LUFTFAHRT

Rettungspaket für Lufthansa gefährdet

  • Panagiotis Koutoumanos
    vonPanagiotis Koutoumanos
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Großaktionär Thiele erhöht Anteil auf 15 Prozent und will Staatseinstieg neu verhandeln

Das von der Bundesregierung und der Lufthansa-Führung mühsam geschnürte Rettungspaket für den Luftfahrt-Konzern muss möglicherweise wieder aufgeschnürt werden. Der Münchener Unternehmer Heinz Hermann Thiele hat in den vergangenen Tagen seinen Anteil an der Lufthansa von zehn auf fünfzehn Prozent erhöht - und erwägt, auf der bevorstehenden außerordentlichen Hauptversammlung des Konzerns gegen das neun Milliarden Euro schwere Rettungspaket zu stimmen. Ohne dessen Zustimmung dürfte die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit auf dem virtuell stattfindenden Aktionärstreffen kaum erreicht werden. Denn in der Regel sind bei weitem nicht alle Anteilseigner bei den Hauptversammlungen präsent. Und Thiele ist der mit Abstand größte Anteilseigner der Lufthansa.

Auf der außerordentlichen Aktionärsversammlung. die für den 25. Juni terminiert ist, sollen die Anteilseigner über das Rettungspaket einschließlich der Beteiligung des Bundes an dem Unternehmen abstimmen. Der Bund soll sich mit 20 Prozent der Aktien plus zwei Wandelanleihen in Höhe von jeweils fünf Prozent an dem Konzern beteiligen. Die erste wird wirksam, wenn die Lufthansa vor einer Übernahme steht, die zweite, wenn die Airline die Zinsen für die stille Einlage nicht begleichen kann.

Aber Thiele sind nach eigener Aussage die Bedingungen des Staatseinstiegs ein Dorn im Auge. Schließlich hätte der Deal eine Verwässerung der Anteile der bisherigen Aktionäre zur Folge. Mit anderen Worten: Sie verlieren Geld. "Die Aktionäre werden überfallartig damit konfrontiert, dass sie zum einen eine erhebliche Verwässerung ihres Aktienwertes akzeptieren sollen... Zum anderen ist der Bund der Profiteur, weil er die neuen Titel zum Nominalwert von 2,56 Euro und damit etwa zu einem Viertel des aktuellen Kurses erhalten soll", sagte der 79-Jährige gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwoch). Lufthansa-Chef Carsten Spohr habe nur zwei Mal kurz mit ihm telefoniert; zu einer inhaltlichen Diskussion sei es dabei nicht gekommen, beklagte der Unternehmer, der auch Mehrheitseigner bei Knorr-Bremse ist, dem führenden Hersteller von Bremsen für Schienen- und Nutzfahrzeuge.

Ob er am 25. Juni auf jeden Fall gegen das Rettungspaket stimmen wird, wollte Thiele nicht sagen. "Ich kann mir bislang noch keine abschließende Meinung bilden", sagte er. "Ich habe externe Berater - Wirtschaftsprüfer und Anwälte - in Bewegung gesetzt, die für mich die Entscheidung vorbereiten. Ich hoffe, am Mittwochabend nächster Woche, dem Vorabend der Hauptversammlung, Klarheit zu haben." Er hoffe, dass schon "im Vorfeld etwas bewirkt und in Bewegung gebracht werden kann". Ihm sei es wichtig, "im Sinne des Unternehmens mit den Beteiligten zu reden und zu verhandeln", betonte Thiele, der laut Bloomberg mit einem Vermögen von schätzungsweise 15,5 Milliarden US-Dollar zu den 100 reichsten Menschen der Welt gehört.

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