Dieses Spezialeinsatzkommando der Frankfurter Polizei nutzt das G 36-Gewehr bereits. Künftig sollen auch Streifenpolizisten damit im Einsatz sein.
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Dieses Spezialeinsatzkommando der Frankfurter Polizei nutzt das G 36-Gewehr bereits. Künftig sollen auch Streifenpolizisten damit im Einsatz sein.

Sturmgewehr im Streifenwagen

So rüstet die hessische Polizei im Kampf gegen den Terror auf

  • Daniel Gräber
    VonDaniel Gräber
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Um auf Terroranschläge besser vorbereitet zu sein, werden Streifenpolizisten bald mit stärkeren Waffen unterwegs sein. Die Ausschreibung läuft. Im Gespräch ist das Bundeswehr-Gewehr G 36. Einzelne Einheiten der hessischen Polizei sind bereits damit ausgerüstet.

Seitdem islamistische Terroristen den bewaffneten Häuserkampf in europäische Großstädte getragen haben, spielt die hessische Polizei neue Einsatzszenarien durch. Gotteskrieger mit Kalaschnikows, die den eigenen Tod nicht scheuen und wahllos auf Passanten schießen. 40 Tonnen schwere Lastwagen, die gezielt in Menschenmengen gesteuert werden, um möglichst viele „Ungläubige“ zu töten und zu verletzen. Mit ihrer bisherigen Standardbewaffnung sind normale Streifenbeamte den Angreifern deutlich unterlegen. Das soll sich nun ändern. Das hessische Innenministerium will die Landespolizei aufrüsten.

Geplant ist die Anschaffung von 1500 Sturmgewehren. Das Ministerium bestätigte gestern einen entsprechenden Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Diese Mitteldistanzwaffen sollen die bisher eingesetzten Maschinenpistolen des Typs MP 5 nach und nach ersetzen. Sie haben eine deutlich höhere Reichweite und Durchschlagskraft.

Im Gespräch ist das Bundeswehr-Standardgewehr G 36 des baden-württembergischen Herstellers Heckler & Koch. Mit 130 Sturmgewehren diesen Typs wurden bereits hessenweit sechs Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten der Bereitschaftspolizei ausgestattet. Zwei dieser Einheiten, die bisher vor allem bei Demonstrationen zum Einsatz kamen, sind in Frankfurt stationiert. Sie sollen künftig auch bei „akuten Terrorlagen als eigenständig agierende Interventionseinheiten“ eingesetzt werden, heißt es aus Wiesbaden.

Vierwöchiges Spezialtraining

Um darauf vorbereitet zu sein, haben die Bereitschaftspolizisten eine vierwöchige Spezialgrundausbildung absolviert. Der Umgang mit dem neuen Sturmgewehr stand dabei auf dem Programm sowie das „Training taktischen Einschreitens in städtischer Umgebung und speziell in Häusern“.

Da bei einer Terrorattacke meistens ganz normale Streifenbeamte die Ersten vor Ort sind, sollen auch sie mit Sturmgewehren ausgerüstet werden. Denn auf besser bewaffnete Einheiten zu warten, kann viele Menschenleben kosten. Eine bessere Schutzausrüstung mit Helmen und Westen, die einer Kalaschnikow standhalten, liegt bereits in einigen Streifenwagen für den Ernstfall bereit. Nun soll das Sturmgewehr hinzukommen. Die Beamten lernen im Rahmen des Notinterventionstrainings, damit umzugehen. „In Frankfurt muss jeder Polizist, der im Streifendienst tätig ist, ein solches Training absolvieren“, sagte ein Polizeisprecher.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßt die geplante Aufrüstung. „Neue, modernere Waffen sind immer gut“, sagte Jochen Zeng, Vorsitzender der GdP-Bezirksgruppe Frankfurt. „Wichtig ist aber, dass die Kollegen gut geschult werden, um mit den Gewehren umgehen zu können. Darauf werden wir achten.“

Schals gegen Messerangriffe

Innenminister Peter Beuth (CDU) präsentiert die neuen G36-Gewehre der Bereitschaftspolizei heute in Wiesbaden. Er betont, dass die Landesregierung so viel Geld wie noch nie für die innere Sicherheit ausgebe. Im Jahr 2017 habe Hessen rund 51 Millionen Euro in neue Fahrzeuge, Schutzkleidung und Dienstwaffen investiert. Im Doppelhaushalt 2018/2019 stünden weitere 136,7 Millionen Euro zur Verfügung. „Wir machen als Landesregierung damit deutlich, dass für uns die Sicherheit unserer Bürger sowie die Arbeitsbedingungen unserer Schutzleute oberste Priorität haben“, sagte er.

Zur künftigen verbesserten Ausstattung der hessischen Polizei zählen neben den neuen Sturmgewehren auch 9 700 Schutzwesten, die starkem Beschuss standhalten sollen, sowie 10 000 Schnittschutzschals. Damit sollen die Beamten gegen Messerattacken geschützt werden.

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