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Pächterin Elif Kalkan fürchtet die Erhöhung des Mietpreises für ihr Wasser-häuschen.

Mieterhöhung

Römer-Fraktionen wollen mit der Stadt reden: Rettung für die Büdchen?

Die existenzbedrohende Pachterhöhung für einige der 300 Wasserhäuschen ruft die Politik auf den Plan. Schließlich gelte es, die Büdchen zu erhalten.

Die Fraktionen der Römer-Koalition plädieren dafür, die Pachterhöhungen zu bremsen. Wie berichtet, droht elf Pächtern von Wasserhäuschen eine Erhöhung um bis zu 70 Prozent. Grund: Das Amt für Bau und Immobilien hat den Bestand auf alte Pachtverträge durchforstet und diese jetzt angepasst. Darunter ein Sammelvertrag mit der Brauerei-Gruppe Radeberger. Elf Grundstücke, auf denen Radeberger-Wasserhäuschen stehen, werden teurer, und die Brauerei gibt diese Kosten weiter.

„Wasserhäuschen haben in vielen Stadtteilen eine wichtige soziale Funktion“, sagte Ursula Busch, die Vorsitzende der SPD-Fraktion im Römer. „Sie sind für die Nahversorgung da, dort kann man ein Eis essen, reden. Gerade für alte Leute, die nicht mehr weit laufen können, sind sie wichtig.“ Aus dieser Funktion heraus sind die Kioske mehr als irgendeine Bude am Bahnhof. „Wir sollten sie erhalten“, fordert Busch.

Andererseits gebe es die Pflicht der Stadt, solide zu wirtschaften und auch auf der Einnahmeseite niemanden zu bevorteilen – was offenkundig der Fall sei, wenn mit uralten Pachtverträgen nur ein Bruchteil der Miete fällig sei, die andere zahlen müssten. Ursula Busch fordert deshalb, dass sich alle Beteiligten noch einmal an einen Tisch setzen und jeden der elf Fälle durchsprechen. Dort, wo die Existenz wirklich gefährdet, das Wasserhäuschen von der Schließung bedroht ist, dort müsse die Stadt bereit sein, von ihrer geplanten Pachterhöhung zurückzustehen – falls Radeberger dies dann weiterreiche an die Pächter.

Manuel Stock, der Fraktionsvorsitzende der Grünen, war eigenen Aussagen nach „geschockt“, als er den Artikel in der FNP gelesen hat. Er sieht in erster Linie Radeberger in der Pflicht. „Wasserhäuschen sind ein Kulturgut in Frankfurt und oft ein wichtiger sozialer Treffpunkt. Radeberger sollte sich gut überlegen, ob sie diese Kultur gefährden wollen.“ Was den städtische Anteil an dem Problem angeht, findet Stock, dass „die Stadt sich bei ihren Forderungen nicht immer am Marktüblichen“ orientieren könne, sondern auch manchmal darunter bleiben müsse, wenn ein übergeordneter Zweck – hier der Erhalt der Wasserhäuschen – dies erfordere. Allerdings sei dies stadtintern beim nächsten Gespräch mit dem für die Liegenschaften zuständigen Dezernenten Jan Schneider (CDU) zu besprechen.

Die Fraktionsvorsitzende der Linken, Dominike Pauli, ruft den Magistrat auf, nach Lösungen im Sinne der Betreiber zu suchen. Sie sind „wahrlich keine Großverdiener“. Und offenbar habe „die Stadtregierung nur ein offenes Ohr für die Großen und Mächtigen“.

Michael zu Löwenstein Fraktionsgeschäftsführer der CDU im Römer, war gestern nicht zu einer Stellungnahme zur Zukunft der Wasserhäuschen in der Lage.

In den Leserbriefen zum FNP-Artikel wurde unter anderem vermutet, „dass die Stadtoberen gar kein Interesse an den Wasserhäuschen haben. Sie müssen zwar nach außen hin den Schein waren (...), aber eigentlich hätte man sie gerne schon lange aus dem Stadtbild verbannt.“

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