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Auf Rollen durch die Nacht gleiten

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Runde Sache: Franziska Klein benutzt Ellenbogen-, Knie- und Handgelenkschützer sowie einen Helm. Andere Skater sehen das nicht ganz so eng, tragen nur Handschuhe und haben in Rucksäcken ihre Straßenschuhe dabei.
Runde Sache: Franziska Klein benutzt Ellenbogen-, Knie- und Handgelenkschützer sowie einen Helm. Andere Skater sehen das nicht ganz so eng, tragen nur Handschuhe und haben in Rucksäcken ihre Straßenschuhe dabei. © Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA

Auftakt bei den DienstagsSkatern: FNP-Mitarbeiterin Karina Wilczok fährt zum „Tuesday Night Skating“-Tourstart auf ihren Inlineskates mit. Der langjährige Traditionslauf durch die Mainmetropole geht in die nächste Runde

Aus einem ehemaligen Kinderwagen dröhnen Bassklänge aus Musikboxen. Neon-Sportbekleidung, stumpfe Bremsgeräusche des Hackeneinsatzes und jede Menge Rollen, die „inline“ in einer Reihe hintereinander angeordnet sind: Am Dienstag versammelten sich über 300 Inlineskater in der Abenddämmerung am Hafenpark an der Mayfarthstraße. Nach der Winterpause sind ab sofort wieder jeden Dienstagabend bis zum 25. Oktober ab 20.30 Uhr die Frankfurter Hobbyskater auf den Straßen unterwegs. Seit dem Auftakt im Sommer 1997 sind die Dienstagsläufe bei Jung und Alt bekannt.

20.20 Uhr, 10 Grad – und ich bibbere nicht nur vor Kälte. Es ist sehr lange her, als ich das letzte Mal auf den acht Rollen stand. Heute versuche ich mich zum ersten Mal an der Traditionstour. Zwischen den Sportbegeisterten bleiben mir noch zehn Minuten zum Aufwärmen. Immer mehr Skater versammeln sich auf dem Hafenplatz. Sie sehen alle sehr professionell aus, was ich in meinen Joggingklamotten nicht behaupten kann. Plötzlich wird von allen der Countdown gezählt: Drei, zwei, eins und Schuss! So beginnt um 20.30 Uhr die wilde Jagd auf Rollen quer durch Frankfurts Straßen.

Links, rechts, links, rechts. Nach den ersten, konzentrierten Gleitschritten fange ich mich und die Kälte spielt bald keine Rolle mehr. Es ist spannend, inmitten einer über 300-köpfigen Gruppe durch das Ostend Richtung Innenstadt zu sausen. Noch macht sich mein Anfänger-Dasein nicht bemerkbar, doch ich werde schon nach den ersten zurückgelegten Kilometern schlapper.

Hochmotivierte Skater sausen an mir vorbei. Sie schwingen ihre Arme von links nach rechts, beugen sich dabei weit nach unten. Gerade die leichten Steigungen der Straßen erfordern Kraft, doch die atemberaubende Kulisse macht alles wett.

Polizei ist dabei

Wir fahren durch die Hochhausschluchten der Mainmetropole und stets fühlt man sich durch die einwandfreien Fahrbahnabsperrungen der Begleitfahrzeuge der Polizei, des Ordnungsamtes und des Rettungsdienstes sicher. Was kann schon passieren? Ein unaufmerksamer Moment und ich rausche aus Versehen in eine junge Gruppe vor mir. Nach einem kurzen Stolperer fängt mich Franziska Klein (23) auf. Die Peinlichkeit überspielend, nutze ich die Gelegenheit und frage, wie lange sie schon dabei ist. „Ich fahre seit letztem Jahr mit“, erklärt die Schwalbacherin und stützt mich noch ein paar weitere Meter, bis ich mich wieder sicher auf den Beinen fühle.

Seither versammelt sich ihr bis zu achtköpfiger Freundeskreis wöchentlich zum After-Work-Skaten. Klein freut sich, dass endlich wieder die TNS-Touren (TNS steht für Tuesday Night Skating) beginnen. Sie erklärt: „Viele Leute machen hier mit. Dabei kann man die Stadt ohne Autos auf Skates erkunden – wann ist das sonst möglich?“

Eben dieser Gedanke war es auch, der Dirk May (50), Initiator der Dienstagsläufe, vor fast 20 Jahren antrieb. Die Skater-Geschichte begann damals mit Mays kleiner Sandwich-Bar „Zwischendurch“ in Sachsenhausen, wo er ab und zu auf Rollschuhen die Gäste bediente. So organisierte er einen Treffpunkt für die damals noch kleinere Zahl der Inline-Begeisterten. Heute organisiert er gemeinsam mit dem Sportamt die traditionelle Rollschuhtour. Dabei variieren die Strecken wöchentlich und sind zwischen 28 bis 35 Kilometer lang. Die Touren eignen sich für alle Skater, egal ob Anfänger oder Fortgeschrittener – jeder ist willkommen. Mal durchkreuzen die Skater die nördlichen Stadtteile Frankfurts, mal fahren sie gen Süden bis nach Neu-Isenburg oder sie rollen bis nach Höchst oder Offenbach. Neben der Polizei achten auch die ehrenamtlichen TNS-Ordner auf einen reibungslosen Ablauf.

Stopps zum Verschnaufen

Jede Tour bietet Stopps, wo sich alle sammeln und kurz verschnaufen können. Ich schaffe es bis zur Mitte der Strecke, dem „TNS-Back to the roots“-Rastplatz, wo wir nach knapp 15 Kilometern wieder am Startpunkt im Ostend Halt machen. Dort verabschiede ich mich von der Gruppe.

Hier steht auch Inga Hildebrandt (30) vom Sportamt, die zu Beginn den Startschuss auslöste und die Veranstaltungsreihe unterstützt. „Am schönsten finde ich, dass es hierbei nicht um den ersten Platz, sondern um eine gemeinsame Sportveranstaltung im Herzen Frankfurts geht“, erklärt Hildebrandt. Und ich gebe ihr Recht: Man muss kein Profi sein, um Dienstags-Skater zu werden. Der gemeinschaftliche Charakter zählt und neben der Erkundung der Mainmetropole locken auch neue Bekanntschaften. Mein Fazit: Bei wärmeren Temperaturen schließe ich mich den Skatern gerne an.

Infos gibt’s online unter .

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