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Stefan Majer (links) und Peter Forst (rechts) stellen die RTW-Pläne unter anderem Ortsvorsteher Manfred Lipp vor.

Vorstellung im Bolongaropalast

Regionaltangente West: Planung kommt gut an

Detaillierte Pläne, wie die Regionaltangente West im Frankfurter Westen verlaufen soll, sind im Bolongaropalast vorgestellt worden. Ein Kritikpunkt bleibt der Bahnübergang Sossenheim. Die Leunabrücke stellt dagegen kein Problem dar.

Das Interesse an der Regionaltangente West (RTW) ist groß – so groß, dass vor Beginn der Vorstellung der Planungen im Kapellensaal des Bolongaropalastes durch Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) und Peter Forst, einem der Geschäftsführer der RTW-Planungsgesellschaft, noch Stühle hinzugestellt werden müssen. Ortsvorsteher Manfred Lipp (CDU) war denn auch froh, die Veranstaltung nicht in einer Sitzung des Ortsbeirats 6 (Frankfurter Westen) geplant zu haben: „Da hätten wir all’ die Leute gar nicht untergebracht.“

Die Zeitfrage – am Ende dauerte es knapp zweieinhalb Stunden – hatte er da noch gar nicht einbezogen. Dabei gab es nur wenig Kritik an den Plänen. Einzig einem Bürger, dem die Kosten – Stand 2009 sind es knapp 380 Millionen Euro – viel zu hoch waren und der stattdessen Oberleitungsbusse forderte, musste der Wind aus den Segeln genommen werden. Das übernahmen Bürger mit Buhrufen. Dass in die Zweisystemfahrzeuge, die sowohl auf den Strecken der Deutschen Bahn als auch auf Stadtbahnstrecken fahren können, bis zu 700 Fahrgäste passen, musste nicht einmal erwähnt werden. „Als Vorläufer haben wir ja quasi den 58er-Bus. Der platzt aus allen Nähten“, sagte Majer.

„Das ist im Kern ein Projekt im und für den Frankfurter Westen“, erklärte der Verkehrsdezernent und bekam Zuspruch von Bürgern und auch Ortsbeiräten. „Ich finde die Planungen sehr gut“, sagte etwa SPD-Fraktionschef Hubert Schmitt. Lipp sprach sogar von einem „Quantensprung“, der „uns glücklich macht“. Auch Grünen-Fraktionschef Thomas Schlimme betonte, dass er das Projekt weder zerreden noch verhindern wolle. Dennoch brachte er erneut zwei Verbesserungsvorschläge (wir berichten). Einer ist es, die Haltestelle am Industriepark-Besuchertor H 801 näher ans Tor selbst zu verlegen. „Diesen Ansatz nehmen wir noch einmal mit“, sagte Majer.

Grundsätzlich solle die Strecke aber nicht, wie ursprünglich vorgesehen, näher am Industriepark geführt werden, denn dann ginge es durch dessen Erweiterungsfläche. „Wir wollen die Erschließung des Industrieparks verbessern und ihm nicht einen Bärendienst erweisen“, erklärte Majer. Daher sei auch die Haltestelle vom Tor Süd an das Besuchertor verlegt worden, ergänzte Forst. Ersteres werde fast nur von Lastwagen benutzt, die Arbeitsplätze lägen aber eher östlich davon.

Schlimmes zweiter Punkt betrifft die Streckenführung zum Flughafen entlang der Kelsterbacher Spange. Dort gibt es noch mehrere Varianten, die östlich der B 44 greife aber in den Bannwald ein. „Auch die andere Seite ist schützenswert“, sagte Majer. Daher starte nun ein Abwägungsprozess, in dem auch Gespräche mit der Stadt Kelsterbach geführt würden.

Die Schienenverbindung mit 21 Haltepunkten soll von Bad Homburg und dem Gewerbegebiet Praunheim-Nord über Eschborn, Sossenheim und Höchst weiter zum Flughafen, nach Neu-Isenburg und nach Dreieich führen. Vorgesehen sind zwei Linien, die jeweils halbstündlich verkehren und sich zwischen Eschborn und Neu-Isenburg zu einem Viertelstunden-Takt ergänzen.

Forst konzentrierte sich bei seiner Vorstellung auf die Haltestellen in Frankfurt und in direkter Umgebung. Derzeitiger Startpunkt ist Praunheim, wo im neuen Gewerbegebiet eine gemeinsame Haltestelle mit der U 6 erbaut werden soll. Dies soll aber keine Endstation bleiben. „Wir werden im Laufe des Jahres weitere Planungen erarbeiten“, sagte Majer. Ursprünglich sollte die RTW zum Nordwestzentrum geführt werden. Später waren auch Niederursel und der Riedberg im Gespräch.

Direkt tangiert wird Sossenheim von der Haltestelle Eschborn-Süd, wo nicht nur eine Verbindung zur S 3 und S 4 bestehen soll, sondern auch ein kurzer Weg zum neuen Gewerbegebiet Wilhelm-Fay-Straße. Majer erwartet dadurch eine „enorme Entlastung“ vom Verkehr wie von der Bürgerinitiative (BI) Westerbachstraße gewünscht. „Wir haben einen Verkehrsinfarkt“, erklärt ein BI- Mitglied.

Auch vom nächsten Halt, der Station Camp-Phönix-Park in Eschborn, muss man nur einmal unter der A 66 durch, um nach Sossenheim zu kommen. „Das ist nicht weit“, sagte Majer. Allerdings müsse die Unterführung unter der Autobahn neu gestaltet werden. Dass die Streckenplanung von dort nun auf Eschborner Seite bleibt, freut die Naturschützer, weil das Landschaftsschutzgebiet Sulzbachtal nicht mehr durchschnitten wird. Es entfällt auch der Halt Michaelstraße. „Wegen des engen Radius hätte die Haltestelle dort mitten im Feld liegen müssen“, sagte Forst.

Gequert wird die A 66 jetzt erst kurz vor dem Zusammenschluss mit der Sodener Bahn, die bisher eingleisig verläuft und bis zum Bahnhof Höchst zweigleisig werden muss, was aber auf dem bisherigen Bahndamm funktionieren soll. Kurz davor liegt die Haltestelle Dunantring, diese wird auch Lärmschutzwände bekommen. „Der Lärmschutz muss mit heutigen Vorgaben einhergehen“, sagte Majer. Dies gelte für die gesamte Strecke. „Die Sodener Bahn hat bisher keinen“, sagte er zur Kritik einer Anwohnerin der Konrad-Glatt-Straße.

Allerdings gibt es einen beschrankten Übergang des Sossenheimer Wegs. Und das wird trotz dann zwei Gleisen und mehr Zügen wohl so bleiben. „Nach den uns vorliegenden Verkehrszahlen müssen wir das nicht ändern“, sagte Forst auf Kritik der BI „Regionaltangente West Sossenheim“, die hier einen Schwachpunkt erkannt und eine Unterführung der Straße gefordert hat. Hinter dem Höchster Bahnhof, wenn die RTW wieder zur Stadtbahn wird, gerät sie wieder in Konflikt mit dem Straßenverkehr. Der Leunaknoten wird nämlich ebenerdig durchfahren. Auch hier sei die verkehrliche Situation simuliert worden, berichtete Forst. Folgend verläuft die Trasse in der Mitte der Leunastraße. Hier entfallen Linksabbiegespuren in Richtung Höchster Altstadt. Ein Linksabbiegen soll am Leunaknoten möglich werden. Zudem könnte die Zufahrt zum Tor Ost des Industrieparks – die verlegt werden muss und dann gegenüber der Hostatostraße beginnt – genutzt werden, um zur Bolongarostraße zu gelangen. „Der Ansatz ist nicht, wie wir möglichst viel Verkehr in die Höchster Altstadt hineinführen“, betonte Majer.

Dennoch ist die Leunastraße nicht breit genug, um Autoverkehr und Stadtbahnstrecke aufzunehmen. Drei Häuser – Paulistraße 1, Leunastraße 13 und 15 – müssen abgerissen werden. Zwei davon gehören der Stadt. „Es ist uns nicht ohne dies gelungen“, sagte Forst. „Es ist klar, dass hier Ersatzlösungen geschaffen werden müssen“, ergänzte Majer. Dies gilt auch für das Haus Kelsterbacher Weg 75 südlich des Industrieparks, weil die Strecke dort direkt entlang einer Hochspannungsleitung gebaut werden soll, um die Eingriffe in die Landschaft zu minimieren. „Das ist unser generelles Ziel“, sagte Forst, der auch betonte, dass die Führung über die Leunabrücke mit einer Stadtbahn kein Problem sei. „Sie war ja ursprünglich für vier Spuren ausgelegt.“

Forst könnte sich übrigens auch eine Integration der Sodener Bahn vorstellen. „Dies ist bisher aber kein Planungsziel.“ Es müsste zudem eine Umstufung zur Stadtbahnstrecke geben, was einer Zustimmung der Bahn bedarf. Dies ist aber Zukunftsmusik. Die RTW dagegen soll möglichst bald kommen. Das Planfeststellungsverfahren soll noch in diesem Jahr beginnen. „Bürger, Verbände und Gruppen können sich dann einbringen“, sagte Majer.

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