Prof. Klaus Schroeder
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1.Mai

Revolutionäre wollen zum Opernplatz

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
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Extremismus-Forscher staunt über Genehmigung der Behörde

Klaus Schroeder leitet den Forschungsverbund SED-Staat und ist Professor am Otto-Suhr-Institut, Freie Universität Berlin. Er hat sich mit Linksextremismus beschäftigt und jüngst ein Buch veröffentlicht: "Der Kampf ist nicht zu Ende. Geschichte und Aktualität linker Gewalt". Unser Redakteur Thomas J. Schmidt hat mit ihm über die für den 1. Mai angekündigte "revolutionäre" Demonstration gesprochen, die am Opernplatz in Frankfurt stattfinden soll. Sie ist laut dem Ordnungsamt von einer Privatperson angemeldet worden, es werden etwa 500 Teilnehmer erwartet.

In diesem Jahr ist in Frankfurt ein "Revolutionärer 1. Mai" angekündigt. Was kommt da auf Frankfurt zu?

Bislang gibt es den "Revolutionären 1. Mai" nur in Berlin und Hamburg mit einer ernst zu nehmenden Zahl von Teilnehmern, mehrere Tausend. Andernorts sind es oft nur 50 bis 100 Demonstranten. Manchmal laufen linke Militante bei den Gewerkschaften mit, doch in Berlin haben die Autonomen, unter ihnen viele Gewaltbereite, eine eigene Demonstration auf die Beine gestellt. In den letzten Jahren durfte sie nicht durch das "Myfest" in Kreuzberg gehen. Da hat sich bei den militanten Linken ordentlich Wut aufgebaut, die wollen jetzt am 1. Mai Flagge zeigen.

Warum dann in Frankfurt?

Kennen Sie die Riot Awards? So heißt der Wettkampf des Vandalismus bei den Linken. Weil wir ja kurz vor dem Bürgerkrieg stehen, wurde die Randalemeisterschaft in Riot Awards umbenannt. Den Spitzenplatz hatte 2020 der Dannenröder Wald. Dann kommen Leipzig, Berlin, Hamburg, Jena und danach erst Frankfurt am Main. Noch schwächer ist der Hambacher Forst. Also: In Frankfurt scheint bei der militanten Linken - und die gab es in Frankfurt immer - der Ehrgeiz zu entstehen, jetzt wieder etwas auf die Beine zu stellen. So wie vielleicht bei der Eröffnung der Europäischen Zentralbank. Oder man denke früher an die Putztruppe mit Joschka Fischer an der Spitze, die ja in den 70er Jahren Action gemacht hat.

Auf diese Stufe würden sie die angekündigte Demonstration am 1. Mai stellen?

Vom Ehrgeiz der Veranstalter her sicherlich. Ich wundere mich darüber, dass die Behörden solche Demonstrationen zulassen, wenn die Veranstalter Ausschreitungen ankündigen. Querdenker-Demonstrationen werden hingegen verboten. Da gelten einfach unterschiedliche Maßstäbe. Aber in Berlin wurde die Demonstration am 1. Mai schon gar nicht mehr angemeldet - und sogar dieser Umstand war von den Behörden toleriert worden.

Was wollen die Linksextremisten eigentlich?

Das sagen sie meist nicht genau. Die Masse der revolutionären Linken will das gesamte System umkrempeln, nicht einfach nur den Kapitalismus abschaffen. Sie sagen aber nicht, was sie stattdessen wollen. Die meisten, glaube ich, wollen einfach nur Randale. Es gibt sicher ein paar Theoretiker, die das unterfüttern und rechtfertigen. Das große Vorbild ist der Rotfrontkämpferbund der 1920er Jahre.

Warum wird das akzeptiert? Warum wird das nicht ebenso gegeißelt wie der Rechtsextremismus? Das Ziel ist ja nicht besser - wenn man an Stalin denkt, an Mao, an Pol Pot.

Der Linksextremismus wird akzeptiert, weil es einen eher linken Mainstream gibt, auch in den Medien. Teile der Grünen Jugend, der Jusos und der Linkspartei distanzieren sich nicht eindeutig. Die revolutionären Linken sind eine sehr kleine Gruppe. Sie schwimmen aber wie Fische im Wasser in der Mehrheit des Mainstreams, der die Gewalt toleriert, ohne selbst gewalttätig zu sein.

Es gibt also unterschiedliche Kriterien?

Ja klar. Es gibt ja sogar mehr Kritik an Querdenker-Demos als an den linken Krawallen in Berlin oder Leipzig. Das ist schon merkwürdig.

Was sollte die Polizei in Frankfurt tun?

In Berlin hat es sich bewährt, dass die Polizei den Demonstrationszug begleitet und sich zurückhält. Aber bei den ersten Anzeichen von Gewalt gehen sie hart vor und holen die Gewalttäter mit Sonderfestnahme-Trupps aus der Demonstration heraus.

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