Hat in Rödelheim eine Menge bewegt: Quartiersmanagerin Heike Hecker. Viele ihrer Ideen entstanden auf der kleinen Bank direkt am Blauen Steg.
+
Hat in Rödelheim eine Menge bewegt: Quartiersmanagerin Heike Hecker. Viele ihrer Ideen entstanden auf der kleinen Bank direkt am Blauen Steg.

Lieblingsort

Rödelheim: Stets führt ihr Weg zum Blauen Steg

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
    schließen

Sechs Wochen Sommerferien, die man in der Stadt verbringt, können ganz schön lang werden. Deshalb stellen wir täglich einen Lieblingsort vor. Heute nimmt uns Quartiersmanagerin Heike Hecker mit zum Blauen Steg.

Rödelheim -Es dieser Zauber im spätsommerlichen Morgengrauen am Blauen Steg, der Heike Hecker in seinen Bann gezogen hat. Wenn nach den kühlen Nächten die Wiesen noch etwas feucht sind und die Luft noch klar und frisch ist. Jedes Jahr im September erlebt die Quartiersmanagerin des Diakonischen Werks für Frankfurt und Offenbach diesen Zauber. Immer dann, wenn sie und ihre Helfer alles für das Brückenfest am Blauen Steg, der seit 2009 am Ende der Marquardstraße über die Nidda führt, aufbauen. "Das hat etwas ganz besonderes. Jedes Jahr aufs Neue", sagt die 62-Jährige. Darauf wird sie in diesem Jahr verzichten müssen, zumindest ein wenig. Denn das Fest, geplant ist es am Sonntag, 6. September, wird wegen der Corona-Pandemie kleiner und anders ausfallen.

Seit zwölf Jahren im Stadtteil aktiv

An diesem Vormittag im späten Juli kann man diesen Zauber nur erahnen. Die Wiesen sind mehr gelb als grün, die Luft ist trocken, der Himmel blau, die Sonne brennt. Auf einer Bank direkt neben der Brücke nimmt Heike Hecker Platz. Im Schatten. Mit bestem Blick auf die Nidda. "Das ist meine Lieblingsecke. Egal von welcher Seite ich blicke, es ist immer schön", sagt Hecker, die seit 2008 Quartiersmanagerin in Rödelheim-West ist und (fast) jede Ecke im Stadtteil kennt. Im Hintergrund plätschert der Mühlbach, der nach 600 Metern kurz vor dem Blauen Steg und am Ende des Solmsparks wieder in die Nidda mündet. Für die Fische wurde er umgebaut, damit sie dort wandern können. Eine Lockströmung zeigt ihnen den richtigen Weg.

Bad im Fluss hat Tradition

Ein Mann setzt sich auf einen der Steine an der Mündung, er trägt einen hellbraunen Hut und ein gleichfarbiges Hemd. Plötzlich zieht er seine Schuhe aus und steckt die Füße ins kalte Wasser. "Das sieht man immer wieder", sagt Hecker. Zumal das Erfrischen an diesem Ort fast schon Tradition habe. Schließlich war dort einst ein Licht- und Luftbad samt Bademöglichkeit für die Rödelheimer angelegt worden. "Wer kein Geld hatte ging hier in die Nidda, wer zahlen konnte, nutzte das Brentanobad", sagt Hecker.

Bis heute erinnern die Stufen am gegenüberliegenden Ufer noch daran. Die sind mittlerweile gut sichtbar, dazu haben vor allem die heißen Sommer der vergangenen Jahre beigetragen. Seitdem würden die Stufen auch wieder häufiger genutzt, sagt Heike Hecker. Öfters säßen dort Menschen. Ohnehin sei es im Sommer oft "richtig voll" rund um den blauen Steg. Manchmal schon ein wenig zu voll. Kein Vergleich eben, zu den schönen Morgenstunden im September.

Das zeige jedoch auch, dass die Rödelheimer diesen Platz annehmen. Vor einigen Jahren sei das noch nicht so gewesen, auch der Spielplatz sei wenig bekannt gewesen. Das ist mittlerweile anders, immer mehr Eltern kommen mit ihren Kindern ans Niddaufer. Nicht nur, dass der Spielplatz vor einigen Jahren aufgehübscht wurde. Er hat auch einen entscheidenden Vorteil: die großen Bäume werfen viel Schatten. An heißen Sommertagen ein echter Segen, vor allem für kleine Kinder. "Ich spreche hier immer von einem demokratischen Park. Wir haben den Solms- und den Brentanopark, aber dieses Eckchen gehört niemanden, sondern allen", sagt Hecker.

Dann geht die Quartiersmanagerin über den Blauen Steg und blickt auf die Nidda. Zwischen Pflanzen und Algen schwimmt auch Müll. Darüber kann Heike Hecker nur den Kopf schütteln. Am anderen Ufer tummeln sich derweil Nilgänse, 10 vielleicht sogar 15. Einige lassen sich ins Wasser gleiten, andere bleiben lieber im Trocknen. Ein Nilgansweibchen ist mit ihrem Nachwuchs unterwegs, zehn Küken watscheln hinter ihrer Mutter her. "Das werden auch immer mehr", sagt Hecker. Wirklich gestört fühlt sie sich durch die Vögel, die vielerorts in Frankfurt unterwegs sind, aber nicht. Zumindest nicht, so lange sie sie in Ruhe lassen. Und auch wenn - die Schönheit ihres Lieblingsortes würde selbst das Federvieh nicht zerstören können. "Hier ist es einfach immer schön", sagt Heike Hecker. Judith Dietermann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare