Barrelhouse Jazzband

Reimer von Essen: Ein Meister an der Klarinette

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Die Frankfurter Barrelhouse Jazzband ist wohl Deutschlands erfolgreichste Combo des traditionellen New Orleans Jazz. Geleitet wird sie seit 1962 von Reimer von Essen. Der feiert in diesem Jahr 60-jähriges Bühnenjubiläum.

Es sei „diese Mischung aus Freude und Pfeffer und Seele und Blues“, sagt Reimer von Essen (77), die ihn am New Orleans Jazz so fasziniere. Eine Musik, die ihn – zusammen mit dem Blues – seit Kindertagen fasziniert. „Wir waren die allerersten, die Blues gesammelt haben, noch auf Schellack.“ Die ersten Blues-Stars, die nach Deutschland und Frankfurt kamen, erlebten sie live, etwa Big Bill Broonzy aus Chicago. „Bald gab es mehr Platten, als wir vom Taschengeld kaufen konnten. Also entschieden wir uns für den Jazz.“ Reimer von Essen im speziellen für den New Orleans Jazz.

Den spielt er nicht nur mit der Barrelhouse Jazz Band, die im Oktober immer wieder rund 1800 Zuhörer in die Alte Oper lockt. Sechs Mal im Jahr – öfter schaffen sie es nicht – trifft er sich mit „alten Freunden von früher“, wie er es nennt. Dann geben sie ein Konzert, so wie heute Abend im Tower Café auf dem Alten Flugplatz Bonames. „Ohne große Technik und Beleuchtung. Das Publikum genießt das. Wenn wir spielen, ist es mucksmäuschenstill“, freut sich von Essen auch auf die Soli der Musiker, für die es immer Extra-Applaus gebe. Soli seien üblich im New-Orleans-Stil, für Posaune und Klarinette hätten sie Soli in jedem Stück.

Die Konzerte im Tower Café seien so eine Art Jam Session alter Freunde, sagt Reimer von Essen. Also ein eher zwangloses Zusammenspiel mit viel Improvisation. „Wir kennen uns so gut, dass der reine Zufall dabei kaum eine Rolle spielt. Jeder weiß, wer welche Funktion hat.“ Jeder von ihnen kenne die Stücke, die gespielt werden. „Ich führe Buch darüber, damit wir kein Stück zweimal im Jahr spielen.“

„The New Orleans Four plus One“ besteht aus Klarinette, Posaune, Banjo, Kontrabass und Schlagzeug. „Der Posaunist, Harald Blöcher, und ich sind richtig gute Freunde.“ Blöcher spielte Ende der 1950er Jahre ebenfalls in der Barrelhouse Jazzband und gründete 1990 die Teilgate Jazzband. Einige Kenner bezeichnen ihn als besten Jazz-Posaunisten Deutschlands.

Als der ursprüngliche Banjo-Spieler der „Four plus One“ starb, kam der europaweit renommierte, aus England stammende Banjo-Spieler Eric Webster zur Band. „Er lebt seit vielen Jahren in Bad Kreuznach, wohin er der Liebe wegen zog, und kommt extra zu unseren Konzerten.“ Aus Köln reist dann der Bassist Wolfgang Theiß an, der dort in mehreren Jazzbands spielt. Und auch der Schlagzeuger Peter Hermann sei „ein Kumpel aus alten Tagen“, wie Reimer von Essen sagt. Seine N’awlinz Lagniappe gehört zu den besten New-Orleans-Jazzbands des Rhein-Main-Gebiets

Reimer von Essens Instrument ist seit er 14 Jahre alt war die Klarinette. „Als ich Elf war, spielte uns Buben ein Freund eine Platte von Sidney Bechet vor, der neben Louis Armstrong der bedeutendste Solist des Jazz war. Das hat mich umgehauen. Von diesem Moment an war klar: Das will ich lernen.“ Doch zunächst musste von Essen Blockflöte üben. Sein Vater hatte ihm zur Auflage gemacht: Erst wenn er sein erstes Blockflötenkonzert vor Publikum spielte, dürfe er Klarinette lernen. „Den Jazz habe ich mir dann, so wie wir alle, selbst beigebracht. Lehrer für Jazz gab es damals ja noch nicht.“

Auf dem Alten Flugplatz spielen „The New Orleans Four plus One“, weil der frühere Leiter des Tower Café, Paul Hellmeier, ihn gefragt habe. „Bis dahin spielten wir in unterschiedlichen Lokalitäten in Frankfurt.“ Rund 120 Personen passen in das Ausflugsrestaurant, oft sind die Konzerte schnell ausverkauft, weil sie einzigartig sind.

Das Konzert beginnt heute um

19 Uhr im Tower Café, Am Burghof 55. Karten kosten 12 Euro, Reservierung telefonisch unter (069) 95048532.

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