Baugebiet

Rund um das MTZ sollen Wohnungen für 6000 Menschen entstehen

  • schließen

Wird das Main-Taunus-Zentrum Mittelpunkt eines neuen Wohngebiets mit rund 6000 Neubürgern? Seit gestern wird über die Idee diskutiert, um die Wohnungsnot im Rhein-Main-Gebiet zu mindern.

Der Regionalverband Frankfurt / Rhein-Main hat bisher vor allem auf Wünsche der Kommunen reagiert und in den Flächennutzungsplan Bau- und Gewerbegebiete eingetragen. Jetzt wird die Spitze des Verbandes, bestehend aus Verbandsdirektor Thomas Horn (CDU) und dem Ersten Beigeordneten Rouven Kötter (SPD) selbst aktiv. Sie schlagen vor, u-förmig um das Main-Taunus-Zentrum (MTZ) zwischen Frankfurt, Sulzbach und Liederbach ein Wohngebiet zu schaffen – für 6000 Menschen. Als Idee, noch ohne konkreten Zeitplan.

Gewöhnlich müsse man für Neubaugebiete die Infrastruktur erst bauen, erläutert Horn seine Idee. Hier aber ist sie schon vorhanden – erstens das MTZ mit seinen Geschäften, Gastronomie, Ärzten und Kino. Und zweitens die gute Verkehrsanbindung, womit Horn nicht nur die A 66 und die Bundesstraße 8 meint, sondern auch die kurzen Verbindungen für die Radfahrer in die umliegenden Orte. Auch einen Busbahnhof gibt es dort.

An den Wohnraummangel in der Region braucht Horn in dem Zusammenhang gar nicht zu erinnern. „Mir ist klar, dass die Flächen nicht beliebig vermehrbar sind“, geht er auch auf einen möglichen Kritikpunkt ein. Deshalb schlägt er vor, im Gegenzug eine Reihe von Baugebieten, die nicht realisiert wurden, aus dem Regionalen Flächennutzungsplan zu streichen. Für seine Idee spreche auch die Forderung nach kurzen Wegen zwischen Wohnung und Arbeitsplatz, weist Horn auf die vielen Beschäftigten in Eschborn, in Sulzbach und in Bad Soden hin.

Natürlich weiß der frühere Bürgermeister von Kelkheim, dass dieses Baugebiet keinen Bahnanschluss haben würde, ebenso wie das MTZ. Jetzt noch einmal die Pläne für die Regionaltangente West zu verändern, davon hält er gar nichts; diese Schienenverbindung müsse schnell gebaut werden. Aber die Bahnhöfe von Sulzbach und Liederbach seien schnell erreichbar.

 

Diesen beiden Orten kommt in der weiteren Debatte eine zentrale Bedeutung zu, liegt doch das fragliche Gebiet zum größten Teil in Sulzbach, aber auch in Frankfurt und Liederbach. Dort ist die Stimmungslage unterschiedlich. Liederbachs Bürgermeisterin Eva Söllner (CDU) spricht von einer „guten und bemerkenswerten Idee“. Denkverbote dürfe es nicht geben, wolle man das Wohnungsproblem lösen. Sulzbachs Rathauschef Elmar Bociek (CDU) dagegen will die Idee nicht komplett ablehnen, hat aber einen Einwand. Sulzbach wolle nicht mit Frankfurt zusammenwachsen – und genau das passiere mit diesem Baugebiet. Bociek: „Es gilt schon, den Charme der Region zu erhalten.“

„Es gibt dort weit und breit keine Schienenanbindung“, moniert der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Er begrüßt, dass der Regionalverband sich stärker in der Wohnungsdiskussion engagieren will. „Endlich verlassen wir die ideologische Ebene und betrachten die Probleme aus der fachlichen Perspektive.“ Er sei gesprächsbereit, so Josef.

Für Michael zu Löwenstein, Fraktionsvorsitzender der CDU im Frankfurter Stadtparlament, ist das Thema erst einmal im wahrsten Sinne des Wortes Neuland. Trotzdem: Jede Idee sei willkommen, so der CDU-Politiker. Für zu Löwenstein ist der Vorschlag seines Parteikollegen Horn vom Regionalverband Frankfurt / Rhein-Main „ein interessanter Ansatz“, den man sich aber erst einmal genauer ansehen müsse. Zwar sei es positiv, dass es in „der Mitte“ der angedachten „neuen Stadt“ schon ein Versorgungszentrum gebe. Aber das sei für ein solches Projekt „nicht das einzige wichtige Kriterium“.

Klar ist, dass das Projekt nur im Einvernehmen mit der ECE als dem Betreiber des Main-Taunus-Zentrums realisiert werden kann. Dem Unternehmen gehören auch Teile der Flächen – konkret das ehemalige Autokino. Aus der Hamburger Zentrale kommen positive Signale: „Die weitere Einbindung des MTZ und die städtebauliche Integration halte ich für einen sinnvollen Gedanken“, sagt Geschäftsführer Andreas Mattner. Auf diese Weise könne die Region weiter zusammenwachsen. Wobei Sulzbach, soweit Siedlungsflächen gemeint sind, genau das nicht will. Mitarbeit: hin/stef

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare