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Regionale Tram-Ideen rollen aufs Abstellgleis - so reagiert Frankfurt

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Bisher fährt nur ein Bus über die Friedberger Landstraße nach Bad Vilbel - und die Nachbarn haben sich nun dagegen entschieden, an seiner Stelle eine Verlängerung der Straßenbahnstrecke zu bauen. Frankfurt muss daher seine Pläne für den Ausbau des Nahverkehrs anpassen.
Bisher fährt nur ein Bus über die Friedberger Landstraße nach Bad Vilbel - und die Nachbarn haben sich nun dagegen entschieden, an seiner Stelle eine Verlängerung der Straßenbahnstrecke zu bauen. Frankfurt muss daher seine Pläne für den Ausbau des Nahverkehrs anpassen. © Michael Faust

Bad Vilbel sagt Nein zur Straßenbahn nach Frankfurt ab, Offenbach schweigt zu dieser Idee. Darauf reagiert die Metropole nun.

Frankfurt -Die Frankfurter Ambitionen, mit drei ins Umland verlängerten Straßenbahnstrecken Autofahrer zum Umsteigen in den Nahverkehr zu überzeugen, erhalten zum Teil kräftige Dämpfer. In Bad Vilbel hat die dortige Koalition aus CDU und SPD eine Tramstrecke in die Nachbarstadt jetzt abgelehnt. Und das ist nicht das einzige Vorhaben, um das es aktuell schlecht steht.

Auch über eine Verlängerung der Straßenbahnen von Fechenheim und Oberrad nach Offenbach denken Frankfurter und Offenbacher nach. Seit 2021 läuft sogar eine Machbarkeitsstudie, ob die Tram wieder durch Offenbach rollen könnte - 1996 war dort die letzte Strecke stillgelegt worden. Schon diese Studie konnte allerdings nur beauftragt werden, da der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) Geld zuschoss, weil Offenbach die Kosten zu hoch waren, wie mit den Umständen vertraute Personen berichten.

Straßenbahn wieder in der Stadt? Offenbach schweigt

Zuletzt hat sich die Offenbacher Ampel-Koalition sogar gänzlich gegen mehr Nahverkehr positioniert, indem sie massiv beim Stadtbus-Angebot kürzt. Die Rückfrage der Redaktion, was nun aus dem Straßenbahnvisionen wird, ließen das Offenbacher Rathaus und auch konkret die dortige Bürgermeisterin und Mobilitätsdezernentin Sabine Groß (Grüne) bislang unbeantwortet.

Bad Vilbel will S6-Ausbau und Busspuren statt Tram

"Die Straßenbahnverlängerung nach Offenbach ist ein sinnvolles Projekt", betont Wolfgang Siefert, Referent und designierter Nachfolger von Frankfurts Mobilitätsdezernenten Stefan Majer (Grüne). Frankfurt stehe unverändert zu diesem Vorhaben. "Wir wollen möglichst gute ÖPNV-Verbindungen in die Region."

Dass Bad Vilbel die Straßenbahnstrecke absagt, sei "schade, weil es auch um die Verkehrswende geht", sagt Siefert. CDU und SPD aus Bad Vilbel hatten vor wenigen Tagen erklärt, keine Tram in ihrer Stadt zu wollen, da die Eingriffe in die Straßen zu groß seien. In einer gemeinsamen Potenzialstudie hatten die Nachbarstädte zuvor die Verlängerung der Straßenbahnstrecke aus der Friedberger Warte via Unfallklinik, Heiligenstock und die Siedlung Heilsberg nach Bad Vilbel untersucht.

Frankfurt will "im Sinn der Fahrgäste" verhandeln

Ergebnis: Die Strecke ist volkswirtschaftlich sinnvoll, wenn sie via Bad Vilbeler Südbahnhof bis ins Neubaugebiet Krebsschere westlich des Nordbahnhofs führt. "Diese Trassenführung würde aber das Stadtbild Bad Vilbels massiv zum Schlechteren verändern", erklärt Bad Vilbels CDU-Fraktionsvorsitzende Irene Utter, "von der Lärmbelastung für die Anwohnerinnen und Anwohner ganz zu schweigen." In Bad Vilbel finden CDU und SPD die Straßenbahn auch unnötig, da die S 6 ausgebaut werde. Stattdessen sollten die Busse der Linie 30 nach Frankfurt auf CO2-neutralen Antrieb umgestellt und durch eigene Spuren schneller fahren können.

"So zu entscheiden ist Bad Vilbels Recht", räumt Majers Referent Siefert ein. Er kündigt aber nun Gespräche mit den Nachbarn an "im Sinn der Fahrgäste", da Frankfurt ja weiterhin möglichst viele Autofahrer zum Umsteigen bewegen wolle.

Wie sich die Planung für den Ausbau des Nahverkehrs im Bereich Unfallklinik und Heiligenstock verändert, "das prüfen wir nun", sagt Siefert. Denkbar sei, die Straßenbahnstrecke vom Abzweig Bodenweg nur ein kurzes Stück bis zur Klinik zu verlängern und dort auch ein Park+Ride-Angebot einzurichten.

Drohen bald Kürzungen bei der Buslinie 30?

Ohnehin soll ab Mitte des Jahrzehnts mit der Linie 19 eine zweite Tram auf dem Abschnitt zwischen Friedberger Warte und Konstablerwache sowie weiter nach Oberrad rollen. Siefert will dennoch vermeiden, dass der 30er-Bus wegen der dann sehr großen Straßenbahnkapazität auf der Friedberger auf die Strecke nördlich der Friedberger Warte gekürzt werden muss. "Wir hoffen, dass die Fahrgastzahlen so zunehmen, dass wir den Bus auch weiterhin in der Friedberger Landstraße brauchen", sagt der Referent. Es stelle sich aber die Frage: "Fährt dann noch jeder Bus in die Innenstadt?"

So ganz und gar zu den Akten legen mag man im Frankfurter Mobilitätsdezernat die Tram-Pläne nach Bad Vilbel trotz allem nicht. Schließlich läuft zumindest das Regional-Tramprojekt Nummer drei wie geschnittenes Brot. Mit großer Begeisterung stehen Neu-Isenburg und Dreieich hinter der geplanten Verlängerung der Strecke der 17 durch ihre Städte, auch Langen möchte gern angeschlossen werden, es laufen konkrete Planungen. Die Begeisterung sei nicht immer so gewesen: "Neu-Isenburg war lange dagegen und dort ist eine neue Haltung entstanden", erinnert Wolfgang Siefert. "In Bad Vilbel noch nicht." (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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