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Ein Roulette für den Flughafen

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Von: Julia Lorenz

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Michael Lorz (oben), Rudi Rettlinger und Stefan Nickisch halten die Klebefolie an der Lamelle an.
Michael Lorz (oben), Rudi Rettlinger und Stefan Nickisch halten die Klebefolie an der Lamelle an. © Christian Christes (CHRISTES)

Nachdem es das Casino am Flughafen nicht mehr gibt, sieht nun zumindest ein Gepäckband wie ein Roulettetisch aus. Im Auftrag der Spielbank Bad Homburg hat eine Nürnberger Firma die riesige Anlage beklebt.

Es ist kurz vor 22 Uhr. Am Frankfurter Flughafen tummeln sich nur noch wenige Menschen. Während schon fast alle Gepäckbänder im Terminal 1 A stillstehen, dreht ein einsamer pinkfarbener Koffer auf dem Band 2 in der Halle seine Runden. Michael Lorz wird langsam nervös. Eigentlich soll die Anlage jetzt deaktiviert sein. Der Chef der Agentur für Gepäcktransportband Marketing (AGM) ist mit einem kleinen Team aus Nürnberg an den Main gekommen, um im Auftrag der Spielbank Bad Homburg das Band mit Folien zu bekleben, damit es am Ende wie ein riesiger Roulettetisch aussieht.

Ein Fraport-Mitarbeiter kommt auf einem Fahrrad vorbei und sammelt den letzten Koffer ein. Jetzt steht das Band still. Die Werkzeugkoffer stehen schon bereit, die einzelnen Folien sind ausgepackt. Michael Lorz und sein Team inspizieren die einzelnen schräg stehenden Lamellen. „Sie sind sauber“, stellt der Chef fest. Einen Abend zuvor wurde die komplette Anlage von den Reinigungskräften der Gesellschaft für Cleaning Service (GCS) sauber gemacht. „Das ist wichtig, sonst hält die Folie nicht“, sagt Lorz.

281 Lamellen müssen beklebt werden. Viel Zeit dafür haben die sechs Männer nicht. Um fünf Uhr morgens müssen sie fertig sein, denn dann wird die Gepäckanlage wieder für die Koffer der ankommenden Passagiere benötigt. „Wir haben ausgerechnet, dass wir pro Lamelle nur zweieinhalb Minuten Zeit haben, wenn wir rechtzeitig fertig werden wollen“, sagt Lorz. Und so legen sie, aufgeteilt in zwei Dreier-Teams auch schnell mit ihrer Arbeit los. „Die größte Schwierigkeit besteht darin, die Folie genau so auf der Lamelle anzusetzen, dass es passt“, erklärt der 43-Jährige. Die Folien sind durchnummeriert. Fehler dürfen nicht passieren – es gibt keinen Ersatz.

Präzision ist gefragt

Konzentriert und vorsichtig setzen Michael Lorz und sein Mitarbeiter Rudi Rettlinger (25) die Folie an der unteren Ecke einer Lamelle an. Stück für Stück wird die Folie nun mit Hilfe eines Rakels – eine Art Schaber – auf der Lamelle glatt gestrichen. Fertig. „Sensationell. So muss das sein“, freut sich Lorz, der gemeinsam mit seinem Team vor diesem Abend viel in Nürnberg an Probe-Lamellen geübt hat. „Jetzt sind es ja nur noch 280.“ Alle lachen. Und so geht es weiter. Vorsichtig ansetzen, glatt streichen, fertig. Ansetzen, glatt streichen, fertig.

Für Michael Lorz ist das ein großer Tag – beziehungsweise, eine große Nacht. Vor acht Jahren kam der Elektrotechniker, als er mal wieder an einem Flughafen unterwegs war, auf die Idee, Gepäckbänder als Werbeflächen zu nutzen. „Hier ist doch die höchste Verweildauer der Passagiere, wenn sie bis zu 20 Minuten auf ihre Koffer warten“, sagt Lorz. Also entwickelte er eine spezielle, hochglänzende Klebefolie, die lange hält, robust ist und sich leicht wieder entfernen lässt. Darauf hat er sogar ein Patent.

Doch durchschlagende Kraft hatte seine Idee nicht. Es habe immer mal wieder Anfragen gegeben, aber dann wurde doch nichts daraus – bis das Casino aus Bad Homburg kam. Billig ist das Unterfangen allerdings nicht. „Das kostet die Spielbank wahnsinnig viel Geld“, sagt Lorz. Über den genauen Betrag schweigt er sich aus.

Hingucker für Reisende

Eine Mitarbeiterin des Flughafens, die das Geschehen neugierig beobachtet, kommt vorbei, fragt, was die Herren denn da wohl machen. Nachdem Michael Lorz es ihr erklärt hat, kann sie es nicht glauben. „Wollen Sie mich veräppeln? Das kann man sich ja gar nicht vorstellen. Und das hält?“ Da ist sich Michael Lorz sicher. Ein halbes Jahr soll die Werbung für die Spielbank in Bad Homburg am Flughafen zu sehen sein. Sicher ein Hingucker für Reisende.

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