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Wölfe verirren sich bisher nur als Einzeltiere nach Hessen, ganze Rudel haben sich in Feld, Wald und Flur bisher nicht niedergelassen.

Natur

Die Rückkehr der Wildtiere

Sie sind wieder da. Noch ist ihre Zahl gering oder sie sind nur auf der Durchreise. Doch auch in hessischen Wäldern werden wieder Luchse und Wölfe gesichtet.

Nicht nur Spaziergänger und Wanderer fühlen sich im Wald wohl. Wildtiere wie Waldvögel, Eichhörnchen und Insekten werden häufig gesichtet. Von scheuen Waldbewohnern wie Wildkatze oder Luchs ist dagegen selten etwas zu sehen. Doch zufällige Begegnungen oder Bilder aus Fotofallen zeigen: Die Rückkehr lange verschwundener Wildtiere ist kein reines Wunschdenken von Naturschützern mehr.

„Die Rückkehr vieler Wildtiere verdanken wir dem Verbot der Bejagung“, sagt Mark Harthun, Fachbereichsleiter Naturschutz bei Nabu Hessen. In den „völlig antiquierten Bundesjagdgesetz“ befänden sich zwar nach wie vor bedrohte Arten wie Steinadler, Seeadler, Wildkatze, Luchs, Fischotter und Elch – dank des Naturschutzrechts unterliegen sie aber einer ganzjährigen Schonzeit. „Die nun zurückkehrenden Arten sind also nicht Verlierer der Lebensraumveränderung gewesen, sondern ausschließlich der Bejagung“, sagt Harthun.

Besonders spektakulär ist die Rückkehr jener Wildtiere, die seit vielen Jahren nicht mehr in den hessischen Wäldern lebten – wie zum Beispiel Wölfe und Luchse. Auch heute noch sind sie ausgesprochen selten und keineswegs ständige Bewohner, betont Harthun. „Keines der etwa 60 Wolfsrudel, die derzeit in Deutschland bekannt sind, hat sich bisher in Hessen angesiedelt.“ Einzeltiere streifen nach Nabu-Angaben aber immer wieder mal durchs Land, zuletzt in Biebertal und im Odenwald.

„Der Wolf ist nicht zwingend auf Wälder angewiesen, sondern kann auch in offener Kulturlandschaft leben“, sagt Harthun. Allerdings seien Risiken wie Autoverkehr in den bewaldeten Landesteilen deutlich geringer. Zudem benötigen Wölfe, ebenso wie Luchse, für die Jungenaufzucht „ruhige, ungestörte Bereiche, die sie vor allem dort finden, wo wenige Menschen unterwegs sind“.

„Der Luchs in Hessen ist eine Besonderheit – der ist nämlich von allein gekommen“, sagt Susanne Jokisch vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie. Denn nachdem Luchse in Deutschland lange ausgestorben waren, gab es vor Jahren ein Wiederansiedlungsprojekt im Harz. Von Niedersachsen aus wanderten dann einige Luchse nach Nordhessen. In den vergangenen Jahren gab es allerdings einen Rückschlag. „Seit vorletztem Jahr gab es keine Fortpflanzung“, so Jokisch. Zwei Weibchen seien gestorben, und wie sich der Luchsbestand in Hessen derzeit zusammensetzt, ist nicht wirklich bekannt. „Ganz sicher wissen wir von zwei Männchen.“ Es gibt auch Hinweise, dass sich die Luchse etwas nach Süden bewegt haben. Aufschlüsse erhoffen sich die Naturschützer von Bildern aus Fotofallen.

Meldungen über Luchs- oder Wolfsichtungen laufen beim Landesamt zusammen. „Wir versuchen, mit den Leuten zu reden und die Beobachtung zu verifizieren“, sagt Jokisch. Bei dem oft schnellen Blick auf den angeblichen Wolf sind Irrtümer nämlich nicht ausgeschlossen. „Hochbeinige Füchse während des Fellwechsels werden schon mal als Wolf gemeldet.“ In einem Fall erwies sich der angebliche Wolf gar als Wildschwein.

Ein anderer seltener Rückkehrer ist der Fischotter, der vor einigen Jahren etwa im Vogelsberg gesichtet wurde.

Das Augenmerk der Naturschutzbehörden ist allerdings auch auf Tiere gerichtet, die weniger spektakulär sind. „Wir machen in Hessen Monitoring für rund 130 Arten“, sagt Jokisch. An 40 bis 45 Standorten landesweit werden über Monate hinweg wechselnd

Fotofallen installiert

, um die tierische Bevölkerung eines Gebiets zu erfassen.

Alle sechs Jahre gibt es eine Bestandsaufnahme über Flora und Fauna in den hessischen Wäldern für die europaweite Liste der Artenverbreitung. Schmetterlinge, Käfer und Libellen werden da ebenso aufgeführt wie beispielsweise Feldhamster und Haselmaus – oder aber die Bechsteinfledermaus, die in Hessen und Thüringen heute ihre europaweit größte Verbreitung hat.

Für viele Fledermausarten ist der Zustand des Waldes von großer Bedeutung, betont Jokisch. „Etwa zehn der 20 bei uns lebenden Fledermausarten leben nur im Wald – und die brauchen einen vielstufigen Waldbestand mit alten Eichen.“

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