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Römerhallen zwischen Markt und Galerie

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Von: Alexandra Flieth

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Maike Kreichgauer war produktiv. Während Corona hat sie jeden Tag ein kleines quadratisches Bild gemalt. Fast 500 Werke sind seit dem Startschuss ihrer selbstgewählten Aufgabe entstanden - jedes Bild ist nummeriert und mit dem Tag seiner Entstehung versehen FOTO: rüffer
Maike Kreichgauer war produktiv. Während Corona hat sie jeden Tag ein kleines quadratisches Bild gemalt. Fast 500 Werke sind seit dem Startschuss ihrer selbstgewählten Aufgabe entstanden - jedes Bild ist nummeriert und mit dem Tag seiner Entstehung versehen © Rainer Rüffer

Viele der Aussteller kämpfen ums Überleben

Maike Kreichgauer ist froh darüber, dass der Künstler-Weihnachtsmarkt des Berufsverbandes Bildender Künstler (BBK) Frankfurt, der am heutigen Freitag um 12 Uhr in den Römerhallen eröffnet wird, möglich ist. An ihrem Stand präsentiert die Künstlerin aus dem Odenwald ihre Bilder, von denen zahlreiche seit dem ersten Lockdown im März 2020 entstanden sind. "Ich habe für mich selbst eine Corona-Challenge bestimmt", erzählt sie. "Jeden Tag ein Bild im gleichen Format zu malen, immer mit der Inspiration des jeweiligen Tages."

Jeden Tag ein Bild

Kreichgauer war produktiv. Fast 500 Werke sind seit dem Startschuss ihrer selbstgewählten Aufgabe entstanden - jedes Bild ist nummeriert und mit dem Tag seiner Entstehung versehen. Eine Auswahl dieser Arbeiten hat sie mit zum Weihnachtsmarkt gebracht - neben größeren und kleineren Formaten.

Nach der Absage 2020, hoffen die rund 40 teilnehmenden Kreativen nun, dass die Veranstaltung so lange wie möglich geöffnet bleiben kann. Schließlich ist sie zentralen Möglichkeit im Jahr, um Werke zu verkaufen und damit einen Teil des Lebensunterhalts zu generieren. Diejenigen, die in diesem Jahr mit dabei sind, haben sich ganz bewusst für eine Teilnahme daran entschieden. Es gilt 2G plus Maske. Am Eingang wird jeder Besucher überprüft. Zusätzlich werden die Römerhallen regelmäßig stoßgelüftet. "Das Konzept ist mit der Stadt abgesprochen", sagt Eva Zinke vom Vorstand des BBK Frankfurt.

Auch Kunst "To Go" aus einem umgestalteten Automaten wird es geben. Künstler Jan Heartmann, der ebenfalls mit einem Stand vertreten ist, stellt die Idee vor. Der Automat, der einst zum Verkauf von Präservativen genutzt wurde, wird mit kleinen Kunstobjekten gefüllt, die für fünf Euro pro Stück gezogen werden können. "Kontaktlos Kunst kaufen, kurz KKK, haben wir die Idee genannt", sagt Heartmann.

Zwar ist die Teilnehmerliste kürzer als sonst, dennoch fällt dies beim Rundgang durch die Römerhallen nicht auf. Teil des Konzeptes ist es auch, dass mehr Platz zur Verfügung gestellt und zusätzliche Flächen bespielt werden. Malerei, Bildhauerei, Fotografie sowie Kunsthandwerk wie Schmuck und keramische Objekte werden angeboten. Parallel dazu sind in der Jahresschau in der Paulskirche Werke von weiteren rund 50 Künstlern des BBK Frankfurt ausgestellt.

Ganz knapp vor den 100

Der BBK Frankfurt feiert in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen. Der Künstler-Weihnachtsmarkt blickt sogar auf eine noch längere Tradition zurück und wird zum 99. Mal organisiert. Erstmals im Jahr 1922 durchgeführt, sind die Römerhallen mit kurzen Unterbrechungen seitdem der Ort, an dem jährlich ein Querschnitt des künstlerischen Schaffens der Frankfurter Kunstszene angeboten wird. In den einst wirtschaftlich schwierigen Zeiten der Weimarer Republik, bot die Veranstaltung trotz eines Eintrittspreises von damals 20 Mark, die Gelegenheit mit Künstlern ins Gespräch zu kommen und diese mit dem Kauf eines Werkes finanziell zu unterstützen. So ganz anders als einst scheint die Situation von heute nicht zu sein. Denn trotz Corona-Stipendien für Künstler, ist es auch für sie in diesen Zeiten nicht leicht, mit ihrem Beruf wirtschaftlich über die Runden zu kommen.

Der Künstlerweihnachtsmarkt in den Römerhallen und die Ausstellung in der Paulskirche sind bis zum 22. Dezember geplant. Bis zum 21. können diese täglich von 12 bis 20 Uhr besichtigt werden. Für die Ausstellung in der Paulskirche gilt, dass sie am 7., 10 und 21. Dezember geschlossen bleibt. Beide Veranstaltungen haben am 22. Dezember nur bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Alexandra Flieth

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