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Symbolbild

Prozess

Richterin schickt Verkehrsrowdy in den Knast

Der Prozess gegen einen jungen Intensivraser findet mit einer harten Strafe ein außergewöhnliches Ende.

Am 28. Februar 2018 rast Jakob C. gegen 15 Uhr die Saalburg Richtung Wehrheim entlang. Er tut dies am Steuer eines goldlackierten BMW mit mehr als 800 PS, sein Bruder Moses sitzt auf dem Beifahrersitz. Bereits an der Peters-Pneu-Kreuzung rast Jakob C. auf der Gegenfahrbahn an den Idioten vorbei, die dort im Berufsverkehr brav vor der roten Ampel warten. Mit mindestens 120, vermutlich weit mehr Sachen geht es dann bergauf durch die Horex-Kurve, einige entgegenkommende Autos müssen in den Grünstreifen fahren, aber sonst passiert nichts. Und als die Polizei nach mehreren Anrufen entsetzter Zeugen den Raser kurz vor Usingen anhält, hat der eine prima Begründung parat: Er müsse schnell zum Usinger Bahnhof, weil der jüngster Bruder Salomon dort gerade jemanden mit einer Pistole bedrohe. Was dieser aber, wie sich dann herausstellt, ausnahmsweise mal nicht getan hat.

Jakob C. kann am Tag der Saalburgraserei bereits auf ein stattliches Vorstrafenregister verweisen

Bei der Frankfurter Justiz und Polizei kennt man die Familie C. nicht bloß als chronisch zu schnell fahrendes Volk, sondern als mannigköpfige Sippschaft, die sich an sämtlichen Paragraphen des Strafgesetzbuchs abarbeitet. Am Tag der Saalburgraserei ist Jakob C. gerade mal volljährig, kann aber bereits auf ein stattliches Vorstrafenregister verweisen. Er steht unter laufender Bewährung und ist erst vor einem Monat aus dem Schnupper-Jugendarrest entlassen worden, den er verbüßte, weil er als „Autoverkäufer“ in der familieneigenen „Autowerkstatt“ ein wenig an den Tachos gedreht hatte. Immerhin hat er vor kurzem seinen Führerschein gemacht, so dass er zumindest keinen vierten Eintrag wegen Fahrens ohne Führerschein fürchten muss.

Vor Gericht zeigt Jakob C. ein Verhalten, das selbst sein Verteidiger als „überheblich“, die Richterin als „selbstherrlich, menschenverachtend und dumm“ bezeichnet und alle anderen schlicht sprachlos macht. Niemand habe gesehen, dass er am Steuer gesessen habe, darum könne er auch nicht verurteilt werden, argumentiert C. und hängt sämtlichen Prozessbeteiligten im Laufe des Verfahrens ein freches Maul an. Das Auto, sagt er, habe er von seinem „Onkel Ali“ geliehen, der auch am Steuer gesessen habe, während der Fahrt zur Saalburg hoch aber unter mysteriösen Umständen aus dem Fahrzeug diffundiert sei. Den Zeugen K., einen Durchschnittsposer aus dem Hintertaunus, der mit seinem tiefergelegten Mercedes kurz und vergebens mitzuhalten versucht hatte, verspottet er: „Wie wollen Sie mit ihrem 400-PS-Mercedes einen 800-PS-Zweisitzer mit Rennausrüstung besiegen?“

Jakob C. rechnet mit dem gewohnte Freispruch – und wird überrascht

Jakob C. rechnet mit dem gewohnten Freispruch. Aber diesmal ist er bei der Amtsrichterin an die Falsche geraten. Sie attestiert dem jungen Hartz-IV-Empfänger, der bislang bis auf einen Schulabbruch und zweifache Kindeszeugung nichts vorzuweisen hat, „eine Arroganz, die ihresgleichen sucht“ und ohne Fundament sei. Er habe wohl bislang die Erfahrung gemacht, seine Mitmenschen, darunter auch seine Richter, als „leichtgläubig und blöd“ zu erachten und damit durchzukommen. Das Wunder geschieht: Obwohl die Jugendgerichtshilfe nach einem Telefonat mit Jakob C. diesem wie üblich eine prima Sozialprognose stellt und auf Jugendstrafrecht plädiert, wird er dennoch nach Erwachsenenstrafrecht wegen Straßenverkehrsgefährdung zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt – ohne Bewährung. Sein Führerschein bleibt für mindestens acht weitere Monate gesperrt. Er muss erstmals die Kosten eines Verfahrens tragen. Und seine Bewährung von damals ist auch flöten, was weitere zwölf Monate Haft bedeutet.

Seit jenem Tag haben die Gebrüder C. im Frankfurter Umland allerdings keine Straftat mehr begangen: Sie sind nach München gezogen, wo sie derzeit mit der Polizei kollidieren. Nur Jakob muss jetzt erst mal pausieren.

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