Wolfgang Lemke vom Kleintierzuchtverein Oberrad 1908 präsentiert stolz sein Prachtexemplar von „Osterhase“: Der „Deutsche Riese“ Möppelsche misst 72 Zentimeter und bringt gut acht Kilo auf die Waage.
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Wolfgang Lemke vom Kleintierzuchtverein Oberrad 1908 präsentiert stolz sein Prachtexemplar von „Osterhase“: Der „Deutsche Riese“ Möppelsche misst 72 Zentimeter und bringt gut acht Kilo auf die Waage.

Ostern

Riesen-Osterhase in Frankfurt: Warum Hasen wie Möppelsche in Gefahr sind

  • vonSabine Schramek
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Auf Frankfurter Feldern sieht man ihn kaum noch hoppeln. Der Feldhase alias Osterhase gilt laut der Roten Liste seit Jahren als gefährdete Art. Einer von ihnen ist Möppelsche.

Frankfurt - Osterhasen sind Einzelgänger. Im Gegensatz zu Wildkaninchen leben sie oberirdisch. Mit endlos langen Löffeln, die innen hellrosa sind, dichten schwarzen Wimpern und Hinterpfoten, die so groß sind wie eine Kinderhand, mümmelt Möppelsche aus Frankfurt am Main zufrieden. Seidenweich ist sein dichtes Fell, das braungrau gefärbt ist, wie das eines Wildhasen. Der Frankfurter Osterhase ist ein „Deutscher Riese“ und bringt bei 72 Zentimetern Länge mehr als acht Kilo auf die Waage. „Deutsche Riesen“ sehen aus wie überdimensionierte und dicke Feldhasen, gelten allerdings als die größte Kaninchenrasse der Welt, obwohl sie so große Ohren wie Hasen haben. Möppelsche lässt sich von seinem Züchter auch auf den Arm nehmen. „Ein Kuscheltier ist er dennoch nicht“, sagt Wolfgang Lemke (60) und verweist auf dicke Kratzer quer über seinem Bauch. „Wenn Möppelsche schlecht gelaunt ist, tritt und kratzt, tut’s ganz schön weh.“

Osterhase Möppelsche kriegt schlechte Laune, wenn keine Petersilie da ist

Schlechte Laune hat der Osterhase vor allem dann, wenn er Lust auf Petersilie hat und keine da ist. „Er liebt sie einfach und besteht drauf“, so Lemke lachend. Kein Wunder, denn Möppelsche ist genau zwischen dem Main und den Feldern der Grünen Soße zu Hause. Im Kleintierzuchtverein Oberrad 08 in Frankfurt am Main.  Schon Lemkes Vater hatte in der Eiffel Tiere. „Hasen, Vögel, Damwild und sogar Wildschweine“, erzählt er und krault Möppelschens Kopf. Der Frührentner, der selbständiger Garten- und Landschaftsbauer war, ist der Vorsitzende des Vereins und liebt seine Tiere.

Sein Osterhase ist nicht allein. Noch weitere neun Deutsche Riesen verlangen Karotten, Petersilie, Heu, Hafer, Gerste und Mais. „Jeder von ihnen frisst am Tag so viel wie ein Zwergkaninchen in einer ganzen Woche“, so Lemke. Die großen Tiere sind schwarzweiß, schokoladenbraun und wildfarben. Dazu kommen noch fünf Babys von Moppelline, die noch gesäugt werden. Lemke selbst feiert Ostern nicht, dabei hat er jede Menge kunterbunte Eier. „Um dem Osterhasen Arbeit abzunehmen, legen meine Hühner weiße, grüne, karamellfarbene und schokoladenfarbene Eier“, berichtet Lemke stolz und zeigt auf die frisch gelegten Eier, die tatsächlich in allen Farben außer Rot und Gelb in Kartons leuchten. Die Hühner gackern zustimmend, Möppelsche mümmelt und putzt sich entspannt sein Fell.

Ostereier an Ostern: Woher genau die Geschichte des Osterhasen stammt, weiß niemand so genau

Woher genau die Geschichte des Osterhasen stammt, weiß niemand so genau. Fest steht allerdings, dass der Frankfurter Arzt Johannes Richier im Jahr 1682 in seiner Dissertation bei dem Heidelberger Medizinprofessor Georg Franck von Franckenau über Osterhasen promoviert hat. In seiner Doktorarbeit wurde erstmals über die possierlichen Tierchen, die bunte Eier verstecken, geschrieben. In seiner Abhandlung „De ovis paschalibus – von Oster-Eyern“ schilderte er einen Brauch in Oberdeutschland, in der Pfalz, im Elsass und Westfalen den Brauch, in dem ein Osterhase Eier legt und sie in Gärten, im Gras und in Gebüsch versteckt, damit sie unter Gelächter und zum Vergnügen von Erwachsenen und Kindern eifrig gesucht werden. Richier bezeichnet den Glauben, dass der Osterhase Eier versteckt, als „Fabel, die man Einfältigen und Kindern aufbindet“.

Der kindliche Glaube an Osterhasen wird heutzutage von Psychologen für gut befunden, da Glauben an Fantasiegestalten gut für die kognitive Entwicklung sei, belegt sogar die Universität in Texas (USA).  „Das regt die Fantasie an und lässt Kinder Möglichkeiten erwägen, die in der realen Welt nicht existieren“, heißt es in einem Forschungsprojekt dort.

Osterhase: Möppelsche beeindruckt durch seine Größe - doch ihm sind Ostereier schnuppe

Möppelsche ist das schnuppe. Er ist viel zu schlau, um über Osterhasen und Ostereier zu fabulieren. Er weiß, dass er der Osterhase ist und er weiß, wo die bunten Eier versteckt sind. Dass im Mittelalter Hasen in Bildern besonders oft aufgetaucht sind, weiß er ebenfalls. Und dass das Ei durchaus eine Verbindung zur Fruchtbarkeit von Hasen und Frühling zeigt, ist ihm selbstverständlich. Für Lemke ist klar, dass es auch dieses Jahr viele bunte Eier gibt. „Die Kinder freuen sich und soweit ich das bei Möppelsche und den Hühnern überblicke, gibt es jede Menge Osterfreude. Wenn irgendwann der Feldhase nicht mehr gefährdet ist, können Kinder sie hoffentlich auch wieder dabei beobachten, wie sie mit bis zu 80 Stundenkilometer Geschwindigkeit Haken schlagen. Das sieht einfach toll aus.“ (Sabine Schramek) Ostern: Landfrauen zaubern ein Lächeln ins Gesicht

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