Belgische Polizisten bringen sich beim Spiel der Eintracht in Antwerpen in Stellung. Frankfurter Fans hatten in der Stadt randaliert, heimische Fans schossen Böller auf Eintracht-Spieler. FOTO: dpa
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Belgische Polizisten bringen sich beim Spiel der Eintracht in Antwerpen in Stellung. Frankfurter Fans hatten in der Stadt randaliert, heimische Fans schossen Böller auf Eintracht-Spieler.

Eintracht Frankfurt

Risiko-Fans suchen verstärkt Randale

  • VonSabine Schramek
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Eintracht spielt heute gegen Antwerpen - Stimmung wird immer aggressiver - Polizei ist gewappnet

Frankfurt -Wenn heute um 21 Uhr das Spiel zwischen der Frankfurter Eintracht und Royal Antwerpen angepfiffen wird, ist die Polizei wachsam. Beim Europa-League-Spiel am 30. September krachte in der 47. Spielminute in Antwerpen ein Böller vor die Beine von Keeper Kevin Trapp. Er ging zu Boden und musste behandelt werden. Die Eintracht fuhr mit einem 1:0 Sieg nach Hause. Wer den Böller geworfen hat, weiß man nicht.

Sicher ist, dass Eintracht-Fans in einer Bar vor dem Spiel randaliert und sich Auseinandersetzungen mit der dortigen Polizei geliefert haben. Und das die belgischen Fans im Stadion hoch aggressiv waren. Gut 100 Fans wurden bereits vor dem Spiel festgenommen.

Der Ton wird rauer

"Seit März ist die Fanszene wieder deutlich auf Auseinandersetzungen aus", sagt Thorsten Fleischer, Leiter der Polizeidirektion Süd, der bereits bei 103 Spielen im Einsatz war. Als Einsatzleiter, als Deeskalierer, Kommunikator und Konfliktlöser. "Bis dahin war es seit Corona ziemlich entspannt, auch die Ultras haben die Pandemie sehr ernst genommen. Dann wurde es anders."

In der Rückrunde fuhren wieder die ersten Fans nach Leverkusen, es gab Auseinandersetzungen vor dem Stadion, die durch Polizei und Reiterstaffel gestoppt wurden. An der Otto-Fleck-Schneise standen dann beim ersten Spiel 100 bis 150 Fans ohne Probleme. Ordner waren da und die Polizei hat den Verkehr geregelt. Beim zweiten Spiel kam bei den Fans vor Tor 7A Pyrotechnik dazu, Eintracht-Anhänger trommelten auf Autos, es hagelte Beschwerden. Beim dritten Spiel waren es dann 250 Fans ohne Mundschutz und Abstände. Pyrotechnik wurde ebenfalls abgefackelt. "Es wurden Ordnungswidrigkeitsverfahren nach der Corona-Schutzverordnung eingeleitet und Bußgelder in Höhe von 200 bis 250 Euro verhängt", so Fleischer.

Zu Auswärtsspielen sind laut Fleischer jedes Mal "80 bis 150 Risikofans gefahren". Dort gab es dann reichlich Platzverweise. Die Polizei hat insgesamt seit August "142 Gefährderschreiben und 21 Verfügungen rausgeschickt", so der Polizeibeamte.

Ultras bleiben dem Stadion fern

Seit Saisonbeginn im August sind die Ultras nicht ins Stadion zurückgekehrt. Am 6. Oktober haben sie sich auf ihrer Website erklärt. "Uns ist dabei wichtig, noch einmal zu betonen, dass das ganze kein ,Boykott' ist. Dabei sind wir durchaus bereit, auch die ein oder andere Kröte zu schlucken - aber eine Maskenpflicht auf den Stehplätzen ist inakzeptabel und illusorisch." Nur zehn Tage später, in der Nacht zum 16. Oktober, dem Datum, als das Spiel zwischen der Eintracht und Hertha BSC war und die Eintracht 1:2 verlor, tauchten rund um die Polizeidirektion Süd, auf der Schweizer Straße in Sachsenhausen und rund um den Deutsche Bank Park "etwa 140 falsche Fahndungsplakate auf". Im identischen Stil von offiziellen Fahndungsplakaten der hessischen Polizei und mit der Überschrift "Eintracht Frankfurt bittet um Mithilfe" zeigten sie das unverpixelte Konterfei einer szenekundigen Polizistin mit genauer Personenbeschreibung.

"Es war alles zugepflastert", berichtet Fleischer, dem der Humor vergangen ist. "Die Kollegin macht ihre Arbeit. Das geht eindeutig zu weit." Gezeichnet ist das Plakat mit "Fanszene Frankfurt" und dem Aufruf, Infos zum Aufenthaltsort "an die bekannten Strukturen" zu geben.

Rufmord an Polizistin

Polizeipräsident Gerhard Bereswill äußerte sich direkt nach Bekanntwerden der geschmacklosen Aktion und dem öffentlichen Rufmord an der Polizistin. "Eine entsprechende Strafanzeige wurde gefertigt, und ich werde für das Polizeipräsidium Frankfurt Strafantrag stellen. Verleumdungen von Polizeivollzugsbeamten in der Öffentlichkeit führen zu konsequenten Ermittlungen und keineswegs dazu, dass wir Abstand von präventiven oder repressiven Maßnahmen nehmen."

Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann unterstützt die Äußerung von Bereswill. "Diese Aktion ist völlig inakzeptabel, und wir haben vollstes Verständnis für die Position des Frankfurter Polizeipräsidenten. Sich für ein solches strafrechtlich relevantes Verhalten auch noch den Namen von Eintracht Frankfurt zu eigen zu machen und zu behaupten, im Namen der Fanszene zu sprechen, ist anmaßend und nicht hinnehmbar", kommentierte er. Für das Spiel heute gegen Antwerpen rechnet die Polizei mit weiteren Aktionen durch Risiko-Fans.

Sabine Schramek

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