Bis Ende 2029 soll der Riederwaldtunnel fertig sein. Dann soll es so aussehen in der Siedlung an der heute völlig überlasteten Straße Im Erlenbruch. Die geänderte Planung sieht jetzt noch einmal höhere Lärmschutzwände an den Tunnelmündungen vor - hier der westliche, links das Riederwaldstadion der Eintracht.

A66-Ausbau

Riederwaldtunnel: Das können die Anwohner erwarten

Verkehrsminister Tarek Al-Wazir hat den Bau des Riederwaldtunnels genehmigt. Die Planung ändert sich damit in wichtigen Details. 

  • Verkehrsminister Tarek Al-Wazir hat den Bau des Riederwaldtunnels genehmigt
  • Es soll mehr Lärmschutz für Anwohner geben als geplant 
  • Der Tunnel soll bis Ende 2029 fertiggestellt sein

Frankfurt – Die finale Genehmigung ist unterzeichnet: Jetzt kann der Riederwaldtunnel in Frankfurt gebaut werden. Läuft alles rund, können Ende 2029 täglich 110.000 Autos und Laster über den A66-Lückenschluss im Osten der Stadt rollen. Für die Anwohner dort wird der Verkehr dabei noch leiser als bisher schon geplant.

Damit es wirklich jeder sieht, greift Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Mittwochvormittag in Wiesbaden in einer Pressekonferenz zum Stift. Mit seiner Unterschrift genehmigt er den Bau des Riederwaldtunnels. Mit der Genehmigung ändert sich die Planung in einigen wichtigen Details:

Riederwaldtunnel: Was ist jetzt genehmigt?

Vom seit 1979 bestehenden Autobahnende in Bergen-Enkheim wird die A66 sechsspurig verlängert und schließt am neuen Dreieck Erlenbruch an die A661 an. Zur Hälfte verläuft die 2,2 Kilometer lange Strecke im Tunnel. Der Anschluss Bergen-Enkheim wird durch eine Anschlussstelle Borsigallee ersetzt.

Warum das zweite Okay?

Seit 2007 liegt Baurecht vor für den A66-Lückenschluss. Al-Wazir ließ von Oktober 2017 an die Planung aktualisieren, auch weil es viele Forderungen von Anwohnern nach besserem Lärmschutz gab und sich die Zahlen der Verkehrsprognosen über die lange Zeit erhöht haben.

Warum dieser Ausbau?

Die Situation im Erlenbruch sei vom Verkehr und der Luftqualität her "katastrophal" und für die Anwohner "sehr schlecht", sagt der Minister. Hier werden mit die höchsten Stickoxidwerte gemessen, von 2021 an droht ein Dieselfahrverbot. Durch die Engstelle zwischen Autobahn und Innenstadt quälen sich täglich 22 000 Fahrzeuge. Die Zahl sinkt auf 14 000, wenn die Lücke geschlossen ist. Autobahn und Tunnel würden "im Interesse der Anwohner" gebaut, unterstreicht Al-Wazir.

Riederwaldtunnel: Bis Ende 2029 soll er fertig sein 

Was ist geändert worden?

28 Ordner umfasst der "Planänderungsbeschluss". Die Detailgenauigkeit sei "auf einem Niveau, das wir noch nie hatten", erläutert der Leiter der Bauabteilung von "Hessen Mobil", Heiko Durth. Die wichtigste Änderung: In der Pestalozzischule muss bis Beginn der Bauarbeiten eine Lüftungsanlage eingebaut sein. Zu laut wäre es, wenn mit offenem Fenster gelüftet würde.

Stoßlüften in den Pausen, wie es der Bund als Bauherr vorgeschlagen hatte, lehnt nicht nur die Schule als unpraktikabel ab, sondern auch der Minister. Dieser verpflichtet den Bund zum Bau der Lüftungsanlage.

Welchen Lärmschutz gibt's?

"Deutlich verbessert" sei der Lärmschutz, sagt Al-Wazir. Mit den höheren Verkehrszahlen fallen die Schutzwände entlang der A66 vielerorts höher aus als bisher vorgesehen. Beispiele: an den Tunnelportalen sechs statt vier Meter, am Dreieck Erlenbruch vier statt 2,50 Meter.

Der Lärm sei für jede Wohnung individuell prognostiziert worden, erklärt Bauchef Durth. Und die Verkehrsuntersuchung sei "über die Region Frankfurt hinaus" gegangen.

Zusätzlich gibt es besseren Lärmschutz schon während der Bauphase - mit höheren Schutzwänden und lärmeingekapselten Baufahrzeugen. Laster rollen direkt von A661 und A66 ins Baufeld. Der Extra-Lärmschutz während der Bauphase kostet drei Millionen Euro.

Riederwaldtunnel: Planungen begannen bereits 1963 

Warum dauert das so lange?

1963 begannen die Planungen für den "Rhein-Main-Schnellweg" Wiesbaden-Fulda." Jahrzehntelang war die A66-Führung mit dem Alleentunnel mitten durch die Stadt umstritten. Gegen den Ausbau läuft das "Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn" mit Unterstützern vor allem aus Bornheim, dem Nordend und aus Umweltverbänden Sturm. 2015 hob Al-Wazir die Genehmigung für den Alleentunnel auf. "Es wird keine durchgehende A66 mehr geben", sagt er. Damit sei die Gefahr gebannt, unnötig Durchgangsverkehr in die Innenstadt zu ziehen.

Wann wird gebaut?

"Hessen Mobil" will laut seinem Präsidenten Gerd Riegelhuth im vierten Quartal 2020 das europaweite Vergabeverfahren starten. Ein Jahr später sollen die Bauarbeiten beginnen und acht Jahre dauern. Vorbereitende Arbeiten laufen schon, Kanäle und Leitungen werden verlegt.

Ist noch ein Stopp möglich?

Im Februar werden die Unterlagen öffentlich ausgelegt. Danach kann jeder Betroffene klagen. "Ich hoffe, dass wir das nicht erleben", sagt der Minister. Mit der Lösung jetzt "können alle leben". Eine Klage werde an der Planung nichts ändern, da diese schon so detailliert sei, den Bau "nur verzögern", betont Al-Wazir. "Das muss sich jeder gut überlegen, ob er das den Anwohnern antun will." Denn dann bleibe die Situation noch länger "so, wie sie ist mit Lärm und Luftschadstoffen".

Mit dem Umweltverband BUND hat sich der Bund schon geeinigt: Der Verband zieht seine Klage zurück und der Bund baut eine Grünbrücke über die A66, die Enkheimer und Fechenheimer Wald verbindet.

Was kostet das alles?

477 Millionen Euro, nach Stand von heute. Bei einer Verzögerung werde es aber teurer, weil die Baupreise jährlich um zwei bis drei Prozent anziehen, warnt Minister Al-Wazir. "Das ist das größte innerstädtische Verkehrsprojekt seit Jahrzehnten - und wird es vermutlich auch lange bleiben." 

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

Der jahrelange Rechtsstreit zwischen BUND und dem Land Hessen rund um den Riederwaldtunnel in Frankfurt ist beendet. Andere Klagen gegen das Projekt sind kein Problem – vorerst.

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