Iris Feldgen (li.) und Roswitha Kopp von der Stadtbücherei hatten gestern die "Dream Academy" erstmals für Jugendliche geöffnet. Sie steht bis zum 1. Juli auf dem Sossenheimer Kerbeplatz und soll dann ins Gutleut, nach Preungesheim und nach Fechenheim.
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Iris Feldgen (li.) und Roswitha Kopp von der Stadtbücherei hatten gestern die "Dream Academy" erstmals für Jugendliche geöffnet. Sie steht bis zum 1. Juli auf dem Sossenheimer Kerbeplatz und soll dann ins Gutleut, nach Preungesheim und nach Fechenheim.

Sossenheimer Projekt

Rollende Traum-Akademie gibt ihr Debüt

  • vonAlexandra Flieth
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Stadtbücherei hat einen ehemaligen Bücherbus zum fahrenden Jugendtreff umbauen lassen.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass der Bus, der seit gestern auf dem Sossenheimer Kerbeplatz steht, mit Büchern zum Ausleihen durch die Frankfurter Stadtteile gefahren ist und so im Einsatz für die Fahrbibliothek der Stadtbücherei war. Seine frühere markante Lackierung - er sah wie ein rollendes Bücherregal aus - hat Platz gemacht für bunte Graffiti. Denn statt dort Bücher auszuleihen, ist das Fahrzeug zu einem Ort für Jugendliche ab 14 Jahren umgestaltet worden. "Frankfurt Dream Academy" heißt das Modellprojekt der Stadtbücherei, das jetzt in Sossenheim gestartet ist.

Viel Raum für Ideen

Der frühere Bücherbus ist jetzt ein Raum für Jugendliche, ein Ort, an dem sie sich treffen, Spielekonsolen nutzen oder kreativ sein können. Und vor allem ein Ort, den die Mädchen und Jungen mit ihren Ideen mitgestalten dürfen. Bereits die Graffiti-Gestaltung des Busses ist von Jugendlichen für Jugendliche gemacht worden: Schüler einer Abschlussklasse der Ernst-Reuter-Schule II in der Nordweststadt haben die bunten Bilder gemeinsam mit dem Offenbacher Künstler Fabian Stenzel realisiert.

"Für uns steht bei dem Projekt die Frage im Mittelpunkt: Was ist es, was die Jugendlichen sich wünschen", sagt Roswitha Kopp von der Öffentlichkeitsarbeit der Stadtbücherei Frankfurt. Um das herauszufinden, seien Umfragen in den Schulbibliotheken, auf den Social-Media-Kanälen der Stadtbücherei und bei Straßen-Interviews am Hafenpark gemacht worden. Zudem habe es im vergangenen Jahr einen mehrtägigen Ideen-Workshop in der Naxoshalle gegeben. "Es gab viele Wünsche, die genannt wurden, besonders der nach einem eigenen Raum, an dem die Jugendlichen unter sich bleiben können, ist ihnen sehr wichtig", berichtet Roswitha Kopp. So sei die Idee zur "Frankfurt Dream Academy" entstanden - einer "Pop-up-Bibliothek jenseits der Worte", so der anfängliche Arbeitstitel des Projekts. Den früheren Bus der Fahrbibliothek dafür nutzen zu können, sei ein Glücksfall gewesen. Dadurch ist der neu geschaffene Raum für Jugendliche mobil einsetzbar und soll, so die Planung, nach der Station in Sossenheim bis Mitte Oktober noch Halt im Gutleutviertel, in Preungesheim und in Fechenheim machen.

Statt Regale voller Bücher gibt es im Inneren des Busses klar definierte Zonen: Es finden sich eine größere Fläche zum Sitzen, unweit des Eingangs ein großformatiger Bildschirm, um sich gemeinsam bei Konsolenspielen zu messen, sowie zwei aufklappbare Arbeitsplätze, an denen die Kreativität gefragt ist. "Es handelt sich um eine Basisausstattung, die noch erweitert werden kann", erklärt Projektleiterin Iris Feldgen. Das Schlüsselwort heißt "Partizipation" - die Gestaltungsprozesse sollen in Absprache mit den Jugendlichen passieren. "Wir möchten mit den Jugendlichen im Gespräch bleiben", sagt Feldgen. Geplant seien zum Beispiel auch Workshop-Angebote etwa zur Bildbearbeitung. Noch im Laufe der Woche soll es vorm Bus einen gestalteten Außenbereich sowie WLAN geben.

200 000 Euro vom Bund

Mit dem Projekt sollen künftig auch Mädchen und Jungen erreicht werden, die ansonsten nicht in Bibliotheken kämen. Im Mittelpunkt der Angebote stünden Kreativität, Kommunikation, Zusammenarbeit und kritisches Denken: Fähigkeiten, deren Förderung durch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) formuliert worden seien.

Das Modell-Projekt wird mit 200 000 Euro aus dem Fonds "hochdrei - Stadtbibliotheken verändern" der Kulturstiftung des Bundes auf zwei Jahre gefördert und soll danach ausgewertet werden. Der Innenausbau des Busses wurde mit Unterstützung von Designern der Büros "Creators Collective" aus Wiesbaden vorgenommen. Alexandra Flieth

So geht es weiter

Die "Frankfurt Dream Academy" macht noch bis zum 1. Juli Halt auf dem Kerbeplatz in Sossenheim und hat montags bis sonntags jeweils von 13.30-19 Uhr geöffnet. Danach folgen Stationen im Gutleut, in Preungesheim und in Fechenheim.

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