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Längst ist dieser Künstler-Weihnachtsmarkt zu einer festen Instanz in Frankfurt geworden, denn der erste Markt wurde bereits 1922 eröffnet. Dieses Mal stellen gut 100 Künstler aus Frankfurt und Umgebung in der Paulskirche aus.

Ausstellung

52 regionale Künstler zeigen ihre Werke in der Paulskirche

Bis zum 22. Dezember kann man beim Künstlermarkt im Keller der Paulskirche regionale Kunst nicht nur bewundern, sondern sogar kaufen.

Ihr wohlgeformter Po würde sehr wahrscheinlich Reality-TV-Star und Po-Ikone Kim Kardashian neidisch machen. Die junge, nackte Frau geht Gassi- und zwar mit einem Gürteltier an der Leine. Das Werk trägt den simplen Titel „Frau mit Gürteltier“. Dieses kann man für 490 Euro kaufen und dem Liebsten unter den Christbaum legen.

Es ist eine Keramik-Skulptur mit Bronze-Glasur von Irene Kau. Ihre Werke zeigt die 79-jährige Künstlerin aus Mörfelden-Walldorf zum achten Mal im Keller der Paulskirche. Bei der bereits 96. Jahresausstellung des Berufsverband Bildender Künstler(BBK) Frankfurt. 52 regionale Künstler zeigen und verkaufen hier ihre Kunst bis zum 22. Dezember.

Anders als bei dem BBK-Künstlermarkt in den Römerhallen, sind hier aber die Künstler nicht alle Ausstellungswochen vor Ort, sondern nur immer einen Tag. Das erzählt Viktor Naimark, Vorstand des BBK. „In den Römerhallen stellen dann ab 7. Dezember andere 54 Künstler aus.“ Aber allen gemein sei, dass sie professionelle Künstler sind. Keine Hobby-Künstler. „Für 2020 suchen wir jetzt schon neue Ausstellungsräume, weil da die Paulskirche renoviert werden soll“, sagt Naimark. Von Malerei über Fotografien, Grafiken eben hin zu Skulpturen reichen die Werke.

Anonymes Modell

„Ja, es stand eine echte Frau Model für die Skulptur ’Frau mit Gürteltier’. Aber sie möchte lieber nicht namentlich bekanntwerden“, sagt Kau. Die Idee mit dem Gürteltier entstand, als Kau im Jahr 2014 hörte, dass das Maskottchen der damaligen Fußball-WM in Brasilien eben ein Gürteltier war. Die 79-Jährige arbeitet viele Jahre international erfolgreich als Friseur-Meisterin. „Aber ich habe auch schon da immer meine Kunst gemacht“, erzählt sie. Vor 40 Jahren entschied sie sich für ein Leben als freischaffende Künstlerin. Unweit von ihr hämmert am Dienstag der Künstler namens Ape Job Nägel an die Wand. Für seine Werke natürlich. Überhaupt hämmern an diesem ersten Ausstellungsmittag noch einige Künstler. Die ersten Minuten fühlt man sich wie auf einer Baustelle.

Dann wird es langsam ruhiger. Und Ape Job verrät, dass er eigentlich Alejandro Hopf heißt. „Ich bin in Madrid geboren, in München aufgewachsen und lebe seit 2000 in Frankfurt.“ Der 48-Jährige arbeitete als Anwaltsgehilfe, bis ein Unfall ihn zum Frührentner machte. „Seitdem arbeite ich als Künstler.“ Sein Künstlername Ape Job also „Affen Arbeit“ hat er wohl gewählt: „Künstler zu sein bedeutet immer, dass man eine Affenarbeit hat.“ Seine Stilrichtung bezeichnet er als Konstruktivismus.

Der Heilige

Ein Beispiel ist sein Bild „The Saint“, der Heilige also. Der einige architektonische Grundrisse aufweist. Zwei Monate hat Ape Job daran gearbeitet. 2500 Euro kostet es. Das besondere sind die Materialien, die er verwendet hat: „Streifen aus 24-karätigem Gold, Tätowierfarbe, Acryl oder Kugelschreiber. Also eigentlich alles, was ich kriegen konnte“, sagt Ape Job. Ist denn der Künstlerweihnachtsmarkt ein guter Absatzort? „Ich bin zufrieden“, sagt er. 180 Euro kostet die Standmiete für alle Tage zusammen. „In den Römerhallen liegt diese bei 300 Euro“, sagt BBK-Vorstand Naimark.

Die ersten Besucher sind da. Eine Dame aus Bad Soden sagt: „Ich mag es, wenn man den kreativen Flow-Moment des Künstlers im Werk noch spürt.“ Nicht so sehr mag sie die vielen Skyline-Bilder. Fasziniert ist eine Besucherin aus Bayern beim Werk „Verlorene Heimat“. „Dieser verlorene, sehnsüchtige Blick dieses Männerpuppen-Kopfes ist sehr berührend.“ 350 Euro kostet es.

Aber nicht das Geld hält sie am Ende des Tages vom Kauf ab. „Irgendwie hat die Puppe auch was Unheimliches an sich. Da würde ich mich nachts beim aufs Klo gehen jedes Mal erschrecken“, sagt sie und lacht.

von KATHRIN ROSENDORFF

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