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Die beiden Streitschlichter Ingrid Weidling-Heisig und Ernst Kucharczyk mit Schulleiterin Irmgard Long und ihrem Kollegen Bernhard Becker.

Neues Projekt an zwei Frankfurter Schulen gestartet

Rentner schlichten Streit

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Wenn zwei sich streiten – führen sie ein klärendes Gespräch. Das gilt jedenfalls an der IGS Eschersheim sowie an der Griesheimer Berthold-Otto-Grundschule, wo der Verein „Seniorpartner in School“ neuerdings ehrenamtliche Mediatoren stellt.

Wenn mittwochs um 13 Uhr die Schulglocke das Unterrichtsende an der IGS Eschersheim einläutet, haben auch Ernst Kucharczyk und Ingrid Weidling-Heisig Feierabend. Seit Ostern kommen die beiden Rentner jeden Mittwoch für vier Stunden an die Schule, schlichten Streitereien, die sie auf dem gemeinsamen Schulhof der Grund- und Gesamtschule beobachten, oder führen Gespräche mit Schülern, die private oder schulische Sorgen plagen.

Für diese Gespräche dürfen die Schüler auch mal den Unterricht ausfallen lassen, sofern die Sechs- bis 16-Jährigen ihren Laufzettel von den Mediatoren unterschrieben beim Lehrer abgeben. „Schließlich sorgen die Mediatorengespräche oft dafür, dass die Konzentration der Schüler von privaten Problemen wieder zurück auf den Unterricht gelenkt wird“, sagt Bernhard Becker, der die IGS in den vergangenen beiden Jahren kommissarisch leitete und der die Zusammenarbeit mit dem Verein „Seniorpartner in School“ (SIS) initiiert hatte: „Die Ehrenamtlichen kümmern sich um all jene Probleme, für die Lehrern neben dem Unterricht oft keine Zeit bleibt. Das ist eine sehr begrüßenswerte Entwicklung.“

Bevor Kucharczyk und Weidling-Heisig an die Schule kamen, mussten sie viel lernen: Die Vermittler wurden vom hessischen Landesverbands des Vereins ausgebildet, der bundesweit mit rund

1200 Mediatoren

an 290 Schulen im Einsatz ist. „Unsere Ausbildung umfasste zwölf je achtstündige Kurse, in denen wir Kommunikationstraining erhielten und auch Einzelgespräche zu besonders heiklen Fällen probten“, erzählt Kucharczyk (65), der auch stellvertretender Vorsitzender des Landesverbands ist. Für ihn, der als Rentner eine neue Aufgabe suchte, sei die Arbeit mit den Schülern genau das Richtige.

Der früheren Physiotherapeutin Ingrid Weidling-Heisig (62) geht es da nicht anders: „Ich war anfangs noch ein wenig skeptisch, aber aus den Trainingstagen habe ich auch für mich selbst eine ganze Menge mitgenommen.“ Und spätestens nachdem sie das erste Mal Kinder und Jugendliche erlebt habe, die nach einem Gespräch den Raum verließen und sich fragten, worüber sie sich überhaupt gestritten haben, „wusste ich, dass die Energie an der richtigen Stelle ankommt“.

Bislang stellt SIS Mediatoren an der IGS Eschersheim sowie an der Berthold-Otto-Schule in Griesheim. Der Verein plant, weitere Streitschlichter auszubilden und in weiteren Schulen aktiv zu werden.

Für Irmgard Long, die neue Schulleiterin der IGS, die erst in der vergangenen Woche neu an die Schule gekommen ist, ist das Mediatorenprogramm eine Unterstützung, die sie gerne annimmt. „Über die Arbeit der beiden bin ich absolut begeistert. Dass sich jemand ehrenamtlich hinsetzt und sich mit Ruhe und Interesse Zeit für die Kinder nimmt, ist für das Kollegium eine hilfreiche und generell eine bewundernswerte Sache.“

Infos zum Verein für Schulen, Ehrenamtliche sowie Förderer gibt es bei Ernst Kucharczyk unter sis-kucharczyk@sis-hessen.de.

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