Beim Keltertag konnten kleine und große Riedberger erleben, wie aus den von Streuobstwiesen gesammelten Äpfeln frischer Saft gepresst wurde. Hier hilft Familienvater Enrico Bartsch an der kleine Presse einer Rasselbande mit etwas Muskelkraft aus. Foto: Mag
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Beim Keltertag konnten kleine und große Riedberger erleben, wie aus den von Streuobstwiesen gesammelten Äpfeln frischer Saft gepresst wurde. Hier hilft Familienvater Enrico Bartsch an der kleine Presse einer Rasselbande mit etwas Muskelkraft aus. Foto: Mag

Kelterfest

Riedberg: Wie Speierling in die Presse kommt

  • vonNiklas Mag
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Die Interessengemeinschaft feiert das Kelterfest mit vielen Familien.

Über den Riedberg zieht am Sonntagvormittag ein eisiger Herbstwind und mischt sich mit immer wieder aufkommendem Nieselregen. Doch das hält viele Familien aus der Umgebung nicht davon ab, den Keltertag der Interessengemeinschaft zur Förderung des Riedbergs (IG) zu besuchen. Die mobile Kelterei, die das Mainäppelhaus am Kautenhof aufgestellt hat, läuft auf Hochtouren und die kleine Handpresse der IG zieht das Interesse der vielen Kinder auf sich. Sie bestaunen die kleine und die große Anlage.

"Ich empfehle, die hier nicht zu probieren. Von diesen wollen wir nur den Saft", erklärt Markus Schaufler den Umstehenden und hält eine Speierling-Frucht in die Höhe. Diese seien keine Äpfel, auch die Blätter des Speierlingbaumes sehen völlig anders aus, sagt er. Die Kraft von drei Kinderhänden ist schließlich nötig, um die Handpresse in Bewegung zu setzen. Doch sie haben großen Spaß, vergessen durch die Bewegung den kalten Wind und haben obendrein noch etwas gelernt.

"Wir waren gestern beim Obsthof am Steinberg und haben uns Informationen zur richtigen Pflege von Apfelbäumen geholt und uns genauer informiert, welche Sorten es gibt", sagt Enrico Bartsch, der mit seiner Familie auf dem Riedberg lebt. Seine Kinder müssen derweil an der Apfelpresse aufgeben. Um noch mehr Saft aus den Früchten zu bekommen, braucht es nun doch die Kraft eines Erwachsenen, der die Handgriffe bereits geübt hat. "Wir sind eigentlich nur zufällig hier vorbei gekommen, das hat natürlich gut gepasst. Ich finde es schon wichtig, dass die Kinder die Mechaniken kennenlernen und wissen, wo der Saft herkommt", findet Bartsch.

Die IG Riedberg organisierte den Keltertag zum bereits fünften Mal. Vermutlich die einzige Veranstaltung, die die IG wegen Corona in diesem Jahr organisieren kann, denn die Mitglieder engagieren sich in "normalen" Jahren auch bei der Organisation des Weihnachtsmarktes und eines Sommerfests. "Aber wir kümmern uns eben auch sehr um die Pflege der Natur", so Markus Schaufler. Dazu gehören neben dem Kelterfest etwa Schnittkurse. "Wir versuchen auch, dieses Wissen dann auch unter die Leute zu bringen. Gestern beim Erntetag hat uns eine Gruppe der IGS Kalbach-Riedberg geholfen", sagt er.

Bereits am Samstag hatte die IG die Riedberger dazu eingeladen, beim Äpfelsammeln auf den Streuobstwiesen entlang der A5 zu helfen. Diese pflegt die IG das gesamte Jahr über. Beim Keltertag wird auch bereits gepresster Saft verkauft. "Das wird alles heute noch gepresst", so Schaufler. Einen Anhänger voller Äpfel und Quitten haben er und die Helfer am Samstag von den Streuobstwiesen holen können. "Das dürften etwa 750 Kilogramm sein", schätzt der Vorsitzende. Ein Rekord sei das nicht, doch habe er mit schlechterer Ernte gerechnet.

Die Kooperation mit dem Mainäppelhaus, das die mobile Kelteranlage betreibt, begann 2019. "Beim Keltertag ist unser Hauptgedanke, dass die Leute sehen können, wie Äpfel und Obst verarbeitet werden", so der Vorsitzende. Viele Riedberger zeigten sich verblüfft darüber, dass nicht das schönste Tafelobst für das Pressen benötigt wird. "Dafür kann eben auch das Fallobst genutzt werden, auch wenn dieses nicht mehr ganz so gut aussieht", informiert Schaufler. Und erklärt, dass beim Keltertag Streuobstwiesenbesitzer ihr eigenes Obst pressen lassen können - allerdings erst ab einer Menge von mindestens 75 Kilogramm. Der gekelterte Saft ist wegen Corona die einzige Einnahmequelle des Vereins.

Die IG freut sich über jede Unterstützung. Weitere Informationen gibt es online unter www.IG-Riedberg.de. Niklas Mag

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