshalb werde stark darauf geachtet, dass die Mitarbeiter ausreichend trinken. Getränkewagen seien im Dauereinsatz. Schlimmer als die Hitze sei jedoch die Trockenheit. Die Grünflächen des Flughafens seien mittlerweile völlig vertrocknet. Dort bilde sich nun Staub, der durch den Wind umherwirbele. „Das ist nicht gut für die Triebwerke“, sagt Watson.

Ein bisschen besser steht’s um die Tiere in Zoos und Parks. „Die regeln das selbst“, sagt zum Beispiel Martin Becker, Pädagoge im Opel-Zoo. „Die Tiere verlegen ihre Aktivitäten in die Morgen- und Abendstunden. Tagsüber sparen sie Wasser und Energie, indem sie sich hinlegen und gar nichts machen.“ Eine Strategie, die so mancher Zweibeiner in der Region sicher auch gerne wählen würde – hätte er denn die Wahl.

In Baden-Württemberg müssen sich Autofahrer angesichts der Temperaturen sogar auf Tempolimits einstellen. Das Regierungspräsidium Stuttgart kündigte wegen möglicher Aufwölbungen Geschwindigkeitsbeschränkungen auf 80 Kilometer pro Stunde auf den Autobahnen 81 und 7 an. In anderen Ländern Europas wüten bereits Wald- und Torfbrände. Mehr auf der letzten Seite

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