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Leer ist die Tribüne der Galopprennbahn in Frankfurt.

Bürgerentscheid

Renn-Klub will immer noch die DFB-Akademie verhindern

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Vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft im Juni soll auf dem Gelände der ehemaligen Pferderennbahn in Niederrad der Spatenstich für die Akademie des Deutschen Fußballbunds (DFB) erfolgen. Doch der Renn-Klub möchte das verhindern und plant ein erneutes Bürgerbegehren gegen das Projekt.

Seit mehr als zwei Jahren währt nun bereits der Rechtsstreit um die Räumung des städtischen Rennbahn-Areals in Niederrad. Jetzt hat die Stadt kurz vor Jahresende bei der Räumung des Geländes weitere Fortschritte erzielt. Das Landgericht Frankfurt entschied, dass die Kommune das sogenannte Quotenhaus auf dem Rennbahn-Gelände räumen darf. In diesen etwa 150 Quadratmeter umfassenden Gewerberäumen konnten früher Pferdewetten abgeschlossen werden. Es war die letzte nennenswerte Fläche, die vom Renn-Klub auf der Rennbahn noch verteidigt wurde.

Jochen Strack, Leiter des Fachbereichs Immobilienmanagement bei der Stadt, hofft nun, das Gelände im April dem DFB übergeben zu können. Dann könnte vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft im Juni der Spatenstich für die Fußball-Akademie erfolgen. Die Kosten für das Projekt sind inzwischen auf 150 Millionen Euro angewachsen.

Der Vizepräsident des Renn-Klubs, Carl-Philip zu Solms-Wildenfels, ist trotz der neuerlichen Bauchlandung vor Gericht weiter kämpferisch: „Wir werden pünktlich Vollstreckungsschutz beim Oberlandesgericht einreichen.“

Amtsleiter Strack bleibt dennoch optimistisch, weiter vor Gericht zu obsiegen: „So viele Überraschungen sollte es nicht mehr geben.“ Als nächsten Schritt plant die Stadt, die alte Haupttribüne der Rennbahn abzureißen. Die Abbruchgenehmigung der städtischen Bauaufsicht liegt bereits vor. Aufträge an Baufirmen sind allerdings noch nicht erteilt. Strack erwartet, dass die Tribüne bis April abgerissen sein wird.

Noch nicht geräumt ist das sogenannte „Sarotti-Häuschen“. Es gehört Alexa zu Solms-Wildenfels, der 75-jährigen Mutter des Vizepräsidenten. Sie bewahrt dort Pokale und andere Erinnerungsstücke an den Pferderennsport auf. So sind nach Angaben ihres Sohnes Fotos von ihren 98 Siege als Amateurrennreiterin an den Wänden. Die 75-Jährige hat es zu einer Art Erinnerungsstätte für den Pferderennsport in Frankfurt ausgestaltet. Gegen das Sarotti-Häuschen läuft ebenfalls eine Räumungsklage der Stadt. Auch hier droht Solms-Wildenfels: „Das Verfahren wird durch alle Instanzen getrieben.“

Gleichzeitig will der Renn-Klub mit Vertretern einer Bürgerinitiative ein Bürgerbegehren initiieren. Unter dem Motto „Wohnen statt DFB“ sollen im nächsten Jahr Unterschriften für ein Wohnquartier auf dem Rennbahn-Gelände gesammelt werden. Solms-Wildenfels ist überzeugt, dass sich die Frankfurter für den Bau von 2500 Wohnungen statt für die DFB-Akademie entscheiden werden. Das Gelände liegt allerdings wegen der Landebahn des Flughafen im Siedlungsbeschränkungsgebiet, so dass dort kein Wohnungsbau möglich ist.

Nach Auskunft von Wahlamtsleiter Hans-Joachim Grochocki benötigt der Renn-Klub rund 15 000 Unterschriften für das Bürgerbegehren. Dies ist dann ein Antrag auf Zulassung eines Bürgerentscheids.

Bereits im Juni 2014 hatte eine Bürgerinitiative rund um den Renn-Klub einen Bürgerentscheid erzwungen. Das Zustimmungsquorum von 25 Prozent der Wahlberechtigten wurde damals aber deutlich verfehlt. Wegen einer Gesetzeänderung sind nun nur noch 15 Prozent der Wahlberechtigten erforderlich. Damit würden dem Renn-Klub rund 75 000 Ja-Stimmen zum Erfolg reichen.

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