+
Der Stuckateur David Jäger (29) arbeitet an der prachtvollen Decke in der Goldenen Waage.

Neue Altstadt

Rekonstruktion der Goldenen Waage dauert länger als gedacht

Die kunstvoll verzierte Goldene Waage am Dom ist die Hauptattraktion der neuen Altstadt. Von außen kann das rekonstruierte Gebäude bereits bewundert werden, doch im Inneren ist noch einiges zu tun. Bis zur großen Eröffnungsfeier am 28./29. September werden die Arbeiten wohl nicht abgeschlossen sein.

In dem Raum im Erdgeschoss, wo früher die Waren des Zuckerbäckers und Gewürzhändlers lagen und in einigen Wochen ein Café eröffnet, sind bereits die 8,5 Meter langen Stuckdecken zu sehen. Geschmückt sind sie mit Figuren der vier Jahreszeiten, die später noch farbig bemalt werden.

Diese Figuren sind nach den Vorbildern des berühmten niederländischen Malers Hendrik Goltzius gestaltet, der in ganz Europa noch heute zu den großen Künstlern des 16. Jahrhundert zählt. Der Fußboden fehlt noch, Besucher müssen über Holzlatten balancieren und aufpassen, an den Türen nicht in den feuchten Putz zu fassen. Die Treppen sind mit Holz verkleidet, damit sie während der Bauarbeiten nicht beschädigt werden.

Im zweiten Obergeschoss haben die Arbeiter der Firma Fuchs und Girke aus Ottendorf-Okrilla bei Dresden gerade die ersten Stuckteile an der Decke befestigt. Mit ihren Spachteln lassen sie nach und nach die Figuren aus Mörtel entstehen. Die große Kunst der Stuckateure ist aber im ersten Obergeschoss zu bewundern, in der „guten Stube“ der Goldenen Waage.

Für die dortigen Arbeiten standen dem Bildhauer Jan Kretschmar als Vorlagen nur die wenigen erhaltenen Fotos des Raumes zur Verfügung, die die Decke zudem nicht komplett zeigen. Er hat sechs Bilder rekonstruiert, für die er und sein Künstler-Kollege Janusz Kopec sich Stuckdecken aus dem 16. Jahrhundert angesehen haben, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie in dieser Zeit gearbeitet wurde. Unterstützt wurden beide durch die Historikerin Barbara Rinn-Kupka. Ihr ist es gelungen, in Schleswig-Holstein eine Stuckdecke aus der gleichen Zeit zu entdecken, die vermutlich sogar von demselben Stuckateur erstellt wurde, der auch in der Goldenen Waage aktiv war. Diese große Stuckarbeit umfasst insgesamt 37 Quadratmeter.

Noch nicht fertig ist auch das Belvederchen, der lauschige Aussichtsplatz auf dem Dach, dem noch die Bemalung der Decke fehlt. Mit diesen Arbeiten soll nach den Ferien im August begonnen werden, erläuterte der Architekt der Rekonstruktion, Jochem Jourdan. Dazu soll dann auch der kleine Brunnen in Betrieb genommen werden, der an der Treppe zu dem Aussichtsraum über den Dächern der Altstadt steht.

Bei der Fertigstellung hinkt die Goldene Waage, deren Rekonstruktion besonders aufwendig ist, den übrigen Gebäuden in der Altstadt deutlich hinterher. Aus verschiedenen Gründen verzögerten sich die Arbeiten immer wieder. Der Architekt rechnet jetzt damit, dass das Gebäude „wohl im Oktober“ übergeben wird. Das heißt, dass die Goldene Waage zur großen Eröffnungsfeier der Altstadt Ende September noch nicht im fertigen Zustand präsentiert werden kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare