"Arrogante Politik"

Rennbahn Niederrad: Bürgerentscheid heizt Debatte an

  • vonRobin Göckes
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Die Diskussion um die künftige Nutzung der Rennbahn wird auch in Niederrad geführt. Nicht immer gleichen sich dabei die Parteilinien von Stadt- und Stadtteilpolitik.

„Arrogante Politik“ oder wirtschaftliche Notwendigkeit, Galoppsport oder Fußball-Zentrum: Um die Zukunft der Galopprennbahn in Niederrad wird kontrovers diskutiert. Erst recht, nachdem nun das Bürgerbegehren der Initiative „Pro Rennbahn“ erfolgreich war (wir berichteten). 18 884 Unterschriften haben die Rennbahnfreunde eingereicht, um den Galoppsport in Niederrad zu retten. Mit 13 715 gültigen Unterschriften ist das notwendige Quorum für einen Bürgerentscheid erfüllt. Erforderlich waren 13 604 Unterschriften.

Versäumte Debatte

Zu den engagiertesten Verfechtern einer Fortführung des Galoppsports im Stadtteil zählt der Ortsverein der SPD in Niederrad. Der voraussichtlich im Sommer anstehende Bürgerentscheid sei ein „gutes Zeichen für eine lebendige Demokratie in unserer Stadt“. Das erfolgreiche Bürgerbegehren sei „eine Absage an jene arrogante Politik der schwarzgrünen Stadtregierung, die es versäumt hat, im Kontext mit der Ansiedlung der DFB-Akademie in Frankfurt eine offene und transparente Debatte zu führen“, heißt es von Stefanie Then, der Vorsitzenden des Ortsvereins.

Auf Parteilinie ist die SPD in Niederrad damit nicht, im Gegenteil. Schließlich steht die SPD-Fraktion im Römer hinter der Ansiedlung des DFB auf der Rennbahn. „Wir sind da unterschiedlicher Meinung und daran wird sich wahrscheinlich auch nichts mehr ändern“, sagt Klaus Oesterling, der Fraktionsvorsitzende der SPD im Römer. Ein Problem sei das aber nicht. „Das können wir aushalten.“ Er habe durchaus Verständnis für seine Niederräder Parteifreunde. „Für die Niederräder ist die Rennbahn auch ein Stück Identität, das kann ich schon nachvollziehen.“ Dennoch sehe er keine wirtschaftliche Basis für eine Fortführung des Rennsports. Den Bürgerentscheid bezeichnet er als „legitime Wahrnehmung eines Bürgerrechts“.

Während die Niederräder SPD parteiintern also weitgehend alleine dasteht, gibt es im Stadtteil durchaus vergleichbare Positionen. Die Niederräder Stadtverordnete Elke Tafel-Stein (FDP) ist „froh, dass der Bürgerentscheid positiv ausgegangen ist“. Die FDP zählt in der Stadtpolitik zu der vergleichsweise kleinen Gruppe derer, die das Projekt zur Ansiedlung des Deutschen Fußballbundes auf dem Areal der Rennbahn kritisch sehen und für eine Fortführung des Galoppsports plädieren. Mit dem erfolgreichen Bürgerbegehren sei bereits viel erreicht worden. „Alleine, das es gelungen ist so viele Unterschriften zu sammeln belegt, dass die Rennbahn nicht nur in Frankfurt selbst, sondern auch in der gesamten Region als erhaltenswert wahrgenommen wird“, sagt Tafel-Stein. Die Leistung der Initiative „Pro Rennbahn“ müsse gewürdigt werden: „Irre, was da passiert ist. Das war eine phantastische Leistung.“

Das sieht Reinhard Klapproth, Fraktionschef der Grünen im Ortsbeirat, anders. „Ein bisschen schräg ist es ja schon, wer da alles gesammelt hat“, sagt Klapproth und verweist auf Berichte, nach denen bezahlte Unterschriftensammler unterwegs waren, um die Listen zu füllen. Klapproth schätzt die Chancen für einen Erfolg des Bürgerbegehrens gering ein. „Das wird schon schwer. Die meisten werden einfach nicht zur Wahl gehen“, glaubt er. In den Diskussionen während der Ortsbeiratssitzungen der vergangenen Monate sind die Grünen im Stadtteilparlament meist zurückhaltend aufgetreten. Mehr als einmal wurden Beschlüsse zur Rennbahn allerdings auf Initiative der Grünen vertagt mit dem Argument, zur Beurteilung fehle das Wissen um wichtiges Details.

„Spannende Entwicklung“

Den von dem Streit um das Rennbahn-Areal Betroffenen, neben dem Rennklub sind dies vor allem der Golfplatzbetreiber und die Huarong-Gruppe, die in direkter Nachbarschaft zur Rennbahn seit Jahren ein Luxushotel baut, bleibt derzeit nicht viel mehr, als das Ergebnis des Bürgerentscheids im Sommer abzuwarten. Die Stadt wird jedenfalls in möglichen Verhandlungen keine neuen Fakten schaffen. „Das ist jetzt natürlich eine spannende Entwicklung. Wir beobachten, wie das im Sommer ausgeht aber mehr können wir nicht tun“, sagt Dirk Hempelmann von der Huarong Gruppe.

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