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Um durchschnittlich 1,9 Prozent hebt der RMV zum Jahreswechsel die Preise an. Der Preis für Einzelfahrscheine in Frankfurt steigt aber deutlich stärker, nämlich um 3,6 Prozent.

Kämmerer will Frankfurt entlasten

RMV-Tarif: Region soll zahlen

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Günstigere Fahrpreise in Frankfurt müssen nach Ansicht des CDU-Kreisvorsitzenden und Stadtkämmerers Uwe Becker nicht unbedingt das Defizit des RMV erhöhen. Seiner Ansicht nach könnten Tickets in der Region teurer werden.

Kurz vor Silvester hatte der Frankfurter CDU-Kreisvorsitzende Uwe Becker für Verwunderung gesorgt: In deutlichen Worten hatte er die Erhöhung der RMV-Fahrpreise zum 1. Januar kritisiert. Wie berichtet, kostet der Einzelfahrschein seit dem vergangenen Sonntag 2,90 Euro statt bisher 2,80 Euro – eine Steigerung um 3,6 Prozent. Becker bezeichnete das unsozial und verwies auf einen Stadtverordnetenbeschluss von 2010, wonach die Preise maximal in Höhe der Inflationsrate angehoben werden dürften. Einzelfahrscheine sollten gar nicht mehr teurer werden. Auch verkehrspolitisch seien die Preissteigerungen falsch. „Die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs hängt auch am Preis.“

Wie eine Senkung gelingen könnte, erklärte Becker in seiner Pressemitteilung nicht. Im Gespräch mit der FNP machte er aber deutlich, dass er nicht an eine zusätzliche Subventionierung der Fahrpreise durch städtisches Steuergeld denkt. Vielmehr gehe es um eine Umverteilung innerhalb des Rhein-Main-Verkehrsverbundes. Frankfurt dürfe bei den Fahrpreisen nicht länger benachteiligt werden. Das bedeutet, dass die Preise für Fahrscheine im Regionalverkehr überdurchschnittlich steigen müssten, wenn der Kostendeckungsgrad des RMV nicht sinken soll. Dieser liegt seit Jahren konstant bei 56 Prozent. 44 Prozent der Kosten werden aus öffentlichen Mitteln getragen.

Darüber hinaus stellt Becker auch wenig frequentierte Verbindungen in ländlichen Gebieten infrage. Nach dem Finanzierungssystem des RMV werden diese indirekt auch von den Fahrgästen im Ballungsraum mitbezahlt. „Es ist nicht sinnvoll, heiße Luft durch die Gegend zu fahren“, meint Becker. Es gebe einige Einsparpotenziale.

Becker ist sich bewusst, dass Frankfurt nur eine Stimme im 27-köpfigen RMV-Aufsichtsrat hat. „Aber natürlich haben wir einiges an Gewicht, das wir einbringen können“, ist er überzeugt. Es handle sich um einen „Auftrag an die Spitze des Aufsichtsrats“. Damit zielt Becker auf den Aufsichtsratsvorsitzenden, Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).

Anders als Becker hält der Verkehrsclub Deutschland (VCD) eine Senkung der Fahrpreise nur für möglich, wenn sich die Kommunen finanziell stärker engagieren. Der Landesvorsitzende Mathias Biemann brachte vor wenigen Tagen aber auch eine andere Möglichkeit ins Gespräch: Er verwies auf den schwarz-grünen Koalitionsvertrag auf Landesebene. Demnach soll geprüft werden, ob Bauherren an der Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs beteiligt werden können.

Wenn man die gesamte Region und alle Tickets betrachtet, sind die RMV-Fahrpreise zum Jahreswechsel im Schnitt um 1,9 Prozent gestiegen. Dieser Wert liege bundesweit im Mittelfeld, argumentiert der Verkehrsverbund. Er begründet die Anhebung mit den gestiegenen Kosten für Personal und die erhöhten Gebühren, die an die Deutsche Bahn AG für die Nutzung von Gleisen und Stationen gezahlt werden müssen. Kinderfahrkarten, betont der RMV, seien von der Erhöhung ausgenommen.

(mu)

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