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Rödelheim: Bagger reißt Armee-Bauten ab

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Von: Judith Dietermann

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Nur noch wenig erinnert an die US-Amerikaner, wie der Haupteingang.
Nur noch wenig erinnert an die US-Amerikaner, wie der Haupteingang. © Holger Menzel

Lange wurde nach einem Käufer für das seit zehn Jahren brachliegende Areal an der Gaugrafenstraße gesucht. Jetzt soll dort ein Logistik-Park entstehen. Die alten Gebäude der US-Amerikaner werden abgerissen.

Auf dem 14,5 Hektar großen Gelände an der Gaugrafenstraße herrscht Bewegung – zahlreiche Bagger rollen auf und ab, beißen sich durch Stahl und Beton. Kipplaster transportieren den angehäuften Schutt vom Gelände – immer und immer wieder.

Aufmerksam beobachten Brigitte und Peter Neunert das Geschehen von ihrem Balkon im fünften Stock. Die Rentner wohnen seit 38 Jahren im Schultheisenweg – mit bestem Blick auf das Areal, das bis vor fast neun Jahren noch von den US-Amerikanern genutzt wurde. „Wir haben schon viel gesehen. Wenn die Amis ihre Reifen verbrannt haben, stieg schwarzer Rauch aus den Schornsteinen“, erzählt Peter Neunert. Je nach Windrichtung, sagt der 73-Jährige, sei der Rauch auch an ihrem Balkon vorbeigezogen.

Angst vor mehr Verkehr

Seit Anfang März ist die Firma Hagedorn auf dem Gelände aktiv, ein Jahr lang wird es dauern, bis alle Gebäude abgerissen sind und mit der Bebauung begonnen werden kann. Entstehen soll dort ein Logistikzentrum – ein sogenannter „Segro City Park“. Dazu kommt das neue Busdepot samt Werkstatt der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). Für die Neunerts ist diese Nachricht „eine Katastrophe“, denn das Ehepaar befürchtet deutlich mehr Verkehr.

Schließlich waren sie froh, als vor mehr als zehn Jahren das Frischzentrum doch nicht in Rödelheim, sondern im Gewerbegebiet in Kalbach angesiedelt wurde. „Bevor hier rund um die Uhr Verkehr herrscht, soll lieber alles so bleiben, wie es ist“, sind sich die Eheleute einig.

Ohnehin trauern sie den alten Zeiten etwas hinterher. Ganz früher, erzählt Brigitte Neunert, habe es nur Wiesen und Felder sowie einige Kleingärten direkt am Westerbach gegeben. Auch ihre Eltern besaßen ein Gärtchen, viel Zeit verbrachte sie dort in der Natur. Die Autobahn A 5 habe es zwar schon damals gegeben, es waren jedoch deutlich weniger Fahrzeuge unterwegs. „Es ist viel lauter geworden. Entspannung auf dem Balkon ist manchmal nicht möglich“, sagt Peter Neunert und zeigt auf das Gelände, wie es heute aussieht.

Schwieriger Verkauf

Seit November 2008 stehen die Gebäude dort vollständig leer, als letzte Einrichtung schloss das US-Militär seine Druckerei. Neben ihr waren Lackiererei, Kantine, Heizkraftwerk, Schreinerei sowie eine große Halle für die Reparatur von schweren Armee-Fahrzeugen auf dem Gelände untergebracht. Lange hat die Bundesanstalt für Immobilien (Bima), seit Anfang 1990 Eigentümer, versucht, das Areal zu verkaufen. Erst vor einem halben Jahr fiel die Entscheidung auf den britischen Investment- und Immobilienkonzern Segro

„Wir fanden es toll, als die Amerikaner hier waren“, berichtet Brigitte Neunert. Jung seien sie damals gewesen, viele Freundschaften hätten sich entwickelt. Die Amerikaner lernten Deutsch, sie verbesserten ihr Englisch. Befreundet waren die Neunerts vor allem mit anderen Ehepaaren, die auch Kinder hatten.

„Viel haben wir gemeinsam unternommen, einiges an unserer Freizeit mit ihnen verbracht. Ja, es war eine schöne Zeit damals“, sagt Peter Neunert während im Hintergrund die Autobahn rauscht. Plötzlich wird es laut, sehr laut. „Wenn der Spitzmeißel in den Beton donnert, dann ist es nicht zu ertragen“, hoffen die Neunerts, dass die Arbeiten ein schnelles Ende finden werden.

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