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Professor Ansgar Wucherpfennig, Rektor der katholisch-theologischen Hochschule St. Georgen, im Gespräch über Gott und die Welt.

Nach Berufsverbot

Rektor der Katholischen Hochschule St. Georgen bleibt bei seiner Position zur Homosexualität

Unter den Katholiken in Frankfurt herrscht Entsetzen: Rom hat dem angesehenen Rektor der Theologisch-Philosophischen Hochschule Sankt Georgen, dem Jesuitenpater Ansgar Wucherpfennig, eine weitere Amtszeit verweigert. Katholische Pfarrer bekunden ihre Fassungslosigkeit. Bischof, Stadtdekan und Orden reagieren mit Unverständnis.

Am 14. Oktober 2016 hat die Frankfurter Neue Presse ein Interview mit dem Rektor der Theologisch-Philosophischen Hochschule Sankt Georgen, dem Jesuitenpater Ansgar Wucherpfennig veröffentlicht. Darin nahm der Seelsorger mutig und offen zu drängenden Fragen der Kirche Stellung. Dies wurde ihm fast zwei Jahre später zum Verhängnis und gefährdet seine berufliche Zukunft. Doch Wucherpfennig erhält auch Unterstützung: „Wir halten die Anregungen von Pater Wucherpfennig für einen wichtigen Diskussionsbeitrag und sind ihm dafür sehr dankbar“, heißt es in einer Erklärung Frankfurter Pfarrer.

„Die zutiefst erschreckenden Erkenntnisse der Studie zum Missbrauch an Minderjährigen in der katholischen Kirche machen deutlich, dass auch der pathologische Umgang der Kirche mit dem Thema (Homo-)Sexualität sexualisierte Gewalt begünstigt“, heißt es in dem Papier, das von den Pfarrern Holger Daniel, Rolf Glaser, Hanns-Jörg Meiller, Uwe Michler, Werner Portugall, Werner Otto, Martin Sauer und dem Stadtdekan Johannes zu Eltz unterzeichnet ist. Weiter heißt es: „Der Versuch, das offene Gespräch über Sexualfragen in der Kirche zu unterbinden, ist daher zum gegenwärtigen Zeitpunkt genau das falsche Signal.“ Positive Aussagen zur Homosexualität und zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare hatten den Rektor der Theologisch-Philosophischen Hochschule Sankt Georgen seinen Posten gekostet.

Wie berichtet, verweigert die Bildungskongregation im Vatikan dem im Februar für eine dritte zweijährige Amtszeit mit großer Mehrheit wiedergewählten Geistlichen das „Nihil Obstat“ (Unbedenklichkeitserklärung) und verlangt einen öffentlichen Widerruf seiner Positionen.

Der Vorgang sei noch nicht abgeschlossen, sagte die Sprecherin der deutschen Jesuiten. Wucherpfennig habe auf den Brief aus Rom mit einer schriftlichen Stellungnahme geantwortet. Einen Widerruf lehne er aber ab. Eine Antwort aus Rom habe man bisher nicht erhalten.

Sein Vorgesetzter, Provinzial Johannes Siebner SJ, sagte, er stehe uneingeschränkt hinter Wucherpfennig. In einem Antwortschreiben habe er sich „befremdet“ über das römische Vorgehen gezeigt. „An Pater Wucherpfennigs Expertise, seiner Loyalität und damit auch an seiner Eignung für das Rektorenamt bestehen für mich nicht die geringsten Zweifel.“ Er könne sich eigentlich nur vorstellen, „dass es sich da um ein Missverständnis handelt. Ansonsten wäre es ein empörender Vorgang.“ Grund für das Ausbleiben des „Nihil obstat“ (nichts steht dagegen) aus Rom sei „die Auffassung der Glaubenskongregation, dass öffentliche Äußerungen von Pater Wucherpfennig im Oktober 2016 nicht mit der Lehre der Kirche übereinstimmen.“

Stadtdekan Johann zu Eltz ist solidarisch mit dem Jesuitenpater: „Ansgar Wucherpfennig ist ein lauterer Priester und ein unbestechlicher Wissenschaftler. Die Infragestellung seiner Integrität und seine völlig ungerechtfertigte Bestrafung schmerzen mich.“ Zudem verletze Rom „ohne Sinn und Verstand“ das „sonst zu jedem Kirchenfenster hinausgepredigte Subsidiaritätsprinzip“. Die Rechte des Limburger Bischofs und der Ordensleitung seien von Rom umstandslos übergangen worden. „Wie dumm geht es denn eigentlich noch?“, so zu Eltz.

2016 hatte Wucherpfennig, Professor für Neues Testament, die biblischen Verurteilungen der Homosexualität im Interview mit der FNP als „tiefsitzende, zum Teil missverständlich formulierte Stellen“ bezeichnet. Wucherpfennig, der im katholischen Stadtdekanat Frankfurt auch als Homosexuellen-Seelsorger wirkt, sprach sich für eine stärkere kirchliche Anerkennung von gleichgeschlechtlich Liebenden aus. Seine Äußerungen landeten auf unbekannten Wegen bei der Glaubenskongregation in Rom. Beanstandet wurden dort auch Aussagen Wucherpfennigs zur Diskussion über den Frauendiakonat und Frauen in den geistlichen Ämtern der katholischen Kirche.

(dpa,tre)

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