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Rollifahrer für Sport begeistern

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Von: Andreas Haupt

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Das Curling-Team des RSC in Schwenningen bei der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft, die im März in Korea stattfand.
Das Curling-Team des RSC in Schwenningen bei der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft, die im März in Korea stattfand. © Ralf Kuckuck, DBS-Akademie gGmbH

Als einer der ersten Vereine seiner Art gründete sich 1967 in Frankfurt der Rollstuhl-Sport-Club Frankfurt. Heute feiert er in der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik sein 50-jähriges Bestehen.

Ohne Kurt Nicklas wäre der Rollstuhl-Sport-Club (RSC) Frankfurt wohl nie gegründet worden, sagt Manfred Emmel (72), der einer von noch zwei lebenden Gründungsmitgliedern des RSC ist. „Er war es damals, der die Gründung forcierte.“ Nicklas war ein „Gehschullehrer“ an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BGU) und half Patienten dabei, wieder gehen zu lernen. Und so wurde Nicklas auch der erste Vorsitzende jenes Vereins, der sich am 30. Juni 1967 – heute vor 50 Jahren – als „Hessische Versehrtensportgemeinschaft für Querschnittgelähmte“ in Seckbach gründete. Damals wie heute hat der Verein vor allem ein Ziel: Querschnittsgelähmten die Möglichkeit zu geben, Sport zu treiben.

Sport zu treiben sei wichtig für die körperliche und geistige Konstitution (siehe eigener Artikel), sagt der heutige Vorsitzende, Pierre Fontaine. Bei der Gründung des RSC steckte der Behindertensport in Deutschland noch in den Kinderschuhen. „Er entstand nach dem Zweiten Weltkrieg wegen der vielen Soldaten, die im Krieg querschnittsgelähmt wurden.“ Ein Pionier war der deutschstämmige Neurologe Sir Ludwig Guttmann, der 1948 in Aylesbury (England) die ersten Sportspiele für Rollstuhlfahrer, die Stoke Mandeville Games, ausrichtete – den Vorläufer der heutigen Paralympischen Spiele. „Bald kam die Idee auf, Sport in der Therapie für Querschnittsgelähmte einzusetzen, auch nach Deutschland. Der erste Verein für Rollstuhlsport gründete sich 1967 in Berlin, bald darauf auch jener in Frankfurt“, berichtet Fontaine.

Goldmedaille gewonnen

Schnell waren die Frankfurter Sportler erfolgreich: In Person von Manfred Emmel, der von 1994 bis 2015 Vorsitzender des RSC war. Schon 1968, im Jahr nach der Vereinsgründung, gewann der Tischtennisspieler bei den Weltspielen der Behinderten in Tel Aviv Gold im Einzel und Silber im Doppel, ließ bis 1988 fünf weitere Goldmedaillen folgen.

Zu verdanken habe er seine Erfolge auch Alfred Daßbach, jenem BGU-Geschäftsführer, der 1967 die Gründung des RSC zusammen mit Nicklas vorantrieb. „Die BGU unterstützte uns finanziell und logistisch.“ Nicht nur trainieren die Rollstuhl-Sportler bis heute in deren Sporthalle. „Daßbach baute ein regelrechtes Trainingslager auf in den Wochen vor den Weltspielen.“

Kontakte in alle Welt

Heute hat der RSC Abteilungen für Basketball, Bogenschießen, Curling, Handbiken, Rigby, Schwimmen Tanzen und Tischtennis sowie eine Abteilung für Kinder- und Jugendsport. „Die größte Abteilung ist heute Basketball“, sagt Fontaine. Aber auch im Tischtennis oder Rugby starten Teams in der Bundesliga.

Und die Basketball- und Tischtennis-Abteilung richten Europameisterschaften aus. Durch seine international erfolgreichen Sportler habe der Verein Kontakte in alle Welt.

„Unsere erste Aufgabe ist es aber, den Menschen die Möglichkeit zu bieten, sich sportlich zu betätigen“, sagt Fontaine. Auch gesellschaftlich sei Sport wichtig. „Vereine sind immer Orte, an denen Menschen gemeinsam feiern und ihre Freizeit verbringen.“

Dabei sei im RSC immer auch der integrative Aspekt wichtig. „Das integrative Sport- und Spielfest etwa haben wir im vergangenen Jahr zum 25. Mal ausgerichtet. Manfred Emmel war hier lange Zeit federführend tätig.“ Und vor knapp zwei Wochen richtete der RSC sein fünftes integratives Mitternacht-Tischtennisturnier aus. Diese integrative Funktion des Behindertensports funktioniere gut, sagt Fontaine. „Das zeigt etwa die Deutsche Meisterschaft im Rollstuhltanzen, die wir 2016 ausrichteten. Weil das beim Publikum gut ankam, richteten wir sie in diesem Jahr wieder aus – und es kamen schon mehr Zuschauer als im Vorjahr“, wie Fontaine erklärt.

Ein Problem habe der Verein lediglich bei der Sponsorensuche. „Dabei haben Randsportarten sowieso Probleme.“ Um in Deutschland eine Sportförderung auf hohem Niveau aufzubauen, müsse ein Konzept entwickelt werden.

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