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„Casual Fine Dining“ verspricht das Schild an der Außenterrasse des „Canvas“. Gespeist aber wird hier nicht mehr.

Wiedereröffnung im März unter neuer Leitung

Frankfurt: Aus für das Restaurant „Canvas by Michael Riemenschneider“ an der Freßgass’

Es währte nicht lange: Das neue Restaurant „Canvas by Michael Riemenschneider“ ist schon wieder Geschichte. Geschäftsführer René Meister hat sich vom Canvas getrennt, im März soll das Lokal unter neuer Leitung wiedereröffnen.

Frankfurt - Rosen, Tulpen, Nelken gehören eigentlich zum Kerngeschäft eines Blumenhändlers und weniger die Abwicklung eines Restaurants. Genau das aber liegt gerade hinter René Meister. Der Florist und Spross der bekannten Frankfurter Blumendynastie Blumen Meister musste das „Canvas by Michael Riemenschneider“ in der Freßgass’ verkaufen. Operation gelungen, vermeldete er gestern auf Anfrage dieser Zeitung. Mit Beginn dieses Jahres habe ein neuer Gastronom den Mietvertrag übernommen und auch einen großen Teil des Inventars. Im März soll Neueröffnung sein. Für René Meister geht damit ein unternehmerisches Abenteuer zu Ende. Begonnen haben dürfte es mit der Idee, dem in die Folgen einer Insolvenz verstrickten Sterne-Koch Michael Riemenschneider eine wirtschaftliche Basis zu verschaffen.

Ganze Kette war geplant

Das Modell ging so: René Meister gründete die „M Food Group“ GmbH und handelte als deren Geschäftsführer. In dieser Funktion, so berichtet er, habe er 2016 von der Paluch Liegenschaftsverwaltung die Räumlichkeiten in der Freßgass’ 25-27 angemietet, um dort das Restaurant „Canvas“ zu betreiben. Riemenschneider sei als „Consultant“ engagiert gewesen. Dieser habe das Essenskonzept erarbeitet, die Köche darauf trainiert, sei jeden zweiten Tag im Restaurant gewesen. Die Pläne der beiden „Canvas“-Macher waren wohl einigermaßen groß. Eine ganze Restaurantkette nach „Canvas“-Vorbild soll der Plan gewesen sein, sagt Meister. So gesehen macht die Namensgebung der GmbH „M Food Group“ tatsächlich Sinn.

Michael Riemenschneider war als Berater engagiert.

Indessen: Die großen Pläne dürften bereits an den kleinen Mühseligkeiten des Tagesgeschäftes gescheitert sein. Die Idee, dass die Laufkundschaft auf der stets lebhaft besuchten Freßgass’ auch das Canvas für sich entdeckt und mittags dort einkehrt, erwies sich als zu optimistisch. Meister formuliert es in schöner Klarheit so: „Die Laufkundschaft blieb aus.“ Völlig unterschätzt habe man auch die Ansprüche der Gäste an ein gewisses Umfeld im Restaurant. „Das Essen war immer top, aber die Leute wollten immer auch einen Ansprechpartner.“ Einen Restaurantleiter habe man indessen nicht gefunden. Manchen Abend verbrachte Meister dann selbst in seinem Restaurant.

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Es waren lange Arbeitstage für ihn, sehr lange mitunter, die im Morgengrauen mit dem Besuch des Großmarktes begannen, wo er für sein Blumengeschäft einkaufte und kurz vor Mitternacht endeten, wenn er sich noch um die Belange der Gäste im Canvas kümmerte. „Ich hatte völlig unterschätzt, welche Arbeitsbelastung man als Gastronom hat. Außerdem habe ich das nie gelernt“, sagt René Meister heute in der Rückschau. Spätestens seit der Geburt seines ersten Kindes, des kleinen Paul, vor vier Monaten sei ihm klar geworden: So kann es nicht weitergehen.

Anfang Dezember verdichteten sich in Frankfurt die Gerüchte, das Canvas sei kurz vor der Schließung. Michael Riemenschneider dementierte via Facebook, gab dort bekannt, man habe täglich „viele große Feiern“. Deshalb könnten „À-la-carte-Gäste“ nur freitags und samstags am Abend kommen. Das Online-Reservierungssystem indessen war bereits abgeschaltet, ans Telefon ging auch niemand, weder mittags noch abends, weder freitags noch samstags.

Riemenschneiders Frau erwartet Zwillinge

Nun kommt der Sternekoch mit einer rührenden Geschichte daher, wiederum auf Facebook. Seine Gattin Céline habe ihm Mitte Dezember ihre Schwangerschaft mit Zwillingen offenbart. „Wir sind überglücklich und freuen uns sehr auf die Zeit bis zum Frühsommer, wenn die zwei Racker das Licht der Welt erblicken werden“, schreibt Riemenschneider. Er wolle nun „mehr Zeit“ mit seiner Frau verbringen, beide wollten sich zu „1000 Prozent auf die zwei Kleinen vorbereiten“. Er selbst werde sich ein wenig zurückziehen „aus dem schnelllebigen Gastronomie-Business“.

Riemenschneider schwärmt von der Männerfreundschaft zwischen ihm und Meister

Und schwärmt dann noch von der Männerfreundschaft zwischen ihm und Meister. So blumig die Beschreibung auch ist, René Meister beurteilt diese ein wenig nüchterner. Sie seien Geschäftspartner, sagte er gestern auf Anfrage. Und so gut befreundet, dass man nicht vor Gericht ziehe, lautet die weitere Beschreibung des Beziehungsstatus zu Riemenschneider.

Für Anfragen war Michael Riemenschneider gestern, wie auch in den Wochen zuvor, nicht erreichbar.

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