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RMV bessert Schnellbus aus östlichem Umland nach

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Der X95 fährt in Enkheim ein. 20 Minuten braucht er von Bruchköbel hierher, soll so den fehlenden Schienenverkehr in einigen Teilen des östlichen Umlands ersetzen und Autopendler anlocken. Kritiker sagen, dafür sei die Linie viel zu mager.
Der X95 fährt in Enkheim ein. 20 Minuten braucht er von Bruchköbel hierher, soll so den fehlenden Schienenverkehr in einigen Teilen des östlichen Umlands ersetzen und Autopendler anlocken. Kritiker sagen, dafür sei die Linie viel zu mager. © Hamerski

Neues Angebot erntet heftige Kritik, nun reagiert der Verkehrsverbund. Erweitertes Angebot kommt erst im Dezember.

Frankfurt -Das Angebot des neuen Schnellbusses aus dem nordöstlichen Frankfurter Umland in die Metropole soll ausgeweitet werden. Das kündigt der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) an. Zuvor hatte es massive Kritik gegeben, weil die Busse auf der Linie von Büdingen zur U-Bahn-Station Enkheim nur selten fahren.

So sind die Schnellbusse zwar auf einer direkten Route via Ronneburg, Erlensee und Bruchköbel unterwegs, nutzen die A66 nach Bergen-Enkheim. Doch wird auf der seit 12. Dezember bedienten Linie X95 nur ein Stundentakt an Wochentagen angeboten, Samstag nur ein 2-Stunden-Takt. Vom späten Vormittag bis zum Mittag gibt es gar keine Fahrten, abends fährt der letzte Bus schon um 19.09 Uhr von Frankfurt aus ab.

"Das lockt niemanden hinterm Ofen hervor"

Zum nächsten Fahrplanwechsel am 11. Dezember soll sich das ändern: Von 6 bis 22 Uhr werde die Linie ab dann verkehren, kündigt RMV-Chefplaner Thomas Busch an. Es werde auch keine mittägliche Pause mehr geben: "Die Linie verkehrt dann durchgehend im Stundentakt mit einer Verstärkung auf halbstündlich in der Hauptverkehrszeit."

Der RMV hatte das neue Angebot unter anderem damit beworben, dass es besonders schnell sei und - inklusive Umstieg in U4 und U7 - konkurrenzlose kurze Fahrzeiten biete, nur 39 Minuten von Bruchköbel bis zur Hauptwache. Die nur seltenen Fahrten, die Fahrplanpause und der frühe Betriebsschluss rufen jedoch scharfe Kritik hervor. "Damit kann man niemanden hinter dem Ofen hervorlocken", hatte Kristine Schaal in dieser Zeitung darauf reagiert, die Vorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn in Frankfurt.

"Das ist berechtigte Kritik", gesteht RMV-Geschäftsführer Knut Ringat ein. Das Angebot "entspricht nicht den Grundkriterien einer X-Bus-Linie". Die hat der RMV selbst aufgestellt, es gehört zum Beispiel der Bedienzeitraum von 6 bis 22 Uhr dazu. Schon in einer ersten Stellungnahme hatte der Verbund darauf verwiesen, dass er ein besseres Angebot nicht habe umsetzen können.

RMV: "Das Geld hat nicht gereicht"

"Das Geld hat nicht gereicht", unterstreicht Ringat jetzt. "Wir waren von der Politik aufgefordert zu sparen." Deshalb habe der X95 zunächst mit einem ausgedünnten Fahrplan an den Start gehen müssen. Damit habe der RMV verhindern wollen, den Start der neuen Linie zu verschieben, so der RMV-Chef: "Wir wollten das Angebot jetzt starten."

Die Politik spricht beim RMV direkt mit: Der Verbund ist ein Zusammenschluss der 15 Landkreise, elf großen Städte in Süd- und Mittelhessen und des Landes. Den Aufsichtsrat führt Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Knapp zur Hälfte wird RMV von Bund, Kommunen und dem Land finanziert.

Auf Unverständnis stößt das bisher schlechte Angebot, weil Frankfurt seit langem um Unterstützung angesichts der starken Pendlerströme bittet. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens will die Frankfurter Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt den Mainkai, eine von Pendlern stark genutzte Ost-West-Achse, baldmöglichst für Autos sperren. Spürbare Entlastung für Pendler aus dem östlichen Umland wird jedoch erst zum Ende des Jahrzehnts erwartet. Bis dahin sollen die nordmainische S-Bahn von Hanau und Maintal nach Frankfurt fertig werden sowie die A66-Lücke mit dem Riederwaldtunnel geschlossen sein. Genau auf einen Teil der Pendler, die hier unterwegs sind, zielt der X95: Er verbindet die Region im Main-Kinzig- und Wetteraukreis direkt mit Frankfurt, aus der heraus es bisher keine direkten Bahn- oder Busverbindungen in die Metropole gibt.

Als echte Alternative aber sei der Schnellbus bisher viel zu schlecht, kritisiert Pro-Bahn-Vorsitzende Schaal: "Wer einen Stundentakt am Frankfurter Stadtrand anbietet, der will nur eine Alibi-Lösung." Dafür bekommt sie von oberster Stelle beim RMV prinzipielle Zustimmung: "Ein Stundentakt ist nicht attraktiv für jemanden, der sein Auto stehen lassen soll", sagt Geschäftsführer Ringat.

Eine weitere Verbesserung des Angebots ist bisher jedoch nicht vorgesehen. So wird auch weiterhin sonntags kein Schnellbus rollen - der aber in der Gegenrichtung, für Frankfurter, überaus attraktiv sein könnte. Fährt der X95 von der Endhaltestelle der U-Bahn aus doch direkt zu gleich drei beliebten Naherholungszielen: zur Ronneburg, zur Barocksiedlung Herrnhaag und eben ins pittoreske Fachwerkstädtchen Büdingen. Dennis pfeiffer-Goldmann

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