Abzugeben: Pfarrer Till Schümmer sucht für das gut 100 Jahre alte Klavier einen Liebhaber.
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Abzugeben: Pfarrer Till Schümmer sucht für das gut 100 Jahre alte Klavier einen Liebhaber.

Sanierung

Rödelheim: Asbest im Hause des Herrn

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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Umbau der Cyriakuskirche verzögert sich. Die Einweihung wohl erst im Frühjahr 2022 möglich

Seit fast einem Jahr nun schon wird in der Cyriakuskirche auf der Insel gebohrt, gehämmert, geschraubt, abgebaut und umgeräumt. Das Kirchenschiff ist mittlerweile fast leer. Lediglich das über 100 Jahre alte, einst in Frankfurt erbaute Klavier steht noch dort. "Das möchten wir gerne in gute Hände abgeben", sagt Pfarrer Till Schümmer, dessen Stimme in der leeren Kirche noch lauter hallt als sonst. Über den Gemeindebrief habe man bereits versucht, Interessenten zu finden, bislang aber leider ohne Erfolg. "Wir bleiben aber dran, schließlich handelt es sich um ein Klavier mit Frankfurter Wurzeln. Es zu entsorgen ist deswegen keine Option", sagt Schümmer. Interessenten könnten sich gerne bei ihm melden.

Nur noch 3000 Mitglieder

Es sind die in den vergangenen Jahren zurückgehenden Mitgliederzahlen, die zu dem 2,6 Millionen Euro teuren Umbau der Kirche, die künftig sowohl als Gotteshaus wie auch als Gemeindesaal genutzt werden soll, führten. Knapp 3000 sind es aktuell, nur noch halb so viele wie noch vor 45 Jahren. Was jedoch geblieben ist, sind die Kosten, sagt Schümmer. Und: Der evangelische Regionalverband finanziere eben nur eine Versammlungsfläche entsprechend der Mitgliederzahl. Deswegen werde mit dem Umbau auch das Gemeindezentrum in der Alexanderstraße aufgegeben. Für viele Gemeindemitglieder ein schmerzlicher Verlust, das weiß auch der Pfarrer. Aber eben auch ein unumgänglicher.

Um die Menschen, auch während der Corona-Krise, auf diese spannende und ungewöhnliche Reise mitzunehmen, berichtet Till Schümmer regelmäßig auf der Internetseite der Gemeinde über die Fortschritte. Aber auch Rückschritte. Denn aktuell, so der Pfarrer, seien die Arbeiten etwas ins Stocken geraten. Denn der erste Projektschritt, der Abriss des Anbaus und die Öffnung des Daches, sei komplizierter als ursprünglich angenommen. Sowohl unter den Bodenfliesen wie auch in den Decken des Anbaus seien gesundheitsgefährdende Stoffe gefunden worden.

"Im Anbau aus den 1970er Jahren wurden Baustoffe mit Asbest identifiziert, beim Abbruch ist deswegen besondere Aufmerksamkeit geboten. Im Gebäude wurde zur Dämmung teilweise sogenannte alte Mineralwolle verwendet. Auch hier besteht Handlungsbedarf", erklärt Schümmer. Und in den Bodenfliesen von 1950 sei teilweise ein erhöhter Kohlenwasserstoffwert festgestellt worden. Zudem sei es während der Corona-Krise sehr schwierig gewesen, zeitnah eine Firma zu finden, die die Arbeiten ausführt. Aktuell würden Angebote geprüft, Ende August soll eine Entscheidung getroffen werden. "Wir hoffen, dass man noch vor den Herbstferien auch endlich von außen etwas sieht", sagt Schümmer.

Auch die Orgel musste weichen

Denn in den vergangenen Monaten sei ausschließlich im Inneren gearbeitet worden. Strom und Lampen wurden demontiert, das Gas abgetrennt, Boden- und Mauerproben entnommen. Zudem musste die Orgel in ihre Einzelteile zerlegt werden. Gelagert wird sie derweil im Pfarrhaus, wo das Instrument überholt und behutsam an den veränderten Kirchraum angepasst werden soll. Wahrscheinlich erst im Frühjahr 2022 und nicht wie erhofft zu Weihnachten 2021 wird die neue Kirche genutzt werden können, sagt Pfarrer Schümmer. Unsicherheit läge derzeit noch in den Unbekannten bezüglich der Bodenfunde durch den Denkmalschutz. "Es ist gut, dass hier Untersuchungen stattfinden werden, denn die Öffnung des Bodens ist eine Chance, die Geschichte des Ortes besser zu verstehen", so Schümmer. Dennoch könne ein historischer Fund, so schön er aus Sicht der Historiker auch sei, den Zeitplan noch einmal nach hinten verschieben.

Mit dem Umbau der Kirche wird die mittelalterliche Kapelle um 90 Grad gedreht und mehr in den Mittelpunkt rücken. Flexible Trennwände machen den Innenraum teilbar, zudem wird die Kirche zweistöckig. Zwei Räume werden im Obergeschoss geschaffen. Und auch im angrenzenden Pfarrhaus wird es Veränderungen geben. Im Erdgeschoss kommen Verwaltung, das Büro der Gemeindepädagogin sowie eine Pfarrwohnung unter.

judith dietermann

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