Kopftuch am Arbeitsplatz

Rotkreuzkliniken setzen ein Zeichen für Toleranz im Arbeitsleben

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Arbeitgeber dürfen ihren Beschäftigten verbieten, ein Kopftuch zu tragen. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden. Die Frankfurter Rotkreuz-Kliniken zeigen, dass es anders geht. Auch andere Arbeitgeber in der Stadt gehen entspannt mit dem Thema um.

Es gibt einen Ort in der Stadt, an dem gehört das Kopftuch seit eineinhalb Jahren ganz offiziell zur Arbeitskleidung: in den Frankfurter Rotkreuzkliniken. „Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Menschen Zeichen ihres Glaubens zeigen dürfen, auch im Job. So tolerant muss eine Gesellschaft sein“, betont Klinik-Geschäftsführerin Marion Friers.

Die Initiative, das Kopftuch zur Arbeitskleidung zu machen, ging von Schwesternschülerin Bouchra (22) aus. Ihr Kopftuch trägt die junge Frau aus Überzeugung, doch bei der Arbeit im Krankenhaus gab es immer wieder Probleme, schon wegen der Hygienevorschriften. Die selbst gekauften, weißen Kopftücher musste die junge Frau zu Hause separat waschen, damit sie keimfrei sind. Immer wieder kam es zu Diskussionen, wie sie diese zu binden habe, um die Hygienerichtlinien einzuhalten.

Eine klare Regelung muss her, fand Bouchra und wandte sich an Geschäftsführerin Friers. Die gab ihr recht. Friers zog den Hygieneexperten der Klinik zu Rate, ließ sich Muster schicken. Die muslimischen Mitarbeiterinnen wählten gemeinsam ein Modell aus, das jetzt zur Arbeitskleidung gehört. Einzige Bedingung: Es muss während der Arbeitszeit unter dem Kittel getragen werden, der Schal darf nicht oben auf liegen – aus Hygienegründen. „Seitdem ist das Kopftuch gar kein Thema mehr“, freut sich Friers.

Dass der Europäische Gerichtshof nun entschieden hat, dass Arbeitgeber ihren Mitarbeiterinnen das Tragen eines Kopftuchs verbieten können – für die Klinik-Geschäftsführerin kommt das Urteil überraschend. „Es ist doch keine Frage der Integrationsfähigkeit, ob jemand ein Kopftuch trägt. Da geht es um ganz andere Dinge.“

Für die Stadtverwaltung ändert das Urteil der Luxemburger Richter nichts, sagt Personaldezernent Stefan Majer (Grüne): „Wir haben in Frankfurt kein Verbot ausgesprochen, weder für das Kopftuch, noch für andere Glaubenszeichen.“ Wenn es tatsächlich mal in einer städtischen Einrichtung, etwa in einer Kita, zu einem Konflikt komme, seien die Vorgesetzten angehalten, individuelle Lösungen zu finden, sagt Majer.

Anders verhalte es sich beim Thema Burka: „Bei uns gibt es die Verpflichtung zur uneingeschänkten visuellen Identifikation während der Arbeitszeit“, sagt Majer. Das heißt: Wer bei der Stadt beschäftigt ist, muss für sein Gegenüber gut erkennbar sein. Eine Burka, so der Stadtrat, erfülle dieses Kriterium nicht. Wie viele städtische Beschäftigte überhaupt Kopftuch tragen? Majer: „Ich weiß weder, wie viele eine Krawatte tragen, noch wie viele ein Kopftuch tragen.“

Mit Kopftuch am Bankschalter? Auch das ist kein Problem, wie Commerzbank-Sprecherin Silke Lerch auf Anfrage mitteilt: „Wir fördern die Vielfalt und gehen positiv mit verschiedenen Kulturen und Religionen um. Das gilt für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Filialen genauso wie für Angestellte in anderen Einheiten der Commerzbank.“

Im Gastgewerbe gehen die Unternehmer nach Auskunft von Eduard Singer, Präsident des Hotel- und Gastronomieverbands Dehoga Hessen, „liberal“ mit dem Thema um, „wobei im Einzelfall immer der Unternehmer entscheidet“. Dabei spiele nicht nur die Unternehmensphilosophie eine Rolle, sondern auch „die Wahrnehmung des Gastes“.

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