Russ: Lob für den Vater der Kompanie

Der 33-Jährige überzeugte bei seinem Saison-Debüt gegen Hannover – und hofft nun auf seinen Einsatz am Donnerstag gegen Rom.

Marco Russ hat in seinem Fußballerleben und auch dem Dasein abseits des grünen Rasens schon eine ganze Menge erlebt, mehr, als ihm lieb ist. Er ist auf- und abgestiegen, hat Dramen und Triumphe verarbeitet, und er hat den wichtigsten Kampf seines Lebens gewonnen, den gegen den verdammten Krebs. Und doch konnte sich der alte Fahrensmann von einer gewissen Nervosität nicht freimachen, als er die Eintracht am Sonntagnachmittag gegen Hannover 96 als Kapitän aufs Feld führte. Denn: „Das letzte Spiel habe ich gegen Fürth gemacht.“ Das war eine streng geheime Partie unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Vorbereitung, am 27. August, es endete 0:0. Marco Russ, der gereifte Mann vom Riederwald, durfte 45 Minuten verteidigen. Seitdem saß der 33-Jährige auf der Bank.

Das ist nicht das, was sich der Routinier so vorstellt, andererseits ist er erfahren genug, um sich mit Befindlichkeiten dieser Art nicht länger aufzuhalten.

Er bleibt positiv

und ehrlich aufrecht, er ist längst einer, der das Große und Ganze im Blick hat und es über persönliche Bedürfnisse stellt. So hat ihn auch Trainer Adi Hütter wahrgenommen, der den Hanauer nach dem ungefährdeten 4:1 über Hannover gleich zweimal explizit hervorhob, ohne dass er nach Marco Russ gefragt worden wäre.

„Ich muss ihm ein Kompliment machen. Obwohl er lange nicht gespielt hat, hat er es sehr gut gemacht.“ Und viel wichtiger noch: „Er ist ein super Typ, ganz wichtig für die Mannschaft. Bei ihm weiß man, was man hat.“

Der dienstälteste Frankfurter Spieler ist ein Leader in der Gruppe, eine Führungspersönlichkeit – egal, ob er spielt oder nicht. Der Wert von solchen Typen wie Marco Russ lässt sich bei weitem nicht nur an gewonnenen Zweikämpfen bemessen, der früher zuweilen unbedarfte und übers Ziel hinausschießende Verteidiger tritt eher wie der Vater der Kompanie auf. Strömungen nimmt er sehr genau wahr, er schaut sehr wohl, dass keiner aus der Reihe tanzt oder sich selbst zu wichtig nimmt.

Doch er hat auch auf dem Platz seine Daseinsberechtigung, gegen Hannover trat Russ abgeklärt auf. Es ist auch eine Kunst oder vielleicht auch die Reife im gesetzten Sportleralter, auf den Punkt voll da zu sein und seine ganze Konzentration ohne Anlaufzeit zielgenau auf seine Aufgabe zu richten. Russ selbst bemerkte schon ein paar Ungereimtheiten in den Abläufen, doch er wusste selbst, dass die Begegnung gegen die erschreckend schwachen Niedersachsen eine sehr dankbare für ihn war. „Das Spiel hat mir geholfen“, sagte er. Die Spitzen der 96er waren stumpf, Entlastung bekam das Schlusslicht eigentlich gar nicht hin. Da hat man als Abwehrmann leichtes Spiel. Und mit der geballten Erfahrung aus 300 Bundesligaspielen schaukelt man eine solche Partie locker nach Hause. „Mit Erfahrung und Auge bekommt man das hin“, befand der erblondete Russ lächelnd.

Der Deckungsspieler freut sich jetzt auf das erste Europa-League-Heimspiel am Donnerstag gegen Lazio Rom. Der internationale Auftritt ist für ihn etwas ganz Besonderes, er weiß, dass er sich im Spätherbst seiner Karriere befindet und nicht mehr allzu viele Gelegenheiten haben wird, sich auf dieser Bühne zu präsentieren und diese Glanzlichter zu erleben. „Ich freue mich drauf, es wäre schön, wenn ich spielen würde. Solche Spiele muss man genießen, egal, ob man 19 oder 33 ist.“ Es spricht nicht viel gegen einen Einsatz. Da müsste schon eine Blitzheilung von Abraham einsetzen. Davon ist eher nicht auszugehen, der Argentinier zog sich eine Adduktorenverletzung zu.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare