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Lars Kraume ist auf Promotour zu Gast im Cinema.

Ein Regisseur, der funktionieren muss

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Er ist, wie viele, viele andere in diesen Wochen, verschnupft und ein wenig erkältet. Doch Regisseur Lars Kraume lässt sich weder von Bakterien noch von Viren aufhalten.

Er ist, wie viele, viele andere in diesen Wochen, verschnupft und ein wenig erkältet. Doch Regisseur Lars Kraume lässt sich weder von Bakterien noch von Viren aufhalten. Denn er befindet sich auf Promotionstour für seinen neuesten Film „Das schweigende Klassenzimmer“ und macht dabei auch Halt im Cinema in Frankfurt.

Der Film beruht auf dem Buch von Dietrich Garstka , das wiederum auf einer wahren Begebenheit basiert. „Ich bin hier, weil ich in der Nähe meine Familie und viele Freunde habe. Aber auch, weil das Cinema ein super Kino ist und ich auch das Arthouse-Kino unterstützen möchte“, erklärt Kraume.

Das Lichtspielhaus am Rossmarkt ist nicht der einzige Termin an diesem Tag. Wenige Stunden zuvor war Kraume in Aschaffenburg zu Gast. Eine Tour de Force sozusagen. Der 45-Jährige, der in Frankfurt aufwuchs, nimmt es jedoch gelassen. Gerade verbrachte er zehn hektische Tage in der Bundeshauptstadt bei der Berlinale. Für den Mann, der mit „Der Staat gegen Fritz Bauer“ etliche Preise abräumte, ist das nichts Neues.

„Unser Beruf ist Hochleistungssport“, sagt Kraume, der, wie viele erfolgreiche Sportler auch, auf eine veritable Trophäensammlung blicken kann. Dazu zählen der Adolf-Grimme-Preis, den er gleich zweimal erhielt, der Deutsche Fernsehkrimipreis, der Deutsche Fernsehpreis in der Kategorie beste Regie, den er übrigens auch zweimal bekam, sowie der Deutsche Filmpreis.

„Man muss Berufe wie Regisseur, Kameramann oder Schauspieler machen, weil man sie unbedingt machen will“, gibt Kraume zu bedenken. „Für den Aufwand, den man als Regisseur, Drehbuchautor oder Kameramann hat, würde man im Rückenwind von funktionierenden Konzernen sehr viel besser entlohnt werden“, erklärt der Filmemacher.

Deshalb sieht er es auch kritisch, dass seine Söhne, neun und zwölf Jahre alt, begeistert sind von der Idee, Schauspieler zu werden. Das aber kommt nicht von ungefähr, denn sie spielen in „Das schweigende Klassenzimmer“ die Brüder von Leonard Scheicher. „Das hätte ich mir wohl früher überlegen sollen“, scherzt Kraume. „Aber man kann es schon machen, denn Schauspielern ist ein sehr schöner Beruf, wenn auch ein enorm hartes Geschäft.“ Nicht wenige Kollegen müssten arg aufs Geld schauen, um finanziell einigermaßen über die Runden zu kommen.

Apropos Arbeit. Lars Kraume hat schon wieder neue Projekte in der Mache. So schreibt er eine Komödie fürs Kino mit dem Titel „Der amerikanische Star“. Im Augenblick befindet er sich aber im „Warteschleifenmodus“, denn „ich mache eine Serie übers Bauhaus, die Schule, die 1919 in Weimar gegründet, selbst die Moderne begründet hat“. Im September soll es mit den Dreharbeiten losgehen, aber es hängt – wie so oft – alles an der Finanzierung. Besetzt sei die Serie schon, doch weil die Produktion verschoben werden musste, möchte er nicht verraten, wer die Schauspieler des Sechsteilers sein werden.

„Wenn die Serie aber tatsächlich kommt, dann nimmt sie mich in diesem Herbst voll in Anspruch“, erklärt Kraume. Momentan ist er aber voll in Sachen Promotion unterwegs. Bevor er sich zum nächsten Termin aufmacht, muss er sich allerdings stärken. „Ich gehe jetzt gleich eine Pizza essen ins ,Settebello‘“, sagt er, schnäuzt sich die Nase und macht sich auf die Socken.

(es)

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