Die historische Allee des Meisterparks konnten die Mitglieder des Reitervereins Sindlingen früher oft entlangreiten.
+
Die historische Allee des Meisterparks konnten die Mitglieder des Reitervereins Sindlingen früher oft entlangreiten.

Von Sindlingen nach Okriftel

Reiterverein muss sich neu organisieren

Kooperation mit Meisterschule bleibt bestehen. Ein Fahrdienst ist geplant.

Nach 96 Jahren verlässt der Reiterverein Sindlingen sein angestammtes Domizil auf dem Meister-Areal an der Allesinastraße 1; Ende März zieht er in den Reitstall Sonnenhof an der Sindlinger Straße 53 in Okriftel. Die Reiter müssen raus: Ihr Pachtvertrag ist nach dem Verkauf des Meister-Areals an die CAIROS-Development GmbH nicht verlängert worden. Der neue Eigentümer war dem Verein dahingehend entgegengekommen, dass er den Termin für den Auszug auf dem 31. März 2021 gelegt hat - sonst hätten die Reiter schon früher rausgemusst.

Auf dem Sonnenhof ist der Reiterverein mit seinen derzeit 137 Mitgliedern gut untergekommen: Der Reitunterricht kann in einer großen Reithalle fortgesetzt werden; in den Ställen können alle acht Schulpferde des Vereins untergebracht werden, und auch die Kooperation mit der Sindlinger Meisterschule kann fortgesetzt werden.

Denn der Traditionsverein, dessen Gründung 1925 von Ehrenmitglied Else von Meister unterstützt wurde, ist gemeinnützig tätig. Auch nachdem die große Förderin 1986 starb, konnte der Verein bleiben. Neben dem Reitunterricht wurde auch Voltigieren angeboten und eine integrative Reitgruppe ins Leben gerufen. Hinter dem Park der Villa wurden Ponyreitstunden für Nichtmitglieder angeboten. Der Verein hat in den vergangenen Jahren einen enormen Aufschwung verzeichnet: Der Pferdebestand wurde aufgestockt, und es unterrichten nur noch ausgebildete Fachkräfte mit dem Ziel, die Freude am Reiten weiter zu vermitteln und verstärkt Kinder und Jugendliche auszubilden.

2013 wurde der Reiterverein Sindlingen für sein Schulpferdekonzept vom Pferdesportverband Hessen ausgezeichnet und 2017 als erster Reitverein Deutschlands als Stützpunktverein "Integration durch Sport" vom Deutschen Olympischen Sportbund anerkannt. Seitdem wird sein Engagement vom Bundesministerium des Innern gefördert. Unterstützer sind auch die Stadt Frankfurt und der Landessportbund. Seit Mai 2019 besteht eine enge Kooperation mit der Meisterschule, der Grund- und Hauptschule im Süden des Stadtteils. Konnte bislang der Reitstall von den Kindern zu Fuß erreicht werden, soll es künftig einen Fahrdienst geben. Rund die Hälfte der Mitglieder sind jünger als 18 Jahre. Der Verein bietet auch Kindern und Jugendlichen aus finanziell schwächer gestellten Familien den Einstieg in den Reitsport.

Zu dem Stamm an Schulpferden zählen vier Großpferde, ein mittelgroßes Pferd und drei Ponys, deren unterschiedliche Eigenschaften die Angebote Reitunterricht, Ponyreiten, Voltigieren auch im therapeutischen Bereich und die Kooperationen mit Kindergärten und Schulen erlauben. Einzelne Pferde eignen sich besonders gut für Reitanfänger, aber auch für Kinder und Jugendliche mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung. Nervenstark und wenig schreckhaft sind vor allem die Ponys Wendo, Floppy und Julchen. Die vom Stockmaß kleinste Ponystute Julchen ist trotz ihrer 15 Jahre stets flott und erfreut sich nicht zuletzt wegen ihres Aussehens mit langer Mähne bei kleinen Kindern großer Beliebtheit. Größere Kinder fühlen sich bei dem zehnjährigen Schimmelwallach Wendo und dem elfjährigen Fuchswallach Floppy sicher im Umgang und beim Reiten. Wenn ein Kind ein Pony selbstständig aufhalftern, anbinden, führen und putzen kann, stärkt das Selbstbewusstsein und das Vertrauen. Die Reiter wissen: Die Nähe zum Tier fördert auch die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen positiv.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare