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Niederknien zur Arbeit: Fliesenlegermeister Stefan Ried beim Sanieren eines Bades.

Handwerk

Rückkehr der Meisterpflicht?

Sie ist wieder da, die Meister-Diskussion. 2004 abgeschafft, soll die Meisterpflicht bei vielen Handwerksberufen wieder eingeführt werden. Frankfurter Handwerker sind dafür. Doch es gibt auch Gegenstimmen.

Ob die Meisterpflicht wieder eingeführt wird, ist noch nicht entschieden. Abgeschafft wurde sie in 53 von insgesamt 94 Berufen schon vor 14 Jahren. Andreas Demand, Geschäftsführer der Landesfachgruppe Fliesenleger und Naturstein beim Verband Baugewerblicher Unternehmer in Hessen, sagt: „Der Ball liegt auf der Linie, die Politik muss schießen.“

Die Frage nach der Meisterpflicht ist aktuell. Wirtschaftsminister Altmeier lässt eine Vorlage erarbeiten, die in Brüssel durchkommen soll. Bernd Ehinger, Präsident der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, war schon immer ein Verfechter der Meisterpflicht: „Der Meister hat nicht nur praktisches und theoretisches, sondern auch betriebswirtschaftliches sowie pädagogisches Fachwissen vor einer unabhängigen Kommission nachgewiesen.“ Viele Handwerker konnten sich seit 2004 selbstständig machen und ein Gewerbe anmelden, ohne Meister in dem Beruf zu sein – ja gar, ohne den Beruf jemals gelernt zu haben. Die meisten der Berufe, das sei gesagt, dürfte es im Rhein-Main-Gebiet ohnehin kaum geben. Etwa Böttcher, Korbmacher oder Kürschner. Aber eben auch Berufe wie Betonsteinhersteller, Raumausstatter und Fliesenleger.

Die Fliesenleger sind häufig im Gespräch. Bei der Handwerkskammer gab es 2007 bei den Fliesenlegern 337 Betriebe, die Zahl stieg mit der Liberalisierung binnen zwei Jahren an auf zuletzt (2016) 3312. Und während 2003 noch 14 Meister ausgebildet wurden, waren es seit 2009 keine Meister mehr. Das hat, befürchten mit Ehinger viele, später Folgen für die Berufsausbildung.

Aber mal ehrlich: brauche Fliesenleger einen Meistertitel? „Mein Vater ist Meister, ich habe bei ihm alles gelernt“, sagt einer der in Frage gestellten Unternehmer. „Aber ich habe jetzt keine Ausbildung, geschweige denn Meisterbrief für Flieseleger. Ich führe das Geschäft aus dem Bauch. Für Fliesen muss man kein Meister sein. Man verbaut Fertigteile, es gibt keine Gefahren.“ Der Meistertitel sei eine Überqualifikation – bei den Fliesenlegern. Das sieht Demand völlig anders. „Wenn ich samstags im Baumarkt sehe, was die einkaufen: Da passen Fliesen, Kleber und Estrich gar nicht zusammen. Das eine ist für Innen, das andere für Außen. Nach dem ersten Frost fallen die Fliesen ab.“ Den Schaden haben die Verbraucher.

Das sieht auch Stefan Ried so. Er ist Fliesenlegermeister der alte Schule und berichtet: „Ich sehe ja selbst jeden Tag als Gutachter den Pfusch, den sich sogenannte Fliesenleger leisten. Die lassen sich im Baumarkt beraten, wie sie die Platten verlegen sollen, weil sie oft keine Ahnung haben. Es sind Einmannunternehmer, der Großteil aus Osteuropa, sie melden hier Gewerbe an, und zwar nicht mal als Fliesenleger, sondern als Hausmeister. Die meisten Hausmeisterservices sind in Wirklichkeit Fliesenleger.“

Für die Verbraucher seien diese Fliesenleger günstiger: „Reel kalkuliert müsste ich mindestens 64 Euro pro Stunde nehmen“, sagt Ried. „Mein Lohn mit allen Lohnnebenkosten liegt bei 57 Euro, dazu kommen fünf bis zehn Euro Material.“ Am Markt zu erzielen sind nur 50 bis 55 Euro. Und viele sogenannte Fliesenleger arbeiten schon für 30 Euro, manche noch weniger pro Stunde. „Für uns Fliesenleger wird es höchste Zeit, dass die Meisterpflicht wieder kommt. Wir waren der Hauptmotor, dieses Fass noch einmal aufzumachen“, sagt Ried.

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