+
Leerbachstraße 88 im Westend: Im Haus mit den roten Balkonen sollten die Mieter gut 100 Euro mehr zahlen. Mittlerweile steht fest: Die Hausverwaltung hatte sich vertan.

Wohnungsmarkt

Rentnerin bremst saftige Mieterhöhung

  • schließen

Renate Messina wohnt im Westend und sollte plötzlich 20 Prozent mehr Miete zahlen. Viel zu viel, sagte der Mieterschutzverein und monierte „reihenweise falsche Erhöhungen“. In einer Mail an diese Zeitung rudert die Hausverwaltung zurück – und entschuldigt sich.

Ende Juli landete ein Schreiben der Hausverwaltung in Renate Messinas Briefkasten, das sie erschreckte. Die 77-jährige Rentnerin solle knapp 100 Euro mehr Miete für ihre kleine Wohnung bezahlen. Seit 38 Jahren lebt sie in dem nüchternen Nachkriegshaus in Westend-Nord. Für 53-Quadratmeter zahlt sie derzeit 480 Euro kalt. Angesichts der guten Lage ist das eine vergleichsweise günstige Miete. „Weil es eine Firmenwohnung war“, sagt die ehemalige Sekretärin. „Nun habe ich das Gefühl, man will uns Alte hier raushaben.“

Die saftige Erhöhung um 20 Prozent wollte sich Messina nicht gefallen lassen. Unterstützung erhielt sie vom DMB Mieterschutzverein Frankfurt. Der verlangte Mietanstieg sei unzulässig, teilte der Verein gestern mit und warf der Hausverwaltung vor, reihenweise falsche Mieterhöhungen verschickt zu haben. Rentnerin Messina sei nur eine von mehreren Betroffenen. Eine Sprecherin des Mieterschutzvereins sagte: „Bei uns sind mindestens zehn Fälle gelandet. Aber das sind ja nur die Mieter, die bei uns Mitglied sind.“

Der Verein kritisierte zudem, dass die Mieter unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ein Fünftel mehr zahlen sollten. In den Briefen teilte die Hausverwaltung nämlich mit, dass die bei Mieterhöhungen zu beachtende Kappungsgrenze bei 20 Prozent liege.

Das ist die bundesweit geltende Grenze. Doch in Frankfurt gilt wegen des angespannten Wohnungsmarkts seit 2014 die niedrigere Kappungsgrenze von 15 Prozent. Das hat das Land Hessen so festgelegt.

„Es ist kaum zu glauben, dass eine seit Jahrzehnten in Frankfurt tätige, große Hausverwaltung fast vier Jahre nach Inkrafttreten der Regelung zur Kappungsgrenze reihenweise falsche Mieterhöhungen verschickt“, ärgert sich Rolf Janßen, Geschäftsführer des Mieterschutzvereins. Durch die Angabe würden die Mieter in die Irre geführt und zur Zustimmung viel zu hoher Mieterhöhungen veranlasst. „Wir erwarten von dieser Hausverwaltung, dass sie umgehend alle betroffenen Mieter informiert und die fehlerhaften Mieterhöhungen zurücknimmt“, forderte Janßen noch gestern Mittag.

Nachdem sein Verein die Vorwürfe öffentlich machte, ruderte die Hausverwaltung zurück. „Im Rahmen einer Überprüfung der mietvertraglich vereinbarten Kaltmieten kam es leider in Einzelfällen zu der Missachtung der verringerten Kappungsgrenze von 15 Prozent“, teilte die Firma Klopprogge Immobilienmanagement auf Anfrage dieser Zeitung mit. „Durch den wohlwollenden Hinweis des Mieterschutzvereins können wir nun die betroffenen Mieter informieren und die Mieterhöhung korrigieren. Wir bedauern, dass es zu diesem Versehen gekommen ist und bitten die betroffenen Mieter um Entschuldigung.“

Renate Messina wird künftig also 552 Euro Kaltmiete zahlen. „Diese Erhöhung werde ich akzeptieren“, sagt sie und will sich nun um andere Dinge kümmern, die in ihrem Haus zu verbessern seien. „Der Handlauf im Treppenhaus zum Beispiel ist nicht mehr in Ordnung, da müsste man dringend mal was unternehmen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare