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Bei der Baustellenbesichtigung der Liebfrauenkirche zeigen Stadtrat Uwe Becker und der Kirchenrektor Christophorus Goedereis eine Steinfigur, die bei der Sanierung zum Vorschein kam.

Renovierung

Wie Frankfurt die jahrhundertealte Liebfrauenkirche saniert

Seit dem Frühjahr wird die Kirche am Liebfrauenberg renoviert. Dabei wurden einige unerwartete Entdeckungen gemacht. Ein neuer Kreuzweg wartet auf die Gläubigen, und das Schmuckfeld am Portal wird mit Glas überdacht.

Nur wenige Schritte von der Hektik der Fußgängerzone entfernt, in der Menschen fieberhaft nach letzten Geschenken streben, liegt ein Ort der Stille. Kerzen flackern unter einem Vorbau im Hof. Passanten, die sich hierher geflüchtet haben, entzünden immer neue Lichter, genießen die Ruhe. Mehr als 2000 Kerzen am Tag sind es nun in der Adventszeit, sagt Bruder Christophorus Goedereis. Der Rektor der Liebfrauenkirche hatte befürchtet, dass die Schließung des Gotteshauses wegen der Sanierung seit dem Frühjahr den Strom der Menschen versiegen lassen würde.

Im Inneren stehen Gerüste: Mitte Juni soll die Kirche wieder eröffnet werden.

Doch das Gegenteil ist der Fall. Bruder Christophorus freut sich über die „schönen Entdeckungen“, die es im Laufe der Arbeiten gab. Ein Gewirr von Gerüsten füllt das Kirchenschiff, die Besucher balancieren vorsichtig über eiserne Stangen, den Blick eher zum Boden gerichtet. Da entgehen ihren Augen die Mosaiken des Kreuzweges von Ludwig Becker an der Wand. Die Arbeit des Künstlers, die in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden war, fand sich unter Tapeten verborgen, wurde nun freigelegt.

Rätselhafte Steinfigur

Einer der anderen schönen Funde, die niemand voraussah, ist eine etwas rätselhafte Steinfigur, die der Geistliche gemeinsam mit Kirchendezernent und Bürgermeister Uwe Becker (CDU) vor die Kameras hält. „Wir wissen nicht, woher sie stammt und was sie darstellt“, so Goedereis, die Aufklärung sei im Gange.

Die gotische Liebfrauenkirche in der nördlichen Altstadt entstand in mehreren Bauabschnitten vom 14. bis zum 16. Jahrhundert. Das Gotteshaus am Liebfrauenberg dient heute als Kloster- und Rektoratskirche. Im Franziskustreff in der Nachbarschaft bieten Kapuzinerbrüder und freiwillige Helfer vielen Obdachlosen und Bedürftigen Speisen und Getränke an. Der Innenhof lädt als „Hof der Stille“ alle Menschen zu Besinnung und Einkehr ein. jg

Die Stadt Frankfurt lässt sich die Sanierung und die Bauunterhaltung der sieben Dotationskirchen in der Innenstadt, um die sich die Stadt laut Vertrag mit den Kirchen kümmern muss, durchaus etwas kosten. Von den Kosten in Höhe von 1,8 Millionen Euro, die für die Liebfrauenkirche anfallen, stemmt die Kommune 1,7 Millionen Euro, 100 000 Euro beträgt der Eigenanteil der Gemeinde.

Liebfrauen, gestiftet von einer reichen Frankfurter Bürgerfamilie im 14. Jahrhundert, erlebte und überlebte schon mehrere Häutungen. 1944 zerstörten alliierte Bomber das Gotteshaus bis auf die Grundmauern. Jetzt wird der einfache Wiederaufbau der Nachkriegszeit behutsam korrigiert. Ein neuer Altar rückt in den Mittelpunkt. Das Dreikönigtympanon aus dem 15. Jahrhundert wird künftig von einem Glasdach überdeckt, damit natürliches Licht auf das Schmuckfeld fallen kann.

Neues Lichtkonzept

Die vordere Hälfte des Hochchors wird um eine Stufe abgesenkt, um so das alte Höhenniveau des Kirchenbaus wieder herzustellen. Für den gesamten Kirchenraum und die Anbetungskapelle entsteht ein neues Lichtkonzept mit LED-Leuchten. Die Elektrik wird erneuert, der Eingang zur Kirche neu gestaltet. Noch ein Problem war zu lösen: „Die Verschmutzung der Kirche war außerordentlich hoch“. Mitte Juni, so hofft Bruder Christophorus, könnte die Liebfrauenkirche wieder für die Gläubigen öffnen. Aber wie sagt Kirchendezernent Uwe Becker? „Kirche hat nie ein Ende, weder inhaltlich noch baulich.“ Der Dotationsvertrag bedeute ein Bekenntnis der Stadt zu ihren Kirchen. Draußen im Hof leuchten noch immer die Kerzen. Die Besucher zieht es noch gar nicht zurück in die Fußgängerzone.

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