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Volker Bannert (l.), Lutz Eiding (M.) und Till Behrens (r.) lassen sich von Rennklub und Bürgerinitiative die Rennbahn zeigen.

Galopprennbahn in Niederrad

Rennbahn-Streit: Nabu gegen DFB-Akademie

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Eine Woche vor dem Bürgerentscheid über die Zukunft der Galopprennbahn in Niederrad schlägt sich der Frankfurter Nabu auf die Seite des Rennklubs. Die Naturschützer fürchten einen Präzedenzfall und kritisieren zudem den geplanten Bürgerpark.

Die Kämpfer für den Erhalt der Galopprennbahn in Niederrad bekommen Unterstützung vom Frankfurter Ableger des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). „Wir haben im Vorstand diskutiert und beschlossen, dass wir die Bebauung der Rennbahn ablehnen“, sagte Volker Bannert, der erste Vorsitzende des Nabu. Er war gestern auf Einladung des Rennklubs in Niederrad, um sich gemeinsam mit Professor Till Behrens, dem Vordenker des Grüngürtels, und dem Rechtsanwalt des Rennklubs, Lutz Eiding, einen Eindruck von der Anlage zu verschaffen. „Diese Grüne Lunge ist wichtig. Uns stört der gesamte Deal zwischen der Stadt und dem DFB“, sagte Bannert. Mit dem angedachten Bürgerpark auf einer Teilfläche des Areals „wird so getan, als wäre hinterher mehr Natur da als vorher“.

Der Nabu befürchtet, dass mit der Bebauung der Rennbahn ein Präzedenzfall geschaffen wird und weitere grüne Gebiete zukünftig bebaut werden. Angesichts des Wachstums der Stadt sei der Druck auf die Grünräume groß. „Die Rennbahn ist ein Landschaftsschutzgebiet. Wenn da jetzt angefangen wird, sieht es schlecht aus. Frankfurts Grünflächen dürfen nicht kleiner werden, eigentlich müsste man sie noch ausweiten“, meint Bannert.

Auch Grüngürtel-„Erfinder“ Till Behrens kritisierte den geplanten Bau der DFB-Akademie auf der Rennbahn. „Landschaftsschutzgebiete sind sehr leicht aufzugeben, einfach mit einem Bebauungsplan. Das ist das Problem“, sagt er und fordert, Naturschutzzonen besser gegen Eingriffe zu schützen. „Etwa mit negativen Bebauungsplänen. Die sichern Freiflächen zuverlässig ab.“ Behrens setzt sich seit den 1970er Jahren für die ökologische Entwicklung Frankfurts ein. Die Idee für den Frankfurter Grüngürtel stammt aus seiner Feder. „Areale wie die Rennbahn haben eine wesentliche Funktion bei der Klimatisierung der Stadt“, sagte Behrens bei der Besichtigung des Geländes. Derzeit sind rund 1,2 Hektar des Gebiets durch Gebäude und Plätze versiegelt. Durch die geplante Bebauung sollen 1,4 Hektar versiegelt werden. Nach Angaben der Stadt soll es für alle Eingriffe in den Landschaftsschutz ökologische Ausgleiche geben.

Geht es nach der Stadt, soll der DFB das Gelände zum Jahresstart 2016 übernehmen. Der Baubeginn für die DFB-Akademie ist für 2017, das Ende der Arbeiten für 2018. Zuvor müssen allerdings noch die Frankfurter Bürger am 21. Juni bei einem Bürgerentscheid die Pläne unterstützen. Der Pachtvertrag zwischen DFB und Stadt wurde nach Informationen der Frankfurter Rundschau indes trotzdem bereits unterzeichnet.

Bei Rechtsanwalt Lutz Eiding löst der straffe Zeitplan, der für Genehmigung und Bau der DFB-Akademie vorliegt, Skepsis aus. Er wurde vom Rennklub beauftragt, die Unverträglichkeiten der geplanten Bebauung mit dem Landschaftsschutz zu beleuchten und zum gegebenen Zeitpunkt dagegen vorzugehen. „Die Genehmigungsprozesse wollen wir frühzeitig aktiv begleiten und so versuchen, Einfluss zu nehmen“, erklärt der Anwalt seine Rolle. „Wir sind immer noch der Überzeugung, dass bei der Vergabe des Grundstücks an den DFB nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist“, sagte Carl-Philipp Graf zu Solms-Wildenfels vom Rennklub.

Sollte der Bürgerentscheid in einer knappen Woche nicht zugunsten der Rennbahn-Befürworter ausgehen, schließt der Rennklub auch eine Klage gegen die Baupläne nicht aus. Anwalt Eiding hofft jedoch, dass es dazu nicht kommen wird. „Gerichtsverfahren sind bei solchen Renommierprojekten schwer zu gewinnen.“ Auch die Stadt wird nach Möglichkeit langen Rechtsstreitigkeiten aus dem Weg gehen wollen. Schließlich sind die Verträge mit dem DFB bereits unterschrieben.

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