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Derzeit führen fast alle Schienenwege über den Hauptbahnhof. Ein großes Gedränge zu Hauptverkehrszeiten ist die Folge.

Nahverkehr

S-Bahn-Ring soll Hauptbahnhof entlasten

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2023 sollen auf der Regionaltangente West die ersten Züge rollen. Politiker fordern, schon jetzt die Erweiterung der Strecke zu einem S-Bahn-Ring rund um Frankfurt in Angriff zu nehmen.

Wie teuer die Regionaltangente West (RTW) am Ende wird, weiß momentan niemand. Al-Wazir rechnet damit, dass sich die Summe einer halben Milliarde Euro annähern wird – aktuelle Berechnungen werden derzeit erstellt. Den Löwenanteil davon trägt der Bund, aber auch die betroffenen Gemeinden müssen einen Teil beisteuern. Jetzt gibt es erst einmal 30 Millionen Euro für die weitere Planung. Das hat der Aufsichtsrat der RTW-Planungsgesellschaft in dieser Woche beschlossen.

Nicht nur deshalb ist sich der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) sicher: Das Projekt, über das 1992 erstmals diskutiert wurde, hat nun einen Stand erreicht, bei dem es kein Zurück mehr gibt.

Das sah vor ein paar Jahren noch ganz anders aus. Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) erinnerte gestern bei einer Konferenz zum regionalen Schienenverkehr bei der Industrie- und Handelskammer Frankfurt daran, dass der Main-Taunus-Kreis erst von den Vorzügen der Schienenverbindung überzeugt werden musste. „Es fehlte der politische Wille.“

Der ist mittlerweile vorhanden. Nicht nur konnten einstige Kritiker überzeugt werden. Die immer konkreter werdenden Planungen wecken auch Begehrlichkeiten: So wünscht sich im Süden Langen eine Anbindung an die RTW. „Wir melden unseren Anspruch an“, sagte Langens Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD). Im Norden ist eine Fortführung nach Friedrichsdorf im Gespräch.

Für Horst Amann, den Geschäftsführer der RTW-Planungsgesellschaft, ist eine Streckenverlängerung durchaus eine Option für die Zukunft. Er sieht allerdings keine Chance, diese in das aktuelle Genehmigungsverfahren einzubeziehen. RMV-Geschäftsführer Knut Ringat mahnte, sich auf eine Kernstrecke zu konzentrieren und diese dann auch zu bauen. Wenn alles klappt, könne 2021 mit dem Bau begonnen werden. Ringat kann sich vorstellen, dass zwei Jahre später bereits auf einem Teilabschnitt die ersten Züge fahren.

Horst Amann lehnt das nicht ab, wies aber auch darauf hin, dass ein Betrieb auf einem Teilabschnitt auch verkehrlich Sinn ergeben müsse. Er strebt eine Inbetriebnahme der gesamten Strecke von Bad Soden und Praunheim über Höchst, Flughafen bis nach Neu-Isenburg und Dreieich-Buchschlag im Jahr 2024 an. „Es sind aber noch einige dicke Bretter zu bohren.“ Nötig seien verbindliche Zusagen der beteiligten Kommunen – und die Bereitschaft, Geld in die Hand zu nehmen.

Einige Politiker und Verkehrsplaner denken bereits einen Schritt weiter: Für Ringat ist die RTW nur ein erster Schritt für einen Schienenring rund um Frankfurt. „Damit erweitern wir die Kapazitäten ebenso wie mit einem zweiten S-Bahn-Tunnel in der City, den wir ohnehin nicht bekommen.“ Für eine Südtangente, die unter anderem eine direkte Verbindung von Offenbach über den Südbahnhof zum Flughafen herstellen könnte, hat der Landkreis Offenbach bereits eine Studie beim Frankfurter Planungsbüro AS&P in Auftrag geben. Die Kreisbeigeordnete Claudia Jäger (CDU) rechnet noch in diesem Sommer mit Ergebnissen.

Thomas Horn (CDU), der Direktor des Planungsverbands Frankfurt Rhein/Main, plädierte für eine weitere Regionaltangente östlich von Frankfurt. Diese sei zwar vor Jahren als unrentabel verworfen worden. „Doch es hat sich nicht immer bewährt, auf solche Gutachten zu vertrauen“, sagte er. Die Voraussetzungen hätten sich außerdem durch Baugebiete in Bad Vilbel und Offenbach geändert. „Wir sind gezwungen, einen Schienenring zu bauen“, sagte Horn. Dessen Realisierung dürfe allerdings nicht 30 oder 35 Jahre dauern, sagte der CDU-Politiker und plädierte dafür, die „exzessive Bürgerbeteiligung“ einzudämmen. Für einen Zeitraum von zehn Jahren, so sein Vorschlag, sollten Verkehrs- und Wohnungsbauprojekte wegen deren großer Bedeutung von Bürgerbegehren ausgeschlossen werden. Denn er ahnt: Nicht nur bei der RTW wird sich Widerstand regen.

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