Planung stößt auf Ablehnung

Kritik an der Rückkehr der Straßenbahn

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
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Frankfurter Anwohner wehren sich gegen eine Rückkehr der Tram auf dem Marbachweg. Eine solche sei weder zeitgemäß noch notwendig.

Frankfurt - Es ist der 25. Februar 1978 - der Tag, an dem in Frankfurt zum letzten Mal eine Straßenbahn mit Fahrgästen über den Marbachweg und weiter zum Dornbusch rollt. Dann wird der Betrieb der Linie 13, die Berkersheim erst mit dem Sandhof, dann mit dem Opernplatz verband, eingestellt. Als Ersatz wurde die Route des Busses 34 angepasst und die Lücke geschlossen.

Das ist bis heute so geblieben. Doch 2030 sollen die Uhren wieder zurückgedreht und der Marbachweg zur Straßenbahnstrecke werden. Für die 52 Millionen Euro teure Ringstraßenbahn, die die Friedberger Warte einmal mit dem Markus-Krankenhaus verbinden soll. Bereits im Februar hat die Stadtverordnetenversammlung der Vorplanung zugestimmt.

Nun hat auch der Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) diese endlich abgenickt. Mehrheitlich - die BFF stimmte dagegen. Die CDU letztlich dafür. Aber nur mit dem im Protokoll aufgenommen Hinweis auf eine bislang vom Magistrat noch nicht beantwortete Ortsbeirats-Anregung. Die unter anderem eine durchgängige Mindestbreite der Radwege von zwei Metern fordert. Denn das, betonte Inge Cromm (CDU), sehe die Planung eben nicht vor.

Noch Fiktion, auf diesem Bild schon zu sehen, nach 2030 Realität: die Ringstraßenbahn (links) auf dem Marbachweg.

Frankfurt: Rückkehr der Straßenbahn „führt zu Problemen für die Rettungsfahrzeuge“

Deutliche massivere Kritik gibt es derweil von den Anwohnern des Marbachwegs. Wie von Bernhard Hoppe, der tief in die Pläne eingetaucht ist und eine lange Ausarbeitung erstellt hat. In der er zu dem kommt: Eine Straßenbahn auf dem Marbachweg sei nicht sinnvoll, sondern eher störend. Weil die Straße, maximal 18 Meter breit, schlichtweg zu schmal für zwei Gleise, Haltestellen, Rad- und Gehwege sowie den motorisierten Verkehr sei. „Das führt zu Problemen für die Rettungsfahrzeuge. Die dort entlang fahren oder wenn es zu Einsätzen auf dem Marbachweg kommt. Denn die Bahn kann nicht auf die Seite fahren kann wie der Bus“, gab er zu bedenken.

Dass die Branddirektion in die Planungen eingebunden worden sei und keine Bedenken geäußert habe, wie Angela Rühle (Grüne) betonte, überzeugte ihn dabei nicht.

Für Hoppe sind die Planungen „völlig aus der Zeit gefallen“. Statt auf eine Straßenbahn sollte man doch besser auf Elektrobusse setzen. Die seien nicht nur deutlich günstiger, man müsse auch nicht die gesamte Straße dafür umbauen, so sein Fazit. Andere Anwohner des Marbachwegs hatten sich bereits im Vorfeld der Sitzung beklagt. Die Busse, die im Zehn-Minuten-Takt verkehrten, seien nicht ausgelastet, wie sollte denn dann eine Straßenbahn gefüllt werden.

Frankfurt: Rückkehr der Straßenbahn auf den Marbachweg

„Die transportiert noch mehr Luft“, sagen sie. Und: Auch die Straßenbahn werde im Stau stehen. In Spitzenzeiten werde sie sich zwischen Gießener Stadtweg und Ginnheim sehr langsam bewegen und mindestens 30 Minuten brauchen. „Ich hoffe sie befürworten diesen Unsinn nicht“, appellierte eine andere Anwohnerin daher an den Ortsbeirat.

Der es aber mit seinem Votum nun eben doch getan hat. Wurde die Vorplanung doch von den Ortsbeiratsmitglieder in jeder der vergangenen Sitzungen - im Dezember waren ihnen die Pläne vorgestellt worden - umfangreich diskutiert worden. Sowohl intern als auch extern. So äußerte Ansgar Hegerfeld, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Frankfurt, in der Juni-Sitzung keine Sicherheitsbedenken bezüglich des Radverkehrs. Im Gegenteil. Es sei definitiv „eine klare Verbesserung“ zur jetzigen Situation. Auch die Stadtverordnete Sylvia Kunze (SPD) sprach sich für die Ringstraßenbahn aus. „Sie bringt eine klare Leistungssteigerung, die wir brauchen. Der ÖPNV ist überlastet“, sagte sie.

Argumente, die die Anwohner des Marbachweges aber letztlich nicht überzeugten. Sie wollen sich weiter gegen die geplante Straßenbahnlinie wehren. „Die darin investierten Gelder sollte man in sinnvollere Dinge investieren“, sagte Bernhard Hoppe. Eine Ansicht, die zumindest Thomas Budenz (BFF) teilt. „Es gibt mittlerweile Elektro- und Hybridbusse. Sie sind deutlich leiser als die bis in die Nacht fahren. Die Anwohner wollen ruhig schlafen“, sagt er. Ein Votum von ihm für eine Ringstraßenbahn gebe es nur, wenn diese um Frankfurt herum führe. „Und nicht als Ersatz für eine funktionierende Buslinie.“ (Judith Dietermann)

Rubriklistenbild: © Rainer Rüffer

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