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Beim ?Azubi-Speed-Dating: Last Minute Börse für Ausbildungsplätze? in der PSD Bank Arena sprechen die Mitarbeiterinnen Lisa Stang und Viktoria Schmidt mit einem Interessenten.

Lehre

Riesige Lücke unbesetzter Azubi-Stellen klafft weiter

Speed heißt Geschwindigkeit: Auf Zack sein sollten junge Menschen schon, die zum Azubi-Speed-Dating der Industrie- und Handelskammer gehen. Und sie sollten wissen, was sie wollen.

Hammam hat in Syrien Tourismusmanagement studiert. Nun lebt er in Deutschland, besucht Sprachkurse, arbeitet als Barkeeper und hat einen hier anerkannten Realschulabschluss. Mit diesem Hintergrund ist der 25-Jährige am Montag beim Azubi-Speed-Dating in der PSD Bank Arena in Bornheim auf Ausbildungsplatzsuche gegangen.

Ihm gegenüber sitzt nun Gerd Dott, Ausbildungsleiter für Fachinformatik beim Reiseveranstalter Thomas Cook. Zwischen den beiden steht eine Sanduhr. Zehn Minuten sollte ihr Gespräch maximal dauern. Nicht viel Zeit, um jemanden von sich zu überzeugen. Hammam spricht sehr leise. Auf Dotts Fragen, was Thomas Cook eigentlich genau macht oder ob er sich mit der Programmiersprache Java auskennt, reagiert er unsicher. Nach dem Gespräch sieht Gerd Dott eher schlechte Chancen, dass Hammam nach der Online-Bewerbung einen Ausbildungsplatz erhält: „Er wirkte, als wüsste er noch gar nicht so recht, was er will. Um in der IT zu arbeiten, braucht man aber Begeisterung für knifflige Aufgaben.“

Mehr als 40 Ausbilder haben einen Bewerbungstisch zum dritten und letzten Azubi-Speed-Dating in diesem Jahr der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt aufgestellt. Es ist eine Last Minute-Börse für Ausbildungsplätze, denn für die meisten hat das Ausbildungsjahr bereits im August oder September begonnen. Viele Unternehmen sind aber inzwischen flexibler geworden und Realschüler oder Abiturienten können dank verkürzten Ausbildungszeiten oft auch später im Jahr anfangen.

„Noch immer gibt es diese riesige Lücke von unbesetzten Stellen“, sagt Florian Richterich, Referent der IHK. Allein im Bezirk Frankfurt gebe es noch rund 700 freie Stellen. „Wir könnten alle zukünftigen Auszubildenden versorgen. Und für das Speed-Dating erwarten wir immerhin 130 Bewerber.“

Zu den beliebtesten Branchen gehören der Informatik-Sektor, das Bankkaufmännische und das Büromanagement. „Büromanager klingt eben cooler als Bürokaufmann wie es früher hieß“, erklärt Richterich. Aber auch im Straßen- oder Tiefbau gibt es noch etliche Stellen zu besetzen. „Immerhin jeder dritte Abiturient macht noch eine Ausbildung.“

Allerdings zähle bei einer Bewerbung, egal welcher Schulabschluss, die Persönlichkeit mehr als Zeugnisnoten. Deshalb sei das Speed-Dating auch optimal für junge Flüchtlinge, die keinen anerkannten Abschluss vorweisen können. „Hier müssen der erste Eindruck und die Chemie stimmen. Wenn sie ihren Willen und Interesse an dem Unternehmen zeigen können, haben sie gute Chancen“, sagt Richterich.

Optimistisch ist auch Tatjana Samardzic. In ihrer Tasche hat sie einen ganzen Stapel blauer Bewerbungsmappen dabei. Elf Gesprächstermine hat sie sich vorher reserviert. „Bis jetzt waren die Rückmeldungen nur positiv. Einige Firmen wollen sich gleich in den nächsten Tagen bei mir rückmelden“, sagt Samardzic und strahlt. Die junge Frau in hochhackigen Stilettos möchte Versicherungskauffrau werden, „etwas Vernünftiges“, wie sie findet.

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