Mit Handfeger und Lappen wurde der Innenraum gereinigt.
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Mit Handfeger und Lappen wurde der Innenraum gereinigt.

Weihe vor 50 Jahren

Russisch-Orthodoxe Gemeinde feiert ihre Kirche

  • VonGernot Gottwals
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Morgen feiert die Russisch-Orthodoxe Gemeinde Sankt Nikolaus den 50. Jahrestag der Weihung ihrer Kirche am Fischstein.

Pünktlich zum Weihejubiläum soll die Kirche des Heiligen Nikolaus in neuem Glanz erstrahlen. Deshalb war der Kirchsaal eingerüstet worden, um die Wände mit den Malereien von Adam Russak zu reinigen. „Der Ruß der Kerzen, die wir zu den Gottesdiensten anzünden, hat seine Spuren hinterlassen“, stellt Erzpriester Dimitri Graf Ignatiew fest, Pfarrer der Russisch-Orthodoxen Nikolausgemeinde. „Etwa alle 15 Jahre sind diese Reinigungsarbeiten nötig.“

Außen wirkt die Kirche stilvoll, jedoch zurückhaltend. Doch als der Frankfurter Architekt Wolf Drewermann und der aus Weißrussland stammende Maler Adam Russak in den 1960er und 70er Jahren das russische Gotteshaus am Fischstein im Pleskauer Stil gestalteten, schufen sie ein religiöses Wahrzeichen im Umfeld des von Zweckbauten geprägten Industriehofes. Mit einem Festgottesdienst und einer Fotoausstellung feiert die Gemeinde nun den 50. Jahrestag der Kirchenweihe am 30. April 1967.

Mehrere Chöre singen

Am morgigen Sonntag beginnt um 9.30 Uhr eine Liturgie mit anschließender Prozession um die Kirche. Um 13 Uhr sind die Gemeinde und sämtliche Festgäste zu einem Empfang im Garten des Gotteshauses geladen. Um 14 Uhr wird die Ausstellung „50 Jahre Gemeinde Heiliger Nikolaus in Frankfurt am Main“ eröffnet. Und um 15 Uhr haben verschiedene orthodoxe Kirchenchöre ihren Auftritt.

Fotos erzählen Geschichte

Die mehrteilige Fotodokumentation berücksichtigt auch die Vorgeschichte der Gemeinde in der Kurstadt Bad Homburg des 19. Jahrhunderts: Dort wurde 1896 bis 1899 die russische Allerheiligenkapelle errichtet, die anfangs dem Metropoliten von Sankt Petersburg entstand und ab 1947 mit ihrer Gemeinde, die in Frankfurt einen zweiten Standort suchte, der russischen Auslandskirche unterstellt wurde. Denn anders als zur Zarenzeit wurde die Gemeinde nicht mehr durch eine überschaubare Zahl von Kurgästen und sonstigen Reisenden bestimmt, sondern durch viele Vertriebene des Sowjetregimes.

Deshalb errichten die Russen zunächst 1950 eine Holzkirche in der Haeberlinstraße in Eschersheim. Der Bau der heutigen Kirche erfolgte unter den Vätern des heutigen Pfarrers Dimitri Ignatiew und des Kirchenältesten Michael Gorachek. Allerdings war es nicht ganz einfach, einen Stil zu finden, der an die russische Tradition anknüpft und trotzdem zu einer orthodoxen Gemeinde des 20. Jahrhunderts in Frankfurt passt.

„Als man bei Russak damals wegen der Ausmalung der Kirche anfragte, antwortete er, er müsse erst Klarheit über die richtige und geeignete Architektur haben“, erinnert sich Ignatiew. Diese Klarheit sollte sich jedoch nicht bei den prachtvollen Kathedralen von Moskau oder Sankt Petersburg finden, das damals Leningrad hieß, sondern im Nordwesten Russlands nahe der estnischen Grenze. So sind in der Architektur der Hausener Kirche tatsächlich Anklänge an die Sankt Nikolauskirche und andere historische Gotteshäuser in Pleskau (Pskow) erkennbar.

„Man vermied bewusst das Vorbild allzu verspielter Kirchen mit vielen Kuppeln wie der Moskauer Basiliuskathedrale, mit der ich mich auch heute nicht recht anfreunden kann“, räumt Ignatiew ein. Die Fotoausstellung zeigt schrittweise die Erbauung durch Wolf Drewermann, der übrigens ein Schüler von Ernst May war. Die Kirche wurde 1965 bis 1967 auch durch Spenden der Stadt Frankfurt, des Landes Hessen, des Bistums Limburg, des Weltkirchenrats und der Evangelischen Landeskirche von Hessen und Nassau errichtet.

Ausbau für eine Million

Die Inneneinrichtung und Ausmalung, mit der Russak erst 1972 beginnen konnte, folgt mit Darstellungen von Christus, der Gottesmutter, des Neuen Testaments und den Heiligen der russischen Kirche dem strengen Nowgoroder Stil. In den 90er Jahren erfolgten die Planungen zum Ausbau mit Gemeindehaus, die ab 2002 von Sergej S. Tarassow für rund eine Million Euro ausgeführt wurden. Im Zuge der Eingliederung der Russischen Auslandskirche in das Patriarchat Moskau 2007 siedelte sich eine zweite russische Gemeinde der Heiligen Kyprianos und Juliana in der Matthäuskirche an.

Die Nikolausgemeinde mit mehr als 2000 Gläubigen wächst durch den Zuzug aus Osteuropa weiter. Deshalb wird über eine Erweiterung der Kirche nachgedacht, deren Anbau vor zwei Jahre mit einem Kuppeltürmchen gekrönt wurde.

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