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Mit der Elektroteppichbürste hat Fachmann Rudi Schätzlein (links) nicht viel Arbeit und kann sie schnell wieder für Elsa Zimmer (rechts), die das Gerät zum Repair-Café Heddernheim gebracht hat, instand setzen.

Repair-Café in Heddernheim

Zu schade für den Müll

Neun Experten bringen im Repair-Café in Heddernheim defekte Haushaltsgeräte in Schuss.

Heddernheim - Rudi Schätzlein trifft die letzten Vorbereitungen. Er hat seinen Werkzeugkoffer mitgebracht und auf einen Tisch gestellt, geöffnet und wirft einen prüfenden Blick auf alles. Als einer von neun Fachmännern ist er für den Ansturm im Repair-Café (Reparatur-Café) in den Räumen des Begegnungs- und Servicezentrums Heddernheim des Frankfurter Verbandes gewappnet. Seit zwei Jahren ist er mit dabei, bringt sein berufliches Wissen für die Allgemeinheit mit ein - und defekte Haushaltsgeräte wieder in Schuss, wenn es möglich ist. Er und die anderen engagieren sich ehrenamtlich, der Service ist kostenfrei.

Repair-Café in Heddernheim: Vor zwei Jahren erstmals organisiert

Entstanden ist das Angebot vor genau zwei Jahren auf Initiative von "Transition Town Frankfurt - Stadt im Wandel" und es wird sehr gut angenommen. Die Akteure von "Transition Town Frankfurt" sind seit 2011 Teil einer weltweiten Bewegung, die Umwelt und Nachhaltigkeits-Initiativen in vielen Städten und Gemeinden der Welt initialisiert. Das Angebot des Repair-Cafés, von denen es in Frankfurt mittlerweile mehre in verschiedenen Stadtteilen gibt, trägt zu einer Stärkung des Bewusstseins für ein nachhaltiges Leben bei.

Feyza Morgül engagiert sich bei "Transition Town Frankfurt" und hat unter anderem das Repair-Café im Heddernheim mit auf den Weg gebracht. Mittlerweile haben sich einige engagierte Freiwillige gefunden, die das Reparatur-Café künftig selbstständig weiterführen werden. Morgül hat die Aufgaben abgegeben, bespricht an diesem Nachmittag ein letztes Mal mit allen den Ablauf. Drei Stunden lang hat das Repair-Café geöffnet. Die Zeit ist nötig, der Besucherandrang ist groß.

Damit alles reibungslos funktioniert, gibt es Regeln, die eingehalten werden müssen. Jeder, der etwas repariert haben möchte, muss sich erst einmal anmelden und ein Formular ausfüllen. Darauf gibt er an, was er mitgebracht hat und was nicht mehr funktioniert. Außerdem erteilt er sein Einverständnis zur Hausordnung, Datenschutz und auch dafür, dass er die Haftungsbeschränkung kennt.

Repair-Café in Heddernheim: Eigene Werkzeuge kommen zum Einsatz

Erst wenn dieses Formular komplett ausgefüllt und unterschrieben ist, dürfen die Experten sich mit den mitgebrachten Gegenständen beschäftigen, die angefangen vom Regenschirm bis zum Kaffeevollautomaten reichen. Die ausgefüllten Formulare werden an einer Wand befestigt. So können die Experten sehen, um was es geht und entscheiden, was sie reparieren möchten. Viele Zettel hängen bereits daran. Die meisten Experten, die ihr Wissen und ihre handwerklichen Fähigkeiten in das Projekt einbringen, sind wie Schätzlein schon in Rente. "Jeder hat hier seine Schwerpunkte. Ich repariere zum Beispiel alles, was mechanisch ist", erzählt er. "Früher habe ich im Bereich Konstruktion und Maschinenbau gearbeitet, als Lehrbub sogar meine eigenen Werkzeuge angefertigt."

Wie er, haben sich auch die anderen Experten des Repair-Cafés ihre Plätze an den Tischen eingerichtet. Zum Tisch von Rudi Schätzlein kommt Elsa Zimmer. Sie hat die Elektroteppichbürste ihres Staubsaugers mitgebracht. "Die Besen drehen sich nicht mehr", erklärt sie Schätzlein das Problem. Er nimmt einen Schraubenzieher und öffnet das Gerät.

Am Nachbartisch sitzt Jurij Watschenko und beschäftigt sich mit der Frage, warum das Radio von Ingrid Röder ausgeht, wenn es länger läuft. "Das habe ich 1986 von meinem Mann geschenkt bekommen", erzählt Röder, die aus Preungesheim kommt. Damit höre sie seitdem in der Küche Radio. "Wissen Sie: Alte Menschen hängen an ihren alten Sachen", formuliert sie es und hofft, dass Watschenko es wieder richten kann. Er vermutet einen Wackelkontakt und schraubt das Gerät auf.

Rudi Schätzlein ist mit der Teppichbürste fertig. "Es war etwas drin, das ich entfernt habe. Jetzt funktioniert es wieder", sagt er. Elsa Zimmer freut sich. "Das ist der Grund, warum ich mit dabei bin: Ich kann andere Menschen glücklich machen."

Alexandra Flieth

Immer am 3. Samstag im Monat: Das nächste Repair-Café in Heddernheim ist am 15. Februar, von 15 bis 18 Uhr im Begegnungs- und Servicezentrum, Aßlarer Straße 3.

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