Gehen Sie zu Fuß und fahren Sie nicht mit der Straßenbahn direkt vor ihrer Nase, rät jetzt die RMV-App.
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Gehen Sie zu Fuß und fahren Sie nicht mit der Straßenbahn direkt vor ihrer Nase, rät jetzt die RMV-App.

„Absolute Zumutung“

Nach Update: RMV-App mit kuriosen Empfehlungen für Nutzer – Fußwege statt Bahnfahrten

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Die Fahrplanauskunft für Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet in der Handy-App des Rhein-Main-Verkehrverbundes (RMV) ist seit einem Update gestört.

  • Die Handy-App des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) weist erhebliche Mängel auf.
  • Teilweise wird Nutzern ein sportlicher Fußweg statt einer bequemen und schnelleren Bahnfahrt empfohlen.
  • Der Fahrgastverband RMV gelobt baldige Besserung.

Frankfurt - Seit einem Update funktioniert die Fahrplanauskunft der Handy-App des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) nicht mehr richtig. Fahrgäste bekommen teils lange Fußwege empfohlen statt bestehender Verbindungen mit Bahnen und Bussen.

Suchen nach Verbindungen mit Umsteigestation sind ebenso gestört. Auch lassen sich einige Haltestellen nicht mehr als Start- oder Ziel auswählen, beispielsweise ist der Bahnhof Frankfurt-Höchst gar nicht auffindbar - einer der größeren Knotenpunkte der Stadt. Die App hat laut RMV zwei Millionen Nutzer.

Nutzerkommentar über RMV-App: "Total praxisferne Verbindungen"

Seit dem Update vor vier Wochen häufen sich negative Nutzerkritiken in den App-Stores von Apple und Samsung. Rund 100 positive und negative Rückmeldungen von Kunden lägen vor, erklärt RMV-Sprecher Maximilian Meyer. In den App-Stores kritisieren Nutzer die "absolute Zumutung" und Bevormundung.

Anschlüsse würden nicht mehr anzeigt, stattdessen "zum Teil total praxisferne Verbindungen". "Ich soll ab Frankfurt Hauptbahnhof in die Stadt noch zwei Kilometer zu Fuß laufen, obwohl eigentlich Busse fahren", erklärt eine Nutzerin.

RMV-App nach Update gestört: Unternehmen kündigt Behebung an

In einigen Tagen solle die Störung der Suche nach „Über“-Verbindungen behoben werden, kündigt Meyer. Dass sich Haltestellen nicht finden ließen, sei kein Fehler. Die App unterstützte nun bevorzugt die Suche nach Straßenadressen. Sucht ein Nutzer jedoch beispielsweise nach „Höchst“, findet er diverse Straßenadressen ohne Bezug zu Höchst, jedoch keine in Frankfurt-Höchst, Altenstadt-Höchst, Gelnhausen-Höchst oder Höchst im Odenwald.

Lange Fußwege statt kurzer Bahnfahrt: RMV-App irritiert Nutzer - Das ist so gewollt

Auch die Angabe von Fußwegen sei kein Fehler, sondern gewollt, weil die App neben Bahn- und Busverbindungen nun alle öffentlichen Mobilitätsangebote wie Leihfahrräder, Car-Sharing und Taxis beinhalte, erklärt Maximilian Meyer. Seien Fußwege schneller, würden sie jetzt in der Auskunft angegeben.

Allerdings sieht auch das in der Praxis anders aus: Die App empfiehlt auch dort langsamere Fußwege, wo schnellerer Verbindungen per Bahn und Bus existieren. So wird zum Beispiel Fahrgästen in Frankfurts Innenstadt geraten, 650 Meter weit in recht sportlichen sechs Minuten von der Haupt- zur Konstablerwache zu laufen. Hier fahren sieben S- und zwei U-Bahnlinien in engstem Takt bei einer Minute Fahrzeit. Diese Bahnen aber verschweigt die App zumindest bei einigen Anfragen.

RMV-App: Fußwege-Option zu stark priorisiert - Homepage nicht von Störung betroffen

Von der Störung ist die Fahrplanauskunft auf der Internetseite rmv.de nicht betroffen. Unter der Hand ist beim RMV zu hören, dass man die Fußwege-Option beim Update wohl zu stark priorisiert habe. Einen Kommentar dazu lehnt der Sprecher des Verbunds ab.

Behoben wird die Störung wohl erst einmal nicht: Der RMV plant laut Meyer, dass Nutzer die Fußweg-Option erst „zukünftig“ individuell anpassen können. Für den Sommer hat der Verbund das Einführen einer neu gestalteten App angekündigt. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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